Der Damm soll höher werden: Gefährdungspotenzial entlang des Schermer Baches vorgestellt

2016 war es nach einem Starkregenereignis zu Überschwemmungen im Siedlungsbereich rund um den Schermer Bach gekommen. Jetzt ließ die Stadt eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Erkenntnis: Zur Hochwasserentlastung muss der Durchfluss vergrößert werden und auch die Erhöhung des Dammes wurde angeregt.Archiv
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2016 war es nach einem Starkregenereignis zu Überschwemmungen im Siedlungsbereich rund um den Schermer Bach gekommen. Jetzt ließ die Stadt eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Erkenntnis: Zur Hochwasserentlastung muss der Durchfluss vergrößert werden und auch die Erhöhung des Dammes wurde angeregt.Archiv

Wie kann der Hochwasserschutz verbessern und das Gefährdungspotenzial entlang des Schermer Baches auf ein Minimum reduziert werden? Diesen Fragen stellte sich das Ingenieurbüro Kokai, nachdem es vor vier Jahren nach äußerst ergiebigen Regenfällen zu Überschwemmungen gekommen war.

Neumarkt-St. Veit – Das Unwetter von Juni 2016 ist vielen ist noch Vielen in unliebsamer Erinnerung. Nach einem Unwetter stand der Brunnenweg in Neumarkt-St. Veit unter Wasser, nachdem sich Sturzbäche gebildet hatten und sich diese ihren Weg durch das Waldstück oberhalb des Siedlungsgebietes am Brunnberg bahnten und das Wasser in die Keller floss. Der Schermer Bach war mit den Wassermassen überfordert.

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Bereits im vergangenen Jahr war vom Wasserwirtschaftsamt in Rosenheim empfohlen, eine Sicherheitsprüfung der bestehenden Stauanlage und innerhalb des Gemeindegebietes eine Gefährdungsbetrachtung des gesamten Schermer Baches bis zur Rott durchführen zu lassen. Hintergrund: In der Kellerstraße sollten die Weichen gestellt werden für drei Parzellen – Einfamilienhäuser und eine Doppelhaushälfte. Im Zuge dessen sollte die Hochwassersituation neu begutachtet werden.

15 Prozent mehr durch Klimaänderung

Max Weiß vom Ingenieurbüro Kokai stellte in der jüngsten Bauausschusssitzung das Ergebnis der hydraulische Berechnung für ein hundertjährliches Hochwasser vor. Die Quintessenz: Bei häufigen Hochwasserereignissen ist nicht mit Schäden an höherwertigen Nutzungen zu rechnen. Allerdings betonte Weiß, dass bei einer deutlichen Überschreitung des hundertjährlichen Hochwasserereignisses die Leistungsfähigkeiten der Verrohrungen im Siedlungsgebiet zu gering wäre, um den Abfluss schadlos abzuführen. Fließt der Schermer Bach oberflächlich bis zur Rott ab, seien die Anlieger weitreichender betroffen.

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Gleiches gelte bei einer frühzeitigen Verlegung des Betriebsauslasses des Hochwasserrückhaltebeckens. Geht die Wirkung des Beckens vor Eintreffen der Abflussspitze vollständig verloren, ist ebenfalls mit einer Überlastung der Verrohrungen im Siedlungsgebiet zu rechnen.

Wie Weiß weiter ausführte, könnte sich das Wasser weiter aufstauen, wenn es zu einer Verlegung der Verrohrung am Schermer Weg kommt. Die Folge wäre, dass sich das Wasser in diesem Bereich bis zur Straßenoberkante aufstauen könnte, wodurch es noch stärkere Betroffenheiten der linksseitigen Bebauung geben könnte. Eine Aufweitung der Bestandsverrohrung würde Abhilfe schaffen.

Das Problem mit dem Hangwasser

In der Untersuchung wurde festgestellt, dass unterhalb des Hochwasserrückhaltebeckens im rechtsseitigen Hangbereich drei Abflussmulden vorliegen, über welche Hangwasser konzentriert zum Siedlungsgebiet gelangt. Die Erkenntnis: Die Straßenentwässerung ist bei Starkregenereignissen nicht geeignet, die Wassermengen aufzunehmen. „Dies liegt zum einen an der schnellen Verlegung der Einlaufbauwerke bei Belastung mit Hangwasser und zum anderen an der hydraulischen Leistungsfähigkeit des Kanals begründet“, erklärte Weiß dazu. Eine Rückhaltung der Wassermengen sei aufgrund der Topografie nur bedingt möglich. Er empfahl, an den neuralgischen Punkten zusätzliche Einläufe in der Straßenentwässerung zu schaffen sowie zwischen der vorhandenen Bebauung bei einer Überlastung der Straßenentwässerung einen schadlosen Abfluss über Mulden zu gewährleisten.

