Bäume, Schnellladesäulen, Ausgleichsflächen

Das neue Gewerbegebiet in Frixing rückt näher: Doch Töging sorgt sich um sein Trinkwasser

Hier soll die Bäckerei von Anton Eicher entstehen. Es war ein langer Weg, bis sämtliche Hürden beseitigt waren. Jetzt aber fasste der Rat den Billigungs- und Auslegungsbeschluss des Entwurfes zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Frixing Ost“.
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Hier soll die Bäckerei von Anton Eicher entstehen. Es war ein langer Weg, bis sämtliche Hürden beseitigt waren. Jetzt aber fasste der Rat den Billigungs- und Auslegungsbeschluss des Entwurfes zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Frixing Ost“.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Bäume, Schnellladesäulen, Ausgleichsflächen: Die Behörden haben sich zum Bebauungsplan des „Gewerbegebietes Frixing Ost“ zu Wort gemeldet. Dabei wurde deutlich: Damit Bäcker Toni Eicher dort seine Bäckerei bauen darf, sind besondere Auflagen zum Schutz des Trinkwassers nötig.

Erharting – Die Planerin Ursula Jocham vom Ingenieurbüro Jocham und Kellhuber hat die Stellungnahmen erläutert, der Erhartinger Gemeinderat hat sie in der jüngsten Sitzung zur Kenntnis genommen. Zum Beispiel geht es darum: Bei einem geschichtsträchtigen Ort wie Erharting, der auch in Verbindung zur Schlacht von 1322 steht, kann es durchaus sein, dass sich Bodendenkmäler finden. Dies sollte entsprechend dokumentiert werden, heißt es seitens der Denkmalschutzbehörde. Die Untere Bodenschutzbehörde forderte eine unverzügliche Benachrichtigung, falls bei den Erschließungsarbeiten oder beim Aushub von Baugruben Auffälligkeiten im Untergrund angetroffen werden, die auf eine schädliche Bodenveränderung oder Altablagerung deuten.

Ein Laubbaum auf 200 Quadratmetern

Weiter gefasst ist die Stellungnahme des Bund Naturschutz, der Anregungen zur Begrünung gegeben hat und nach fünf Jahren überprüfen will, ob die Maßnahmen umgesetzt worden sind. Er regte eine Dachbegrünung an, wenn das Dach eine Neigung von zehn Grad hat, es sei denn eine Fotovoltaikanlage werde installiert, dann aber auf mindestens 50 Prozent der Dachfläche. Vier Schnellladesäulen für E-Autos sind im gesamten Gewerbegebiet gefordert.

Isektenunschädliche Leuchtmittel gefordert

Auf die Pflanzung eines Baumes besteht die Behörde nicht erst auf einer Fläche von 300 Quadratmetern. Je angefangene 200 Quadratmeter nicht überbauter beziehungsweise befestigter Grundstücksfläche ist zur Durchgrünung des Baugebietes mindestens ein Laubbaum zu pflanzen. Bei der Außen-, Parkplatz- und Straßenbeleuchtung sollen ausschließlich insektenunschädliche Leuchtmittel verwendet werden.

Ausgleichsfläche von der Größe von 5600 Quadratmetern

Auch sei die Ausgleichsfläche im Bebauungsplan einzuarbeiten. Die Ingenieurin verwies dabei auf das Ökokonto der Gemeinde, wovon die Bäckerei Eicher ihr Kontingent „abbuchen“ könne. Insgesamt eine zu erbringende Ausgleichsfläche mit einer Größe von 5576 Quadratmetern berechnet. Das Landratsamt Mühldorf hatte dazu einen Kompensationsfaktor von 0,4 gefordert. Wie dazu die Planerin erklärte, sehe der Leitfaden eine Spanne von 0,3 bis 0,6, vor. Willi Gründl (FWE) hakte hier ein: „Wir haben die Nähe zur A 94, zur Bundesstraße und zur Staatsstraße. Und das soll für die Natur jetzt so hochwertig sein?“ Er sehe das nicht so.

Naturschutzbehörde war bislang kooperativ und kulant

Die Planerin teilte die Meinung des Gemeinderates, gab aber zu bedenken, dass die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt bei der Erstellung des Ökokontos kooperativ und kulant gewesen sei. „Die Ökokontofläche sei deutlich größer geworden, ein vernünftiges Plus, wo man abbuchen kann. Das gleicht sich also aus!“

Spezielle Auflage für die Versickerung von Niederschlagswasser

Das Planungsgebiet befindet sich in der Schutzzone III b des Wasserschutzgebietes der Stadt Töging. Für die Versickerung des Niederschlagswassers ist daher rechtzeitig vor Ausführung beim Landratsamt ein Antrag auf wasserrechtliche Erlaubnis zu stellen.

