Inhaberin schlägt Alarm

Brautmoden-Geschäft schlägt Lockdown-Alarm: „Foxy Brides“ in Neumarkt trägt symbolisch schwarz

Ladenbesitzerin Cornelia Marchner, Foxy Brides Neumarkt
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„Wir verkaufen keine Klamotten, sondern Emotionen!“ Derzeit aber weder noch: Wegen des Lockdowns bleiben bei Cornelia Marchner die Brautkleider unverkauft, 100 hat sie im Laden im Gesamtwert von 150.000 Euro.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Keine Lobby für den schönsten Tag im Leben: Wegen der Corona-Einschränkungen bangt das Brautmodengeschäft „Foxy Brides“ in Neumarkt-St. Veit um seine Existenz. Inhaberin Cornelia Marchner will aber nicht tatenlos zuschauen, wie ihr Geschäft zugrunde geht.

Neumarkt-St. Veit – „Das Lachen ist uns leider vergangen – die Perspektive auch!“ Es sind aufrüttelnde Worte, die das Schaufenster von Foxy Brides in Neumarkt-St. Veit füllen. Keine Brautmoden sind es, die Inhaberin Cornelia Marchner aktuell ausgestellt hat. Die Modepuppen tragen schwarze Müllsäcke, sollen auf diese Weise auf die prekäre Situation der Einzelhändler aufmerksam machen, in diesem Fall auf ein Brautmodengeschäft.

Nicht einmal ein Jahr, nachdem Marchner ihr Gewerbe angemeldet hat, steht sie heute vor einem Scherbenhaufen. Sie fordert eine Lockerung der Beschränkungen, die auch ihr die Luft zum Atmen nehmen.

Nach gutem Start kam der Lockdown

„Ich bin so wütend, dass ich nicht einmal mehr weinen kann. Wer mich kennt, weiß dass ich eine Kämpferin bin und ich will nicht leise sterben.“ Foxy Brides sei ihr großer Traum, für den sie alles gegeben habe. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem sich kurvige Frauen wohl- und schön fühlen können. Dieser Traum droht durch willkürliche Maßnahmen zu zerplatzen. Das hier ist kein Aufruf für Mitleid, nein wir wollen und müssen aufmerksam machen!“, rechtfertigt die 35-Jährige ihre Entscheidung, damit offen an die Öffentlichkeit zu gehen.

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Trotz Corona noch voller Tatendrang

Im April 2020 – Corona hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den ersten Lockdown in Deutschland provoziert – hatte Cornelia Marchner ihr Gewerbe angemeldet. Im Mai hatte sie die Ware bestellt, die im August eintraf. Mitte September 2020 war es dann soweit und sie konnte sich ihren großen Traum vom eigenen Brautmodengeschäft erfüllen. „Wir haben einen guten Start hingelegt und konnten unsere Fixkosten für Oktober erwirtschaften. Ein Einkommen für mich war dabei nicht eingerechnet.“

Betrübter Blick in Richtung Zukunft. Noch könne sie den Laden am Laufen halten, weil sie von ihrer Familie auch finanziell unterstützt wird. „Vier Monate vielleicht noch“, schätzt Cornelia Marchner, „dann sind alle Reserven erschöpft!“

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Mit dem Lockdown kam die Verunsicherung

Doch mit dem „Lockdown Light“ im November sei die Verunsicherung der Bräute enorm angestiegen. „Wir konnten merklich weniger Kunden erreichen.“ Mit dem harten Lockdown im Dezember musste Marchner ihren Laden dann komplett schließen. Umsätze? Gleich null.

Marchner beklagt fehlende Hilfen für Existenzgründer

„In den Medien wurde von Hilfen berichtet, auf die wir gehofft haben. Jedoch gibt es keine Hilfen für Existenzgründer! Genau für die Unternehmer, die keine Chance hatten Rücklagen zu bilden.“ Und so erhalte auch Marchner keinen Cent vom Staat. Allerdings habe sie weiterhin Miete, Strom und Versicherungen zu bezahlen, „und das sind nur die betrieblichen Kosten!“

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Schlafstörungen und Panikattacken aus Sorge vor der ungewissen Zukunft

Mittlerweile leide sie an Schlafstörungen und Panik-Attacken – und das täglich. Sie will Corona nicht klein reden, sagt sie. Aber die Maßnahmen, die die Regierung zur Bekämpfung erlässt, bezeichnet sie als unfair. Als Beispiel führt Marchner den Supermarkt an. „Dort dürfen sich circa 100 Menschen gleichzeitig aufhalten. In einem Brautmodengeschäft nicht einmal eine Braut!“ Für Marchner völlig unverständlich: „In Berlin dürfen Brautberatungen stattfinden, in Bayern nicht!“

Ein Kunde auf 120 Quadratmetern und kein direkter Kontakt –doch der Laden bleibt zu.

