Leben mit der Pandemie

Corona killt das Ja-Wort: Für Schönberger Paar fällt der schönste Tag im Leben ins Wasser

Corona hat den Hochzeitsplänen von Christina Gebler und Sven Appelt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heute sollte das Ja-Wort erfolgen, doch die Ringe bleiben noch in der Schatulle.Enzinger
+
Corona hat den Hochzeitsplänen von Christina Gebler und Sven Appelt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heute sollte das Ja-Wort erfolgen, doch die Ringe bleiben noch in der Schatulle.Enzinger
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
    schließen

Große Gesellschaften sind seit vergangener Woche nicht mehr zugelassen, der Bruder im Berchtesgadener Land hat Ausgangssperre: Zu hohe Inzidenzzahlen vermiesen Christina Gebler und Sven Appelt die Hochzeit am Samstag. Dieses Feierereignis ist den beiden Schönbergern geblieben.

Schönberg – Die Ringe sind schon seit langer Zeit fertig. Schön poliert stecken sie in der Ringschatulle und warten auf den großen Tag. Der „24.10.2020“ sollte es eigentlich sein, wie die Gravur auf der Innenseite verrät. Doch der vermeintlich schönste Tag im Leben von Christina Gebler und Sven Appelt muss ausfallen. Corona hat ihren Hochzeitsplänen ein jähes Ende gesetzt. Weil die Zahl der Infektionen die 50er-Marke überschritten hatte, hieß es plötzlich: Sämtliche Feiern sind gestrichen. Und damit war auch die Hochzeit der beiden Schönberger geplatzt.

Das Datum muss wieder aus den Ringen entfernt werden. Ein neuer Termin steht noch nicht fest

Ganz brav an alle Richtlinien gehalten

„Du planst seit Monaten deine Hochzeit, lässt dich auch durch Corona und immer neue Verordnungen nicht aus Ruhe bringen, versuchst sämtliche Hygienemaßnahmen umzusetzen und jetzt das“, ihre tiefe Enttäuschung kann Christina Gebler nicht verbergen. Auch wenn sie vollstes Verständnis dafür aufbringe, dass die Regelungen notwendig seien, um die Pandemie im Griff zu halten.

Standesamt und kirchliche Trauung an einem tag –so war es ursprünglich geplant

Es war Mittwochabend , der 14. Oktober, als die Hiobsbotschaft das Haus in Gehertsham erreichte. Das Infektionsgeschehen hatte schon Tage vorher im Landkreis einen besorgniserregenden Anstieg verzeichnet. Am Montag war von 13 Neuinfizierten die Rede, am Dienstag waren es bereits 18. Nach dem Ausbruch am Putenschlachthof in Ampfing kratzte am Mittwoch die Zahl der Neuinfizierten an der 50er Marke. Am Abend war den Brautleuten dann klar: Das war‘s mit der Hochzeit, die zehn Tage später stattfinden sollte. „Wir wollten Standesamt und kirchliche Trauung an einem Tag abhalten“, sagt Gebler.

Das könnte Sie auch interessieren:

Antonia und Richard heiraten in Rott wegen Corona anders, aber eine Tradition klappt trotzdem

Bruder aus Freilassing hat Ausgangssperre

Doch auch die standesamtliche Trauung habe sie dann abgesagt, da nur fünf Personen zugelassen wären. „Wir sind in der Familie zwölf Personen, die mir besonders wichtig sind. Wo soll ich denn da anfangen?“, fragt die Braut.

Bei der Absage der für Samstag geplanten Zeremonie sei ihr schließlich ihr Bruder zuvorgekommen. Er wohnt mit seiner Freundin in Freilassing, ist seit Dienstag dieser Woche von der corona-bedingten Ausgangssperre im Berchtesgadener Land betroffen. Die Hochzeit seiner Schwester hätte ohne ihn stattfinden finden.

DJ, Konditor, Floristin und Fotograf: Erst einmal überall absagen

Mit dem Feierverbot für große Gesellschaften stand dann plötzlich das Telefon nicht mehr still. Der DJ musste abgesagt werden, Konditor, Friseur, Floristin und Fotograf vertröstet, Drucksachen gestoppt und schließlich auch die Feier bei ihrem Cousin Robert Gebler, beim Kreuzerwirt in Mettenheim, bis auf Weiteres verschoben werden. „Für ihn tut es mir besonders leid. Gerade erst hatte sich die Gastronomie vom ersten Lockdown erholt. Und dann das“, leidet die Schönbergerin mit der Verwandtschaft mit.

