Die Spannung steigt

Bier-Brauer: Erster St. Veiter Sud nach 36 Jahren steht kurz vor der Reifeprüfung

Der Hopfen fehlt noch: Richard Hirschberger dosiert die richtige Menge.Hellfeuer
+
Der Hopfen fehlt noch: Richard Hirschberger dosiert die richtige Menge.Hellfeuer
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
    schließen

Was aus einer Bierlaune entstand, füllt bald schon 1200 Kästen Bier: Hanjo Hellfeuer und Richard Hirschberger machen ernst: Am 5. Januar wird gezwickelt.

Neumarkt-St. Veit – Aus Spaß wird allmählich Ernst. Und dieser „Ernst“ umfasst, wenn alles gut läuft, am Ende 12 000 Liter. Aus einer Bierlaune heraus war bei den beiden Neumarktern Hanjo Hellfeuer und Richard Hirschberger die Idee entstanden, einen eigenen Gerstensaft zu kreieren. Mittlerweile reift das „St. Veiter Bier“ in den Lagertanks der Brauerei Müllerbräu in Neuötting. „Nach 36 Jahren wird es schon bald wieder ein Neumarkter Bier geben“, freut sich Hellfeuer auf den Lohn der Mühen des vergangenen Jahres. Das Märzen soll pünktlich zur Fastenzeit 2021 fertig sein.

Die Würze kam dunkel, golden, bernsteinfarben im Gärbehälter an, genauso habe ich es mir gewünscht!

Hanjo Hellfeuer

2000 Kilogramm Münchner Malz verarbeitet

Hellfeuer und Hirschberger selbst müssen aber nicht mehr so lange warten. Schon in der nächsten Woche wird es soweit sein, dass sie ihr Bier zum ersten Mal verkosten. „Zwickl’n“ nennt man das, wenn das Bier unfiltriert aus den Tanks gezapft wird, um dessen Qualität zu überprüfen.

50 Kilogramm Hefe fehlten noch. Hanjo Hellfeuer hat das Unterrühren selbst übernommen

Hart getroffen von Lockdown und Veranstaltungsabsagen: So stemmen sich die Brauereien in der Region Rosenheim und im Chiemgau gegen die Corona-Krise

Bis es soweit war, legten die beiden Neumarkter in der Brauerei selbst fleißig Hand an: Anfang Dezember wurde der erste Sud des „St. Veiter Bieres“ kreiert. „Los ging es mit dem Schroten des Malzes. Knapp 2000 Kilogramm Münchner Malz, abgesackt in 100-Kilo-Säcken, mussten in die Schrotmühle“, erklärt Hellfeuer. Im Anschluss wurde die Maische angesetzt, nach dem Maischeprozess die Würze in einen Kessel abgepumpt.

Auch interessant: 33 Prozent mehr, Zahl der Rauschtrinker in Bayern weiter angestiegen – so viele trinken regelmäßig bis zum Exzess

Würze dreht sich im „Whirlpool“

Im Verlauf des Würzekochens wurden in mehreren Gaben der Hopfen zugegeben. „Beim ersten Spindeln haben wir auf Anhieb ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Es musste nur ganz wenig nachjustiert werden“, schildert Hellfeuer den weiteren Prozess. Nach dem Kochen wurde die Würze in einen sogenannten „Whirlpool“ gepumpt, die Reste des Malzes gesammelt, die Masse abgekühlt und in den Gärkeller gepumpt, wobei circa 50 Liter flüssige Hefe dazu gemischt wurden. Wenn Hellfeuer vom Ergebnis berichtet, gerät er ins Schwärmen: „Die Würze kam dunkel, golden, bernsteinfarben im Gärbehälter an, genauso habe ich es mir gewünscht.“

Wirksamkeit beeinträchtigt? Corona-Impfung: So lange sollten Sie davor und danach auf Alkohol verzichten