Dabei würde sie sich streng an die Auflagen halten. Ihr Geschäft hat eine Verkaufsfläche von 120 Quadratmetern, sie habe mit den Kunden kaum direkten Kontakt. „Jeder Kunde kann nachverfolgt werden, es gibt keine Laufkundschaft, nach jedem Termin wird alles desinfiziert – und trotzdem sind wir zu.“ Kleider zum Anprobieren rauszugeben – davon hält Marchner nichts. „Da sind wir bei fünf Kleidern bei 15 000 Euro, die ich aus der Hand gebe, ohne eine Garantie, dass ich sie unbeschädigt zurückbekomme.“

„Click & Collect“ ist keine Alternative

„Click & Collect“ sei ein Instrument, um Einnahmen zu generieren. „Aber in unserer Branche kann ein Onlineshop eine zwei- bis dreistündige Beratung nicht ersetzen.“ Auch eine Auswahl von fünf bis zehn Kleidern sei mit einer Auswahl von 100 Kleidern im Laden nicht vergleichbar. „Ich verlange ja nicht, dass ab morgen alles wieder so läuft wie im Januar 2020. Aber ich fordere eine faire Gleichbehandlung und dass endlich die versprochenen Hilfen ausgezahlt werden.“ Sie spricht dabei nicht von Prozentsätzen, die sich an Umsätzen messen, sondern von den kompletten Fixkosten.

Einzelhändler setzen alle Maßnahmen um und bleiben trotzdem geschlossen

„Wir Einzelhändler, Gastronomen, Kosmetiker und viele mehr haben alle geforderten Maßnahmen umgesetzt und müssen trotzdem schließen. Die Entscheidung wurde uns von der Regierung abgenommen, also sollte diese auch endlich Verantwortung übernehmen.“ Es sei an der Zeit, endlich vernünftig und gerecht zu handeln. „Tötet den Virus, nicht die Unternehmen!“, fordert sie.

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Das empfiehlt die Steuerberaterin

„Wir warten jeden Tag darauf, dass die Formulare endlich zur Verfügung stehen“, sagt Steuerberaterin Rosina Maria von Roennebeck aus Neumarkt-St. Veit zur Überbrückungshilfe III, die vor allem Existenzgründer wie Daniela Marchner helfen sollen, die keine Rücklagen bilden konnten.

Zwischen Ankündigung und Praxis verstreichen bis zu zwei Wochen

Die Erfahrung habe gezeigt, dass es zwar nach Ankündigungen der Regierung bislang bis zu zwei Wochen gedauert habe, bis die Formulare verfügbar waren. Erste Abschlagszahlungen – bis zu 50 Prozent – seien dann aber zügig nach Antragstellung erfolgt. Im Falle des Brautmodengeschäftes verweist sie auf die Überbrückungshilfe II, die als Plattform für Geschäftsöffnungen diene.

Antragstellung aufwendig und auch umständlich

Miete, Anschaffungen und Nebenkosten könnten damit zum Teil kompensiert werden. Von Roennebeck bestätigt, dass die Antragstellung aufwendig und auch umständlich sei, zumal Kanzleien auch mit immer neuen Regelungen konfrontiert seien. „Das allerdings ist auch verständlich, wenn man berücksichtigt, dass zu Beginn der Pandemie auch viele Betrüger unterwegs waren.“

Warnung vor eventuellen Rückforderungen

Was sie an den Vorwegbescheiden stört: „Wir wissen jetzt noch nicht, ob später Rückforderungen eintreten können.“ Das könne dann zu dem Problem führen, dass Gewerbetreibende diese Zahlungen nicht mehr leisten können, weil das Geld dann schon verbraucht sei. Konkretes dazu würden Überprüfungen im vierten Quartal 2021 liefern. Hartz IV als Alternative hält sie für keine endgültige Lösung.

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