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PFINGSTWALLFAHRT VOR 100 JAHREN

Betend zur Patronin der landwirtschaftlichen Dienstboten

Eine von zahlreichen Motivkarten des Dienstbotenvereins.
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Eine von zahlreichen Motivkarten des Dienstbotenvereins.

Eintrag in Erhartinger Chronik berichtet von beeindruckender Pfingstwallfahrt zur Heiligen Notburga nach Eben

Erharting – Nicht nur Fabrikarbeiter organisierten sich zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Gewerkschaften, um eine Verbesserung ihrer oftmals unmenschlichen Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Entlohnung zu erwirken, sondern auch die Dienstboten der Bauern auf dem Land. Sie schlossen sich in Dienstbotenvereinen zusammen um eine Versorgung im Krankheitsfall oder bei Arbeitsunfähigkeit einzufordern.

Versorgung im Alter und bei Krankheit

Ein weiteres Anliegen war die Altersversorgung der Knechte und Mägde sowie die Schaffung von Dienstbotenheimen in denen sie gegen ein geringes Entgelt ihren Lebensabend verbringen konnten. Eine handschriftliche Chronik über die Aktivitäten des katholisch ländlichen Dienstbotenvereins Erharting, beginnend im Gründungsjahr 1912 bis zum Jahr 1920, gewährt Einblick in das Vereinsgeschehen.

An die Wirkungsstätte der Heiligen Notburga

Als herausragendes Ereignis sticht die große Pfingstwallfahrt vom 31. Mai bis 1. Juni 1914 an die Wirkungsstätte der Heiligen Notburga im angrenzenden Österreich hervor. Die Reise führte mit dem Zug von Mühldorf über Rosenheim, Kufstein, Jenbach nach Maurach/Eben am nahe gelegenen Achensee in den Tiroler Bergen.

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Mitglieder,die stolz ihr Vereinszeichen trugen

Wie dieser Chronik zu entnehmen ist hätten sich an dieser Wallfahrt unter anderen Pfarrer Michael Meyer, der Chronikschreiber Josef Albanbauer und Anton Söll aus Erharting beteiligt. Albanbauer berichtet: „Schon am Pfingstsonntag wimmelte es in den Straßen Rosenheims von Mitgliedern, die stolz ihr Vereinszeichen trugen. Sie waren so weit hergekommen, dass sie in Rosenheim von Pfingstsonntag auf Montag übernachten mussten.“

Ein Extrazug für 950 Pilger

Am Montag sei der in letzter Minute bewilligte Extrazug um 6.30 Uhr abgefahren. „Es war ein Zug von unheimlicher Länge, denn er musste über 950 Pilger nach Jenbach befördern. So oft der Zug hielt, es war erbaulich – konnte man weithin das andächtige Rosenkranzgebet jener vernehmen, welche bereits eingestiegen waren.“ In der Endstation Jenbach standen den Überlieferungen zufolge mehrere Extrazüge, welche die Pilger zur Zahnradbahn über den Berg nach Eben befördern sollten.

Berichte aus Erharting lesen Sie auf unsererThemenseite.

Empfang mit mit Glockengeläute und Böllerschüssen

„In Eben selbst wurden die Pilger am Bahnhof mit Glockengeläute und Böllerschüssen empfangen. In der geräumigen Wallfahrtskirche, wo auf dem Altar über dem Tabernakel der Leib der heiligen Dienstmagd in Seide gekleidet, eine silberne Sichel in der Hand, thront. seien die Scharen dann „Kopf an Kopf gestanden“, um mit der größten Andacht und Aufmerksamkeit der Predigt zu lauschen.

Folgejahre geprägt vom Ersten Weltkrieg

Nach dem Gottesdienst von einem gemeinsamen Mahl die Rede, das zum Teil in Eben selbst, zum Teil im benachbarten Maurach und zum Teil in Achensee eingenommen worden sei. „Unser neuer Landespräses Simmet sprach meisterhaft über die Bedeutung des katholischen Dienstbotenvereins und wies unter tosendem Beifall die Anwürfe zurück, die in der letzten Zeit von gewisser Seite gegen den Dienstbotenverein gemacht worden sind.“ Ein Pfarrer Fischer von Prutting referierte über die wirtschaftlichen Vorteile des katholischen Dienstbotenvereins. Des Weiteren rief er zum treuen Festhalten an der katholischen Kirche auf.

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Heilige Notburga sorgt für Sonnenschein – davon waren die Pilger überzeugt

Die Wallfahrt endete mit der Rückfahrt. „Das Wetter, welches anfangs trübselig war, war allmählich prachtvoll geworden. Dafür hat die Heilige Notburga schon gesorgt. Die hohen Tiroler Berge schauten mit ihren schneebedeckten Gipfeln voll Neugierde auf die vielen Bayern hernieder“, schloss der Chronist, der sich sicher war:

Zufriedenheit und Genügsamkeit

„Die Wallfahrt wird uns unvergesslich bleiben. Wenn wir auch schwer arbeiten müssen, wenn wir auch nicht zu den Reichen der Erde gehören.“ Das schien Josef Albanbauer nichts auszumachen: „Wir haben eine gesehen in Eben, welche Fleisch von unserem Fleische und Bein von unserem Bein ist, und die Sichel in der Hand trägt. Dennoch thronen ihre sterblichen Überreste heute auf dem Altar.“ Ihre heilige Seele strahle vor vielen, „denen der Dienstbotenstand und die Bauernarbeit etwas Verächtliches ist“.

Keine Wallfahrt in den Wirren des Ersten Weltkrieges

Die nachfolgenden Jahre des katholisch ländlichen Dienstbotenvereins Erharting waren geprägt von den Wirren und Ängsten des Ersten Weltkrieges, die sich im Vereinsleben durch Bittwallfahrten zur Abwendung der Kriegsgefahr und in zahlreichen Heldengedenkfeiern für die an der Front gefallenen Vereinsmitglieder wieder spiegelten.

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