Behinderten-Einrichtung in Neumarkt-St. Veit bisher ohne Corona-Infektion

Markus Hummel hilft gern beim Kochen am Dreibein2
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Markus Hummel hilft gern beim Kochen am Dreibein2

Für die Bewohner der Stiftung Ecksberg waren die Beschränkungen der Corona-Krise im Frühjahr mit besonderen Erschwernissen verbunden. Die Behinderten durften nicht arbeiten, keinen Besuch empfangen, nicht alleine ausgehen. Trotzdem haben Bewohner und Betreuer diese Monate gemeinsam gut gemeistert, sagen sie übereinstimmend. Und sie verzeichnen dabei einen erfreulichen Erfolg.

Neumarkt-St. Veit – Inzwischen können Bewohner und Betreuer der Neumarkter Außenwohngruppe der Behinderteneinrichtung Stiftung Ecksberg positiv auf die letzten Monate der Corona-Krise zurückblicken. Arbeits- und Besuchsverbote schränkten die Bewohner monatelang streng ein, denn viele von ihnen gehören zur Risikogruppe. Der Erfolg: Es gab in der Außenwohngruppe keinen Corona-Fall.

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Resi Dein und Markus Hummel leben in der Außenwohngruppe und stellen ihren Betreuern ein gutes Zeugnis aus. Sie hätten ihnen gegen Traurigkeit oder Langweile zur Seite standen. „Wir haben trotzdem viel gemeinsam gemacht. Zum Beispiel sind wir viel gewandert mit Nordic-Walking-Stöcken. Unsere Betreuerin Evi hat im Haus ganz viele Bastelgruppen organisiert. Und jetzt verfolgen wir gespannt die Nachrichten und Zeitungen, wie es mit Corona weitergeht“, erzählt Resi Dein, die außerhalb von Corona-Zeiten in der Wäscherei der Stiftung Ecksberg arbeitet.

Zusammenleben wie in einer Familie

Warum der Zusammenhalt funktioniert hat, mach das Beispiel von Sepp Petermeier klar; der 49-jährige Handwerker sieht in der Wohngruppe seine Familie, für die er gerne sorgt. „Ich mache für und mit ihnen die Botengänge, Arztbesuche, koche oder grille mit und bastle und unterhalte sie. Mein großes Blumenbeet in der Mitte des Platzes ist allen eine große Freude.“

Besuchsverbote relativ gut überstanden

So konnten die Bewohner die Besuchsverbote relativ gut überstehen. Viel Zeit verbrachte das Personal mit Gesprächen, Erklärungenund der Frage, wie es weiter gehen könnte. Denn die Unsicherheit, was konkret auf alle zukommen konnte, belastete Betreuer und Bewohner gleichermaßen. Für Betreuer war das Maskentragen nicht leicht, den Bewohnern fehlte die Umarmung von lieben Menschen.

Den Beginn der Quarantäne schildert Sozialpädagogin Lydia Buchner, die Chefin der Wohngruppen der Stiftung Ecksberg: „Der massivste Einschnitt ist Mitte März passiert, zu der Zeit wurde das absolute Besuchsverbot in den Wohngruppen ausgesprochen, die Bewohner konnten nicht mehr wie gewohnt zur Arbeit gehen.

Besuche von außen waren tabu

Der Kontakt zu Angehörigen, Betreuern und Freunden außerhalb der Wohngruppe war nur noch telefonisch oder schriftlich möglich. Das ganze Leben spielte sich also nur noch in der Wohngruppe und dem dazu gehörigen Gelände statt.“

Krasse Veränderungen im Tagesablauf

Die krassen Änderungen im Tagesablauf fasst Resi Dein zusammen: „Der Tagesablauf hat sich natürlich massiv umgestellt. In den Gemeinschaftsräumen konnten wir uns nur noch mit Masken begegnen. Einkäufe und Kontakte nach außen gab es plötzlich nicht mehr. Die Besuche von Freundinnen fehlten mir sehr.“

Mitbewohner Markus Hummel vermisst nicht nur seinen Arbeitsplatz in der Montage-Abteilung der Ecksberger Werkstätten. „Das Schwimmen, das Reiten und die Musiktherapie, all das fiel ja auch weg. Das war schon eine Umstellung. Aber unsere Betreuer fanden immer etwas für uns.“

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Evi Eberherr, die Leiterin der Neumarkt-St. Veiter Wohngruppe sagt: „Zunächst wurde entweder in Etappen gegessen, sodass sich nicht zu viele Personen in einem Raum aufhielten, oder es wurden die Tische so weit auseinandergestellt, dass der Mindestabstand eingehalten werden konnte. Die Beschäftigung tagsüber wurde dann so gestaltet, dass möglichst wenige Personen gemeinsam in einem Raum waren. Wir bewegten uns viel an der frischen Luft, nicht nur im Garten. Die Anzahl der Personen, die aufeinandertraf, war immer der Platzsituation angepasst worden. Liebgewonnene Gewohnheiten wie gemeinsam beim Fernsehen oder Spielen zu sitzen waren anfangs nicht gegeben.“

Immer genug Personal für die Betreuung

Die Stiftung war nach ihrer Angabe in der glücklichen Lage, Personal aus der Tagesbetreuung wie Förderstätte, der Seniorenstätte und der Werkstatt in den Wohngruppen am Hauptsitz in Mühldorf einzusetzen, aber auch in Neumarkt. Dadurch gelang es nach Angaben der Mitarbeiter, dass tagsüber eine Betreuung organisiert werden konnte, die nicht vom Stammpersonal der Wohngruppe abgedeckt werden musste. So sei das Überstundenkonto nicht übermäßig belastet worden.

Resi Dein.

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