Blaues Farbenspiel für die regionale Mohnsemmel

Das Feld mit den blau-lila farbenen Mohnblüten sorgte in den vergangenen Tagen für Aufsehen. Zahlreiche Spaziergänger nutzten die Gelegenheit zu einem Foto.

In den vergangenen Tagen sorgte ein Feld von Ludwig Rauscheder bei Stetten dafür, dass zahlreiche Spaziergänger stehen blieben, ihr Handy zückten und ein Foto machten: Eingebettet in sattes Grün leuchten dort blau-lila Pflanzen, die man in dieser Gegend sonst nirgends findet.

Stetten –  Die Landwirtsfamilie Rauscheder hat Blaumohn angebaut und möchte sich damit ein neues Betätigungsfeld erschließen. Mohn ist eine beliebte Zutat in der Küche. Mohnsamen würzen Gebäck wie Brote, Semmeln, Kekse, Brezen, süße Aufläufe sowie in Strudel, Stollen und Torten, in warmen Gerichten wie Braten, Nudel- und Kohlgerichten, Kartoffelpüree sowie Wurzelgemüse findet er ebenfalls Verwendung.

Mohn kennt man aber auch als Basis für das Rauschmittel Opium, das aus dem Saft der blühenden Pflanze gewonnen wird.

Mit Opium haben die Rauscheders natürlich nichts zu tun. Der Blaumohn ist eine sehr morphinarme Mohnsorte. Da hat schon die Bundesopiumstelle ein waches Auge darauf, sagt Ludwig Rauscheder. Die musste erst einmal grünes Licht für die Zulassung geben, bevor die Familie Rauscheder den Blaumohn überhaupt anbauen durfte.

In der Region der einzige Mohnabauer

Eigentlich betreiben Sonja und Ludwig Rauscheder eine Landwirtschaft mit Hähnchen- und Bullenmast. Seit mittlerweile sechs Jahren haben sie neben ihrem Hof auch ein Heidelbeerfeld. Doch die beiden schauen nach vorne. „Wir haben uns auf die Suche nach Alternativen zu Standardkulturen gemacht“, sagt Ludwig Rauscheder und ergänzt: „Die Landwirtschaft und der Verbraucher entfernen sich leider immer weiter voneinander, vielleicht ist so ein Projekt eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken.“ Da „regional erzeugte Lebensmittel“ geschätzt werden, haben sich die Rauscheders entschlossen, regionalen Mohn anzubauen.

Mohn, der in Deutschland verzehrt wird, wird meist in der Türkei, Nord- und Vorderindien, Griechenland, aber auch in den kälteren Regionen wie Holland, Ostfriesland, Württemberg und Baden angebaut. Die aromatischste Sorte kommt allerdings aus Australien. Mohn wurde schon im alten Ägypten häufig als ein beliebtes Gewürzmittel verwendet.

Nach einem Test startet das Projekt

In der Region ist die Familie Rauscheder der einzige Mohnanbauer. Im vergangenen Jahr haben sie bereits auf einer kleinen Fläche einen ersten Versuch gestartet, Mohn anzubauen.

Als dieser Test zufriedenstellend verlief und sie mit der Vilsbiburger Bäckerei Mareis auch einen ersten Abnehmer für ihren Mohn gefunden hatten, starteten sie in diesem Jahr das Projekt „Mohnanbau“. Matthias Maul, der kaufmännische Leiter der Bäckerei Mareis sagt, dass es schon immer Teil der Firmenphilosophie war, bei den Zutaten auf Regionalität zu achten. „Da fallen beispielsweise weite Transportwege und lange Lagerung weg, das tut der Umwelt gut“.

Bereits im Herbst hat die Familie Rauscheder „Wintermohn“ ausgesät, der derzeit blüht. Für die Aussaat habe er die vorhandenen Maschinen nur geringfügig modifizieren müssen, erzählt Ludwig Rauscheder. Das Saatgut besteht aus ziemlich kleinen Samenkörnern. Dann hieß es erst einmal warten.

Vier Wochen warten, ob die Saat aufgeht

Erst nach rund vier Wochen sieht man, ob der Mohn auch zu wachsen beginnt. In der Zeit wächst das Unkraut schneller und überwuchert die Mohnpflanzen. Deshalb muss „man vorher schauen, dass der Acker weitgehend unkrautfrei ist“, so Rauscheder.

Nach der Blüte – jede Pflanze blüht maximal eineinhalb Tage – fallen die Blätter ab und es bildet sich die typische Kapsel, in der sich der Mohnsamen befindet. Bis spätestens Ende Juli ist der Mohn dann dreschfertig und kann mit einem konventionellen Mähdrescher geerntet werden.

Ludwig Rauscheder bringt die Ernte dann zu einer kleinen Mühle, wo der Mohn gereinigt wird. „Da haben wir erst einmal ein bisserl rumprobieren müssen“, erinnert sich Norbert Weichs von der Weichs-Mühle in Grabing. Beim ersten Mal sei es immer ein Herantasten, wie man die Ware – in diesem Fall den Mohn – mit der vorhandenen Technik gereinigt bekommt. Doch es hat zur Zufriedenheit aller geklappt.

Anschließend folgt die mikrobiologische Untersuchung in einem Labor. Dabei werden beispielsweise der Morphingehalt des Mohns bestimmt sowie die Ernte auf Schimmelpilze oder Salmonellen untersucht. Und erst wenn von dem Labor grünes Licht kommt, dürfen die Rauscheders die Ernte auch vermarkten. Sie rechnen damit, dass es dann Oktober ist. Wie viel es sein wird, können sie, da es die erste Ernte ist, noch nicht wirklich einschätzen. Auf einem zweiten Feld haben sie Sommermohn angepflanzt, der in einigen Wochen zu blühen beginnen soll und wieder weithin blau-lila leuchtet.

Dabei ist die Familie Rauscheder ziemlich überrascht über den Besucheransturm in ihrem Feld gewesen. „Die Leute dürfen gerne Fotos machen, das ist kein Problem. Aber es wäre schön, wenn sie nicht durch das Feld laufen würden“, bittet Ludwig Rauscheder und gibt zu bedenken, dass es „niemand gerne hat, wenn einem ein Wildfremder durch den Garten marschiert“.

Jetzt beginnt die Vermarktung

Jetzt müssen sich die Rauscheders um die Vermarktung ihres ersten eigenen Mohns kümmern. Sie planen, ihn zum einen in den Hofläden anzubieten, wo sie auch ihre Heidelbeeren verkaufen. Auch das Lebensmittelgeschäft Eder in Bonbruck hat bereits zugesagt, dass es den Mohn verkaufen wird. „Wir freuen uns natürlich, wenn wir noch weitere Bäckereien für unseren regionalen Mohn begeistern können, die Felder sehen gut aus und wir können mit einem guten Ertrag rechnen“, ist Ludwig Rauscheder optimistisch.

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