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Die Bierbrauer von St.Veit

Vieles wussten die früheren Brauereiangestellten von St. Veits Klosterbrauerei beim Stammtisch zu berichten. Foto jaw
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Vieles wussten die früheren Brauereiangestellten von St. Veits Klosterbrauerei beim Stammtisch zu berichten. Foto jaw

Von ehemaligen Brauern, Mälzern und Maschinisten bis hin zu den Lastwagenfahrer waren viele dem Aufruf von Stadtarchivpfleger Walter Jani gefolgt und ins Vitusstüberl zum Treffen der alten Brauereimitarbeiter der Klosterbräu St.Veit AG gekommen.

Neumarkt-St.Veit - Mit Franz Göhl kam sogar einer der Ferienarbeiter, die in den 1960er Jahren ihren schmalen Geldbeutel in St.Veit aufbessern durften. Damals, so Göhl, hätten viele seiner Alterskollegen in den Ferien in St. Veit gearbeitet, wie etwa Rainer Scharnagl, Dr. Josef Kobler oder Dr. Klaus Windhager. Als erstes führte Jani einen Film aus dem Jahr 1980 und eine größere Anzahl von Fotografien vor, die die gesamte Bierproduktion in St.Veit zeigten. Im Anschluss daran berichtete er den Anwesenden über seine bisherigen Forschungsergebnisse in Sachen "Brauereigeschichte von Neumarkt".

In einem lockeren Gespräch beantworteten die Versammlungsteilnehmer dann die von Jani gestellten Fragen: Welche Personen durften früher das Bier in St. Veit brauen? Oder: Wie viele Kräfte waren damals im Büro eingesetzt, wie viele Lastwägen hatte der Fuhrpark und wohin wurde das Bier überall geliefert?

Anton Haberger, der für den Ein- und Ausgang zuständig war, erzählte, dass die fünf bis sechs Lastkraftwagen nicht nur die heimischen Wirtshäuser und Kunden mit dem edlen Saft versorgten, sondern in einem größeren Umkreis auslieferten. Bis Kehlheim, Eggenfelden, Burghausen, Unterwössen und München, wo man noch zusätzlich zwei Bierdepots unterhielt, rollten die Bierlaster zu den Kunden. In den 1960er Jahren wurde das Bier sogar bis nach Norditalien verfrachtet.

Die Geselligkeit kam auch nie zu kurz, berichteten die Anwesenden, ob Firmenfeiern, Brauerbälle oder die wöchentliche Einkehr am Freitagnachmittag in die Klosterschänke. Für die besonders "Guten", meinte Lorenz Hirschberger, war die Klosterschänke nicht selten zu einer zweiten Heimat geworden, die sie nach jedem Feierabend aufsuchten.

Auch über das traurige Ende der Brauerei sprach die Runde im Vitusstüberl, das teilweise in St.Veit selbst mit verursacht wurde. Bis heute vertreten einige der alten Brauereimitarbeiter die Meinung, dass der damalige Brauereidirektor Richard Schmidt mit der Entlassung des Braumeisters Peter Leichthammer einen großen Fehler gemacht habe. Dieser war der Sohn des in Frankfurt lebenden Hauptaktionärs der Klosterbräu St.Veit AG, der kurze Zeit später sein großes Aktienpaket an die Paulanerbrauerei in München veräußerte.

Für viele war das Aus der Klosterbrauerei auch das Ende ihres beruflichen Werdegangs. Einige Mitarbeiter wurden noch bis 1988 im Paulaner-Depot in St. Veit und später in Mühldorf beschäftigt. Der Einzige der Anwesenden, der heute noch in Diensten der Münchner Brauerei steht, ist Anton Limmer. Er lernte den Beruf des Bierbrauers noch beim Fischbräu in Massing und kam nach dessen Betriebseinstellung nach Neumarkt-St. Veit. Limmer fotografierte schon früher gerne und steuerte so viele Bilder für die Forschungsarbeit von Walter Jani bei. Außerdem bewahrte er über drei Jahrzehnte den alten Film mit dem Titel "Unser Bier" auf, der von Frau Elfriede Holzinger, der Gattin des letzten Brauereidirektors, 1980 gedreht wurde. Dieser wird sicherlich im Rahmen des nächsten Treffens noch einmal gezeigt werden, das eventuell im Frühjahr 2011 stattfinden wird.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen wird sich der Neumarkter Archivpfleger nun an die Fertigstellung des Forschungsprojekts machen, das anschließend im Neumarkter Stadtarchiv gelagert wird und dort samt Bild- und Filmmaterial von jedermann eingesehen werden kann (die Geschichten zweier Angestellter siehe blauer Kasten darunten). re

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