Blasmusik als Jungbrunnen

Als 1982 aus „Hilmars Jugendkapelle“ der „Musikverein Neumarkt-St. Veit“ aus der Taufe gehoben wurde, zählten 30 Jungbläser zu den Mitgliedern. Sechs davon spielen immer noch: Robert Leitl, Thomas Nösch, Felix Rauscheder und Posaunist Werner Bondl (hintere Reihe von links) sowie Christian Klemisch und Anton Berghammer (vorne). Jaensch
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Als 1982 aus „Hilmars Jugendkapelle“ der „Musikverein Neumarkt-St. Veit“ aus der Taufe gehoben wurde, zählten 30 Jungbläser zu den Mitgliedern. Sechs davon spielen immer noch: Robert Leitl, Thomas Nösch, Felix Rauscheder und Posaunist Werner Bondl (hintere Reihe von links) sowie Christian Klemisch und Anton Berghammer (vorne). Jaensch

Blasmusik ist zeitlos. Und auch bei so manchem Musiker der Stadtkapelle Neumarkt scheinen die letzten 35 Jahre spurlos vorbeigezogen zu sein. Denn der Esprit und die Leidenschaft sind ungebrochen bei all jenen, die in der Kapelle seit ihrer Gründung für den guten Ton sorgen.

Neumarkt-St. Veit – 1982 wird als Gründungsjahr angegeben. Doch gefeiert wird das 35-Jährige der Stadtkapelle Neumarkt-St. Veit erst 2019 – 37 Jahre danach. Was bizzar klingt, dafür hat Dirigent Stefan Weindl eine Erklärung: „Die Gründungsversammlung war tatsächlich im Oktober 1982, der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte aber erst im März 1983, also vor 36 Jahren. Wir wollten letztes Jahr schon feiern, hatten aber Terminschwierigkeiten, beziehungsweise die eingeladenen Kapellen hatten keine Zeit. Deswegen haben wir die Feierlichkeit auf dieses Jahr verschoben!“ Mit 16 Kapellen aus dem Landkreis soll dies am 16. Juni der Fall sein, im Rahmen der Feierlichkeiten zur Marktgründung vor 750 Jahren und am letzten Tag des Volksfestes.

Musik machen die Neumarkter schon länger als es die Stadtkapelle gibt. Einige Jahre vor Gründung hatte der Neumarkt-St. Veiter Musiklehrer Hilmar Zinke junge Talente um sich geschart, um sie an Blasinstrumenten auszubilden. Mit bis zu 30 Jungbläsern trat er damals auf. Ein begeistertes Publikum verfolgte das Einzelspiel und das Zusammenspiel der Kinder und Jugendlichen. „Unser erster Auftritt war beim 80. Geburtstag vom Mesner Jakob Brummer“, erinnert sich Klarinettist Christian Klemisch, der heute noch Mitglied der Blaskapelle ist.

Als 1982 aus „Hilmars Jugendkapelle“ der „Musikverein Neumarkt-St. Veit – Jugendkapelle“ aus der Taufe gehoben wurde, zählten fast 30 Jungbläser zu den Gründungsmitgliedern. Sechs davon gehören immer noch zum eisernen Stamm der Kapelle: Robert Leitl, Thomas Nösch, Anton Berghammer und Felix Rauscheder stoßen immer noch leidenschaftlich gerne in ihr Horn. Posaunist Werner Bondl zeigt sich nach über drei Jahrzehnten an der Posaune noch virtuos. Christian Klemisch hielt sogar schon einige Jahre den Dirigentenstab in der Hand.

