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SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

Biologische Kammerjäger in St. Veit: 2500 Schlupfwespen sollen dem Holzwurm den Garaus machen

Löcher im Holz, Holzmehl darunter: Der Holzwurm fühlt sich in der Stiftskirche von St. Veit ziemlich wohl. Mit der Schlupfwespe will man den Schädling nun auf natürliche Art bekämpfen.
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Löcher im Holz, Holzmehl darunter: Der Holzwurm fühlt sich in der Stiftskirche von St. Veit ziemlich wohl. Mit der Schlupfwespe will man den Schädling nun auf natürliche Art bekämpfen.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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In der Stiftskirche ist der Wurm drin. Besser gesagt, der Holzwurm. Im Gestühl und in den Seitenaltaren wütet der Schädling, der jetzt einem effektiven Gegenspieler ausgesetzt ist: Die Schlupfwespe soll dem Schädling Herr werden. Das Gotteshaus in Neumarkt-St. Veit ist Teil eines Modellprojekt.

Neumarkt-St. Veit – Hendrik Steffens von der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats in München gibt im Interview Einblick in die neue Art der Schädlingsbekämpfung.

Pfarrer Franz Eisenmann berichtete davon, dass der Einsatz der Schlupfwespe ein Pilotprojekt sei, vor allem im Bezug auf die Größe der Kirche. Können Sie das bestätigen?

Ja. Die Kirche St. Veit nimmt an einem Pilotprojekt zum Einsatz der Schlupfwespe gegen Holzwurmbefall teil. Um diese Methode großflächig zu erproben, hat die Hauptabteilung Kunst des Erzbischöflichen Ordinariats München zusammen mit der Umweltabteilung im vergangenen Jahr ein Forschungsprojekt an 15 Kirchen unterschiedlicher Größe begonnen. Ein wissenschaftliches Monitoring soll die Effizienz der Schlupfwespen-Behandlung abbilden.

Gibt es im Landkreis Mühldorf weitere Gotteshäuser oder Kapellen, in denen der Holzwurm auf diese Weise bekämpft wird?

An mehreren Kirchen im Landkreis Mühldorf, beispielsweise auch in Ellwichtern, Ampfing und Au am Inn, werden Schlupfwespen-Behandlungen durchgeführt.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Einsatz der Schlupfwespe bzw. welche Erwartung haben Sie bezüglich der Effektivität dieser Art der Schädlingsbekämpfung?

Das Projekt zum Einsatz der Schlupfwespe wurde 2020 mit dem Erfassen des Schädlingsbefalls in den für das Projekt ausgewählten Gotteshäusern begonnen. Der tatsächliche Einsatz der Schlupfwespen läuft seit Mai 2021. Deshalb haben wir noch keine längerfristigen eigenen Erfahrungen mit dem Einsatz der Schlupfwespe. Diese Insekten zählen zu den natürlichen Feinden der Holzwürmer.

Welche Vorteile sehen Sie gegenüber der sonst üblichen Begasung bei Holzwurmbefall?

Der Vorteil gegenüber der Begasung ist, dass wir auf Giftstoffe und ozonlochschädigende Gase verzichten können und rein biologisch und umweltgerecht arbeiten können.

Wie teuer ist der Einsatz von Schlupfwespen im Vergleich der Begasung?

Der finanzielle Aufwand einer Schlupfwespenbehandlung über einen Zeitraum von vier Jahren ist in etwa gleich zur Begasung. Manchmal ist die Begasung – bei Rückführung und Recycling des Gases – etwas teurer.

Wie viel kostet die Schädlingsbekämpfung speziell in Neumarkt-St. Veit. Und wieviel muss davon die Pfarrei selbst tragen?

In Verantwortung für die Kirchen und der in den Kirchen befindlichen Kunstwerke gibt die Erzdiözese München und Freising jährlich insgesamt mehrere hunderttausend Euro für die Holzschädlingsbekämpfung und damit verbundene Arbeiten aus. Die Behandlung mit Schlupfwespen innerhalb des Pilotprojektes ist für die Pfarreien kostenfrei und wird durch das Erzbischöfliche Ordinariat München finanziert.

Wie sind Sie auf diese Art der Schädlingsbekämpfung gekommen? Wurde sie schon andernorts erfolgreich eingesetzt?

Die Idee zu dem Projekt hatte die Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat München, unterstützt von der Umweltabteilung. Eine Spezialfirma aus Nürnberg, mit der das Projekt gemeinsam durchgeführt wird, hat schon jahrelange positive Erfahrungen mit dieser Methode der Schädlingsbekämpfung.

Über welchen Zeitraum werden die Schlupfwespen in den jeweiligen Kirchen eingesetzt?