Corona: Mühldorf und Rosenheim weit über Warnwerten +++ Neue Regeln in Kraft

Für den Mettenheimer Gastwirt Robert Gebler war die Nachricht von den weiteren Einschränkungen tatsächlich eine Katastrophe. „Es wäre gerade wieder so gut angelaufen. Doch jetzt haben wir wieder einen Cut“, beklagt der Mettenheimer Wirt, der auch in der nächsten Woche seinen Saal für eine Hochzeit zur Verfügung gestellt hätte. „Am Donnerstag vergangene Woche hätte eigentlich der Schützengau bei uns getagt. Am selben Tag erreichte uns die Nachricht von den Beschränkungen.“ Die Versammlung mit knapp 100 Personen sei dann kurzfristig abgesagt worden.

Weihnachtsfeiern höchstens im kleinen Rahmen

Taufen, Konfirmation, Geburtstage und allmählich wieder Vereinsversammlungen: „Der Oktober hätte gemessen an den schwierigen Zeiten noch richtig gut werden können“, sagt der Gastwirt. Stattdessen heißt es nun wieder zu improvisieren, nur noch kleine Gesellschaften zuzulassen. Immerhin: „Wir haben viele Stuben, schön räumlich getrennt sind, können damit die Abstände einhalten.“ Auch Weihnachtsfeiern seien im kleinen Rahmen möglich. „Wobei die Gäste ohnehin ziemlich zurückhaltend sind.“ Mit Ausblick auf 2021 sagt Gebler zwar, dass es durchaus Hochzeitspaare gebe, die schon einen Termin reservieren. „Doch bei den Planungen spielt Corona auch für 2021 eine Rolle. Niemand plant mit mehr als 100 Personen.“

Familienbetrieb will weiter zusammenhalten

Das Wirtshaus in Mettenheim-Ort sei ein Familienbetrieb sagt Gebler, er führt es in der dritten Generation. „Wir halten zusammen“, und so glaubt er auch, dass die Familie noch relativ gut durch die Krise kommt. „Doch allmählich muss es auch erlaubt sein zu jammern. Denn auch wir haben Fixkosten!“ Dass die Gastronomie wegen Corona Steuererleichterungen bekommen hat, begrüßt er. Doch sagt er auch ganz klar in Richtung Regierung: „Uns Wirten wäre sehr geholfen, wenn die dauerhaft bestehen bleiben!“ Sonst sähe es für den ein oder anderen Wirtekollegen duster aus, meint Gebler.

Lesen Sie dazu auch:

Hochzeitsfeier verschieben statt stornieren? Was ein Heirats-Experte künftigen Brautpaaren rät

Musiker aus der Region kämpfen in Corona-Zeiten um ihre Existenz

Auf Anprobe des Brautkleides verzichtet –das hätte nur Tränen gegeben

„Es heißt in guten und in schlechten. Zeiten. Wenn es nicht so prickelnd beginnt, kann es eigentlich nur noch besser werden“, sagt die Braut, die eigentlich am Dienstag noch einen Anprobetermin für ihr Brautkleid gehabt hätte. Sie sei dann dem Ratschlag ihrer Näherin Thea Kleindienst nachgekommen, das zu unterlassen, „es hätte wohl nur Tränen gegeben“, erzählt Gebler traurig. Das Kleid muss warten. Die Ringe auch. „Die Gravur können wir jetzt wieder rausschleifen lassen.“

Einen Ersatztermin gibt es noch nicht

Gibt es schon einen Ersatztermin? Christina Gebler schüttelt den Kopf. „Ehrlich gesagt habe ich gerade keine Lust zu planen!“ Und selbst wenn man nun einen Termin im Wonnemonat Mai im Blick hätte. „In diesem Jahr ging es in den Gastronomien nach dem Lockdown auch erst im Juni wieder richtig los.“ Also wartet man ab. Mit Zuversicht. „Es hilft uns ja auch nichts, wenn wir Trübsal blasen. Wir können es ohnehin nicht ändern“, findet ihr zukünftiger Ehemann Sven Appelt. „Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben!“

Es bleibt noch der Geburtstag der Tochter

Tage sind vergangenen, immer wieder musste sich die Hochzeiterin die Tränen aus dem Gesicht wischen bei dem Gedanken, dass das Eheversprechen warten muss. Gebler sieht die ganze Entwicklung inzwischen pragmatisch: „Wer weiß, wozu das Ganze gut ist!“ Inzwischen wirkt Christina Gebler aber gefasst. „Es bleibt uns ja noch ein Fest: Der Geburtstag unserer Tochter Sophie!“ Die feiert am heutigen Samstag ihren ersten Geburtstag, die vollständige Aufmerksamkeit ist ihr gewiss. Und am Ende tröstet sie zumindest der Blick auf die Wetterkarte. „Es hätte eh geregnet!“

Mehr zum Thema

Kommentare