Seit zwei Wochen ruht das Bier im Lagertank

Seit nun gut zwei Wochen ruht das Bier im Lagertank. Am 5. Januar werden Hellfeuer und Hirschberger den Gerstensaft prüfen, wenn es „gezwickelt“ wird. Hellfeuer ist davon überzeugt, dass das Märzen diesen Test bestehen wird, sodass einer Abfüllung der ersten 6000 Liter nichts mehr im Wege stehen dürfte. In einem zweiten Sud wollen die Neumarkter in Zusammenarbeit mit dem Müllerbräu dann weitere 6000 Liter St. Veiter Bier brauen. „Die Abfüllung des ersten Sudes ist um den 10. Januar herum geplant. Die neuen Etiketten und Tragerl stehen bereit!“

OVB-Leser zeigen Herz – helfen Sie schwerstbehinderten Kindern aus der Region mit unserer Weihnachtspendenaktion 2020

Auch der Brauereichef verfällt in Verzückung

Futter für Hellfeuers Schafe: Das übrig gebliebene Malz „die Trebern“ werden nicht entsorgt.

Für Letzteres zeigt sich der Brauereichef Reinhard Müller verantwortlich. Er war an jenem Vatertag 2019 mit von der Partie, als die beiden Neumarkter die Idee eines eigenen St. Veiter Bieres gesponnen hatten. „Man hätte natürlich eines unserer Biere abfüllen können. Doch wir wollten etwas Eigenes kreieren, das einen Bezug zu Neumarkt hat, etwas Authentisches.“ Mit dem Anbau einer eigenen Gerste hätten Hellfeuer und Hirschberger dann auch gleich Ernst gemacht und die Basis für die folgenden Prozesse geliefert.

Das könnte Sie auch interessieren:

Erinnerungen an die gute, alte Zeit – Einst zählte Neumarkt-St. Veit elf Brauereien

Corona-Lockdown light - Wie schlimm steht es um Bayerns Bier-Brauer?

Das erste Mal ein filtriertes Märzen

Ein unfiltriertes Märzen zu brauen, damit hat die Neuöttinger Brauerei Erfahrung. „Ein filtriertes ist aber eine komplett neue Kreation“, ergänzt Brauereichef Müller, bei dem die Lust zum Kreieren einer neuen Biersorte gleich geweckt war. „Es macht irrsinnig viel Spaß zu sehen, wie viel Leidenschaft jeder einbringt.“ Er selbst sei positiv überrascht gewesen von der Güte der Neumarkter Gerste. „Wir haben 100 Prozent Neumarkter Malz verarbeitet und mit der Farbe eine Punktlandung hingelegt“, verrät Müller. 5,8 Prozent Alkohol wird das Neumarkter Märzen haben, so der Brauereichef.

Lesen Sie dazu auch: Junger Brauer aus Mühldorf verliert in der Krise mehr als nur Partner – doch er bleibt dran

5,8 Prozent Alkohol im St. Veiter Bier

Bis es für die Allgemeinheit zur Verfügung steht, wird es noch etwas dauern. Den St. Veiter Märzen wird es laut Hellfeuer zur Fastenzeit 2021 geben. Erhältlich wird das Bier nur beim Getränkehandel Westermeier in Neumarkt sein. „Was wir dann garantieren, ist ein Bier in Anlehnung an die Aufzeichnungen des Neumarkter Bieres aus der Zeit um 1960! Den kompletten Prozess – vom Anbau der Gerste über das Dreschen und Mälzen, den Probesud sowie das Einsieden – haben wir begleitet und auf Basis der Überlieferungen durchgeführt“, versichert Hellfeuer. Sollte das Vorhaben gelingen und das Bier Anklang finden, wollen sich Hellfeuer und Hirschberger nicht etwa auf ihren Lorbeeren ausruhen. „Es gibt schon eine neue Idee. Aber die ist noch nicht spruchreif.“

Kommentare