Vergößerung der Durchlässe

Bei der Bewertung des IST-Zustandes kam Weiß zu dem Schluss, dass sich das Hochwasserrückhaltebecken am Schermer Bach allgemein in einem guten Zustand. Er stellte jedoch auch Defizite fest: Der Rückstau zu einem Wohngebäude müsse bei einem hundertjährlichen Hochwasser verhindert werden. Dies könne erreicht werden, wenn der Durchlass von DN 800 auf DN 1200 vergrößert wird. Der Betriebsauslass müsse außerdem so angepasst werden, dass das Rückhaltevolumen möglichst ausgenutzt wird. Neben einem hundertjährigen Hochwasserereignis müsse dabei auch ein Klimaänderungszuschlag von 15 Prozent berücksichtigt werden. Er empfahl in diesem Bereich auch, die Dammkrone in der südlich des Wohngebietes befindlichen Regenrückhaltung anzuheben. In seinem Sanierungskonzept schlug er vor, das Stauvolumen auf 5100 Kubikmeter zu erhöhen.

Das Stauziel des Hochwasserrückhaltebeckens könne eingehalten werden, wenn die Drosselöffnung mit einem Durchlass von 50 Zentimetern Breite und 46 Zentimetern versehen wäre.Diese Drosselöffnung könnte in den vorhandenen Schacht des Betriebsauslasses integriert werden.

Erhöhung des Dammes

Zum Dammbauwerk sagte Weiß, dass es etwas erhöht werden müsse. Für die Höhenanpassung müsse die vorhandene Oberbodenschicht abgetragen werden, der eigentliche Dammkörper erhöht und die Oberbodenschicht wieder aufgetragen werden. Die Entwässerung der Dammkrone erfolgt mit zwei Prozent zur Wasserseite. „Die Maßnahmen sind relativ moderat!“, fand Weiß.

Zum Schluss gab es eine beruhigende Einschätzung: Auch wenn die Ausführung zur ursprünglichen Planung einige Abweichungen aufweist, liegen keine augenscheinlichen Anzeichen für eine mangelhafte Standsicherheit des Dammbauwerkes vor.

Ludwig Spirkl (SPD) nahm in der Sitzung Bezug zu den Überschwemmungen vor vier Jahren. Damals sei im Siedlungsbereich rund um den Schermer Bach viel Schlamm zu beklagen gewesen, der von einem Hang in die Siedlung geschwemmt worden sei und einen geregelten Abfluss verhindere, wiel die Gullis verstopft gewesen seien. „Gibt es eine Empfehlung für eine Anpflanzung, die solche Schlammmassen aufhalten könnte?“, fragte Spirkl. Hecken würden den Abfluss verzögern, erwiderte Weiß, der aber hinzufügte, dass dies schwierig umzusetzen sei. „Ein wirklicher Rückhalt ist aufgrund der Topografie nicht möglich!“

Bordsteine zu niedrig

Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) ergänzte, dass die niedrigen Bordsteinkanten die Ausbreitung der Wassermassen begünstigt hätten. Die Folge sei gewesen, dass deswegen auch Keller geflutet worden seien. „Ein Problem, das wir wohl nicht in den Griff bekommen werden bei solchen Starkregenereignissen. Außer wir bauen Gullis in Swimmingpool-Größe.“ Weiß erklärte, dass bei der Untersuchung des Hochwasserschutzes alleine die Wassermenge und deren Abfluss untersucht worden sei, nicht aber, welchen Weg das Wasser genau nehme. Er sagte aber auch, dass der Ausbau der Rückhaltungsmaßnahmen südlich der Siedlung eine spürbare Entlastung im Siedlungsbereich eintreten werde.

Auf Grundlage der Untersuchung will die Verwaltung nun prüfen, welche Fördermittel es für die erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahmen gibt. Außerdem will man sich zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen mit dem Wasserwirtschaftsamt abstimmen. Dieser Vorgehensweise stimmte der Bau- und Umweltausschuss einstimmig zu.

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