Wenn die Stadtkapelle auftritt, dann seit Jahren in einheitlicher Tracht. Die Jugendlichen „erspielten“ sich die in den Anfangsjahren. Der Vorstand behielt die Gage für Auftritte, für die Musiker gab es 50 Pfennig für die Unkosten. Um das Geld für Tracht und Noten schnell zusammenzubekommen, gab die Jugendkapelle schon im November 1983 ihr erstes Konzert. Höhepunkt war der damals zwölfjährige Werner Leitl. Damit man im Genossenschaftssaal den Werner überhaupt sehen konnte, stellte ihn Dirigent Hilmar Zinke auf einen Stuhl. Von den Musikvorträgen angetan, sammelte die Gattin von Lehrer Bachl spontan im Saal und übergab dem Vorstand 1300 Mark.

Gerne erinnern sich die Musiker an die ersten Ausflüge in den frühen 80er-Jahren. Ein Wochenende im Zillertal, ein internationales Musikantentreffen von St. Veiter Jugendkapellen, Fahrten nach Caneva und Hermargor. Zwei ihrer Anfangsmitglieder sind mittlerweile Berufsmusiker. Allerdings hätte einer von ihnen im 1986 das Musikabzeichen des Musikbundes beinahe nicht bestanden, wissen Musiker der ersten Stunde zu berichten.

„Wir spielen einfach schöne Blasmusik, und wir spielen dort, wo schöne Blasmusik gewünscht wird. Die Auftragslage ist sehr gut“, erklärt Alfons Weigand, seit 2003 Vereins-Vorsitzender.

Freitags wird im alten Rathaus geprobt

Als Hilmar Zinke Ende der 80er-Jahre den Dirigentenstab niederlegte, übernahmen seine Schüler Christian Klemisch und später Werner Leitl. Als im Jahr 2005 der begabte Trompeter Werner Leitl überraschend starb, sprang wieder Christian Klemisch in die Bresche. Seit sieben Jahren führt Stefan Weindl den Taktstock. Die Musiker proben freitags in einem Raum im alten Rathaus, den die Stadt zur Verfügung stellt. Bayerisch-böhmische Klänge sind dann zu hören. Anspruchsvolle Solonummern beeindrucken, schwungvoller Big-Band-Sound zeigt die Bandbreite.

Sie können aber nicht nur Musik. Die gute Stimmung innerhalb des Musiktruppe spiegelt auch das alljähr liche Starkbierfest wider. Da wird beim „Derblecken“ Prominenz aufs Korn genommen.

Immer wieder unterstützen die Musiker musikalische Seelsorger. Seit einiger Zeit bläst Kaplan Bernhard Häglsperger in der Stadtkapelle die Trompete. Mit den Gepflogenheiten noch nicht ganz vertraut, fragte er den Dirigenten Stefan Weindl, was er zum Musikantentreffen in Vilsbiburg anziehen solle. Die Antwort: „Vo mir aus spuist in Dein’m Talar.“ Es gab Riesenapplaus für den Kirchenmann, als er beim Vorspiel im Saal seinen Platz im Talar einnahm.

Nicht nur, weil die Kapelle bei jedem städtischen Ereignis, bei dem Musik verlangt wird, zuverlässig zur Verfügung steht, bezeichnet Bürgermeister Erwin Baumgartner die Stadtkapelle gerne auch als „Aushängeschild der Stadt“. Weil die Sache mit dem Nachwuchs nicht ganz klappt, nennt sich der Verein nur noch „Stadtkapelle Neumarkt-St. Veit“. „Wir kriegen zwar immer wieder junge Leute, die wir auch sehr gerne aufnehmen. Aber Jugendliche sind wir halt nimmer, wenn wir uns auch so fühlen. Stadtkapelle klingt gut und ist kürzer“, erklärt der Vorsitzende. Und ganz ehrlich: Musik hält ja auch jung. Die sechs Gründungsmitglieder können davon ein Lied singen – beziehungsweise spielen.

Zum Fest treffen sich am Sonntag um 8.30 Uhr 16 Kapellen zum Weißwurstessen im Festzelt. Um 9.30 Uhr führt der Festzug zum Stadtplatz, wo um 10 Uhr der Festgottesdienst zur 750-jährigen Markterhebung und zum Geburtstag der Kapelle stattfindet.

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