Corona-Krise: Neumarkter Volksfest steht auf der Kippe

Fröhliche Stunden auf dem Neumarkter Volksfest?Dieses Vergnügen ist gefährdet. Hält die Ausbreitung der Infektionen weiterhin an, steht die Absage zu Diskussion. Stuffer
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Fröhliche Stunden auf dem Neumarkter Volksfest?Dieses Vergnügen ist gefährdet. Hält die Ausbreitung der Infektionen weiterhin an, steht die Absage zu Diskussion. Stuffer
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Corona-Infektionen bereiten Stadt und Festwirt Sorgen: Endgültige Entscheidung über die Durchführung des Volksfestes wird aber erst nach dem 19. April erfolgen. Warum ein Verzicht auf Volsfeste den Festwirt Josef Zens in diesem Jahr gleich drei Mal treffen würde.

Neumarkt-St. Veit – In München verdichten sich die Hinweise darauf, dass das Oktoberfest wohl in diesem Jahr abgesagt wird – und das, obwohl es noch eine ganze Zeit dauert, bis das größte Volksfest der Welt beginnt. In der Region sind schon einige Feste abgesagt worden, die den Reigen zum Frühlingsbeginn eröffnet hätten. Und auch in Neumarkt-St. Veit wird bereits darüber diskutiert, ob es überhaupt Sinn ergibt, das Volksfest, das traditionell in der ersten Woche der Pfingstferien stattfindet, zu veranstalten.

Sorge um die Senioren

„Wir werden den 20. April abwarten, bis dahin gelten ja die Ausgangsbeschränkungen. Danach wird die endgültige Entscheidung gefällt“, sagt Bürgermeister Erwin Baumgartner auf Nachfrage. Wenn er von endgültig spricht, signalisiert der Neumarkter Bürgermeister, dass eine Absage tatsächlich im Raum steht. „Mal ehrlich: Selbst wenn es die Corona-Lage erlauben würde – wie viele würden denn auf das Volksfest gehen?“

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Eine Überlegung, die bei der Abwägung darüber, ob das Traditionsfest vom 29. Mai bis zum 7. Juni tatsächlich durchgeführt werden kann, eine große Rolle spielt. Vorgespräche mit Festwirt Josef Zens seien schon geführt worden. Eine mögliche Verschiebung steht dabei ebenso im Raum, aber etwas Konkretes wollte Baumgartner nicht dazu sagen. Ihn beschäftigt bei der Entscheidung nicht alleine die Sorge darum, dass es in unsicheren Corona-Zeiten nicht angenommen würde. Baumgartner macht sich auch um den älteren Teil der Bevölkerung Sorgen „Ein Seniorentag auf dem Volksfest? Aktuell unvorstellbar. Man will die älteren Mitbürger ja nicht einer Gefahr aussetzen!“

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Einer, der gleich in dreifacher Hinsicht von der Corona-Krise betroffen ist, ist der Festwirt selbst, Josef Zens. Denn das Fest in Neumarkt-St. Veit ist nicht das einzige, das der Hofthambacher in diesem Jahr abhalten würde. Die Volksfestsaison bei der Familie Zens würde eigentlich Mitte Mai schon beginnen, wenn vom 14. bis 17. Mai nach Gerzen eingeladen wird.

Dreimal Festwirt – oder doch nicht?

Doch Zens zeigte sich skeptisch, ob dies tatsächlich der Fall sein werde. Die Zuversicht ist nicht groß, sollte die Infektionsgefahr weiterhin so groß sein. Danach käme Neumarkt-St. Veit und zu guter Letzt Gangkofen, wo es eigentlich am ersten Sonntag im Juli heißen sollte: „O‘zapft is!“

Bislang ist bei Josef Zens von Absage keine Rede: „Die Kapellen sind gebucht, die Zelte bestellt. Plakate habe ich bislang aber keine drucken lassen“, sagt der Hofthambacher, der in diesem Jahr bereits zum 19. Mal in Folge Festwirt wäre.

Auch er denkt besonders an die ältere Bevölkerung. Die Zweifel sind groß, ob die Senioren große Lust hätten, das Volksfest zu besuchen, wenn denn Corona allgegenwärtig ist – und sei es nur in den Köpfen. Damit am Ende ein Volksfest erfolgreich durchgeführt werden kann, „braucht es nicht nur die Jungen, sondern auch die Alten“, sagt Zens, der selbst 67 Jahre alt ist.

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Zum Abwarten ist in der Krise auch der Bierlieferant verdammt. Im Falle von Festwirt Zens ist das die Brauerei Aldersbacher. „Die ganze Welt wartet ab, was nach dem 19. April ist“, sagt Prokurist Josef Kerschhackl. 81 Feste seien eigentlich in diesem Jahr geplant, was in welchem Rahmen tatsächlich stattfinden könne – das stehe in den Sternen. „Natürlich sind wir im ständigen Austausch mit den Festwirten, werden uns in erster Linie an ihnen orientieren.“

81 Feste stehen auf dem Prüfstand

Doch gleichzeitig werden Alternativtermine gesucht, falls Verschiebungen notwendig würden. „Gar nicht so einfach, wenn die Veranstaltungen zwei bis drei Jahre im Voraus geplant sind“, erläutert Kerschhackl. Die eigene Bierprobe Ende April sei bereits abgesagt worden, sagt Kerschhackl. Und auch sonst harre man an den Braukesseln der Dinge, die da kommen. Denn: Von der Fülle der Veranstaltungen hinge ab, wie viel Bier gebraut werde. Und dafür benötigt die Brauerei eine lange Vorbereitungszeit. „Ein gutes Bier lagert acht Wochen“, erklärt Kerschhackl.

Natürlich könne man das Bier auch so verkaufen. „Aber ganz ehrlich: Ein Festbier schmeckt am besten bei einem Fest. Alleine ist es im Himmel auch nicht schön“, sagt Kerschhackl, der hofft, dass die Corona-Krise irgendwann einmal vorbei sein sollte. Derweil werde man sich aber strikt an die Vorgaben der Regierung halten. „Alles andere richten die Götter!“

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