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Töging sorgt sich um sein Gundwasser

Ein Bauvorhaben auf einem Grundstück, das sich im Wasserschutzgebiet befindet: Das schmeckt der Stadt Töging nicht, die ihr Trinkwasser aus genau diesem Gebiet bezieht. Zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch. Es ist zwar der Bau eines neuen Brunnens geplant. Doch solange keine andere Quelle zur Verfügung steht beharrt die Stadt darauf, dass das Wasser nicht unnötigerweise gefährdet wird.

Befestigte Flächen dürfen nicht durchlässig sein

Der Bau einer Bäckerei, die Toni Eicher im „Gewerbegebiet Frixing Ost“ errichten will, kann also nach Willen der Stadt Töging nur unter Einhaltung von Auflagen durchgeführt werden. Laut neuem Entwurf soll für alle befestigte Flächen sicher gestellt werden, dass sie nicht durchlässig sind.

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Unverständnis bei Gemeinderat Willi Gründl

Neben Filteranlagen sei ein großzügig bewachsener Oberboden nötig, bevor das Wasser versickert werden kann, wie Planerin Ursula Jocham deutlich machte. Ein Punkt, der bei Gemeinderat Willi Gründl (FWE) Kopfschütteln verursachte. „Die Autobahn versickert sämtliches Oberwasser, aber das ist ja auch die Bundesautobahn und nicht der Eicher Bäcker“, so Gründl.

Gleiche Maßstäbe wie bei Netto und Autohof

Bürgermeister Mathias Huber (UWG) erwiderte, dass für das Gewerbegebiet Frixing Ost die gleichen Maßstäbe wie für das Netto-Logistikzentrum oder angesetzt würden. „Da können wir keine Ausnahmen machen!“

Wir haben die Nähe zur A 94, zur Bundesstraße und zur Staatsstraße. Und das soll für die Natur jetzt hochwertig sein?

Gemeinderat Willi Gründl (FWE)

Die Planerin ergänzte, dass in den Folgejahren regelmäßig Dichtigkeitsprüfungen nötig wären. Diese Auflagen könnten dann aber wegfallen, wenn die Stadt Töging ihr Trinkwasser anderweitig beziehen würde und das Wasserschutzgebiet aufgelöst würde.

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Wirtschaftlicher Belang hat Vorrang

Felix Glas vom Bauamt im Rohrbacher Rathaus verwies dabei auf entsprechende Aussagen des Wasserwirtschaftsamt im Zuge der Änderung des Flächennutzungsplanes. Bürgermeister Huber konnte die ablehnende Haltung Tögings nachvollziehen, machte aber auch klar, dass die Nachbarstadt nichts gegen die Pläne unternehmen könne, wenn sich die Gemeinde Erharting beziehungsweise der Bauherr strikt an die Auflagen halten würden. Dem wirtschaftlichen Belang würde dann Vorrang gewährt.

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Lärmschutzmaßnahmen werden vom Straßenbaulastträger nicht erstattet

Das staatliche Bauamt Rosenheim weist darauf hin, dass sich der Bereich im Einwirkungsbereich der Straßenimmissionen befindet. Eventuell künftige Forderungen auf die Erstattung von Lärmschutzmaßnahmen durch den Straßenbaulastträger können gemäß der Verkehrslärmschutzrichtlinien nicht geltend gemacht werden.

Die Kontingentierung der Geräuschemissionen spielt auch eine Rolle

Schließlich gab es noch eine Anregung zur Kontingentierung der Geräuschemissionen, die tagsüber 70 Dezibel und nachts 55 Dezibel nicht überschreiten dürfe. Die Planerin ergänzte hierzu, dass beim Bau der Bäckerei keine Grenzwertüberschreitungen zu erwarten seien. Willi Gründl konnte sich dazu eine Bemerkung nicht verkneifen: „Er wird’s sicher nicht schaffen, lauter zu sein wie die Autobahn. Verstehen muss man das nicht!“

Kontingente für Lärmemissionen

Jeweils einstimmig nahm der Gemeinderat die Anregungen zur Kenntnis. Anschließend fasste der Rat den Billigungs- und Auslegungsbeschluss des Entwurfes zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Frixing Ost“.

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