Über mehrere Jahre hinweg wird der Holzwurmbefall mit der gezielten Aussetzung von Schlupfwespen behandelt, nachweisbar dokumentiert und zudem von einem unabhängigen Sachverständigen begleitet.

Kleine Häufchen mit feinstem Holzmehl

Kleine Häufchen mit feinstem Holzmehl haben den Pfarrer von Neumarkt-St. Veit, Franz Eisenmann, in Alarmbereitschaft versetzt, die entscheidenden Stellen wurden in Kenntnis gesetzt. Doch anstatt, wie bisher auch schon in der Kirche St. Martin in Feichten und Maria Himmelfahrt in Teising, auf eine Begasung zu setzen, hat man nun diese Form der Bekämpfung gewählt. 2500 Schlupfwespen wurden gesetzt, die man aber als Kirchenbesucher nicht wahrnimmt.

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Begasung wäre mit viel Aufwand verbunden

Der Grund: „Wir müssen die Kirche nicht, wie bei der Begasung vorgeschrieben, zwei Wochen lang schließen. Außerdem sparen wir uns den gesamten Aufwand, die Kirche zu versiegeln“, sagt Pfarrer Franz Eisenmann, der aber auf einen Umstand besonders hinweist: Dadurch, dass die Kirche mit dem Seniorenheim St. Veit direkt über Gänge verbunden ist, hätte man im Falle einer Begasung angrenzende Zimmer des Stifts räumen müssen. „Das wäre ein unglaublicher Aufwand gewesen“, meint Eisenmann. Bis zum Herbst diesen Jahres soll diese biologische Art der Schädlingsbekämpfung vorerst andauern, erklärt Eisenmann.

Und so funktioniert das Prinzip der natürlichen Schädlingsbekämpfung: Spathius exarator lokalisiert die Anobienlarve von außen (A). Mit ihrem Legestachel sticht sie durch das Holz und lähmt die Larve. Auf die gelähmte Larve legt sie ihr Ei ab (B), die Larve des Nützlings schlüpft und ernährt sich von der Anobien-Larve (C). Danach stirbt die Anobien-Larve ab (D). Spathius verpuppt sich und fliegt als fertige Schlupfwespe ins Freie. Die junge Schlupfwespe sucht eine (neue) Wirtslarve zur Eiablage (E).

Die natürlichen Feinde sollen es richten

„Das Prinzip der biologischen Schädlingsbekämpfung ist einfach und sein Erfolg vielfach bewiesen“, heißt es bei der durchführenden Firma APC aus Nürnberg, die auf diese Form der Holzwurm-Bekämpfung spezialisiert ist und aktuell auch in der Stiftskirche zu St. Veit Schlupfwespen ausgesetzt hat. Das Verfahren nutzt nach Angaben von APC den natürlichen Feind eines Schädlings. Antagonisten (Gegenspieler) werden als Nützlinge eingesetzt, um den Schädlingsbefall einzugrenzen und auf ein Minimalmaß zu reduzieren.

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Ein eindeutiger Beleg dafür, dass hier der Holzwurm wütet: Holzmehl.

Das Prinzip der Parasitierung

Durch Fraß oder Parasitierung wirken sie der Population und Vermehrung des Schädlings entgegen. Zur Bekämpfung von Vorrats- und Materialschädlingen habe sich der Einsatz spezieller Schlupfwespen-Arten in vielen Jahren und Objekten bewährt. Seit einigen Jahren hält APC auch eine spezielle Schlupfwespenart zur Bekämpfung von Holzschädlingen (Anobien) bereit. Dieses Verfahren beruht auf eigener Forschung, Entwicklung und Zucht. Die Schlupfwespenart Spathius exarator wird exklusiv von APC eingesetzt. APC sieht sich als Marktführer für biologische Schädlingsbekämpfung in Deutschland.

Die Größe der Kirche von St. Veit stellt die Bekämpfung des Holzwurmes vor ein Problem. Der Aufwand für eine Begasung wäre immens, jetzt setzt man auf die Schlupfwespe.

2500 Tiere in der Kirche ausgesetzt

Das Prinzip: Die Schlupfwespe lokalisiert die Holzwurmlarve von außen. Mit ihrem Legestachel sticht sie durch das Holz und lähmt die Larve, auf die sie dann ihr Ei ablegt. Die Larve des Nützlings schlüpft und ernährt sich von der Anobien-Larve, die daraufhin abstirbt. Die Larve des Nützlings verpuppt sich und fliegt als fertige Schlupfwespe ins Freie. Und schon ist der Kreislauf in Gang gesetzt: Denn die junge Schlupfwespe sucht sich nun eine neue Wirtslarve zur Eiablage.

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