Baugrund contra Umfahrung: In Egglkofen schert man sich nicht um Trasse im weiteren Bedarf

Wenn es denn irgendwann eine Umfahrung von Egglkofen geben sollte – wo soll sie wieder eingeschleust werden? Bei Tegernbach? Oder Feichten? Bürgermeister Ziegleder sieht nur wenige Realisierungschancen, zumal durch eine Umfahrung der Verkehr um Egglkofen nicht weniger wird.
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Wenn es denn irgendwann eine Umfahrung von Egglkofen geben sollte – wo soll sie wieder eingeschleust werden? Bei Tegernbach? Oder Feichten? Bürgermeister Ziegleder sieht nur wenige Realisierungschancen, zumal durch eine Umfahrung der Verkehr um Egglkofen nicht weniger wird.

Als „Quatsch hoch drei“ bezeichnet Egglkofens Bürgermeister Johann Ziegleder die Umgehungsstraße, die aktuell im Bundesverkehrswegeplan aufgelistet ist. Sie enthalte nämlich Angaben, die „vollkommen veraltet sind“ mit längst veralteten Zahlen und Angaben“.

Von Josef Enzinger

Egglkofen – Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Notwendigkeit einer B 15 neu waren auch die Umgehungsstraßen wieder in den Fokus geraten, die alternativ zur neuen Bundesstraße die besonders von Verkehr betroffenen Kommunen entlasten sollten. Im Zuge der B 299 gibt es dazu noch keine Pläne – mit Ausnahme der Umfahrung von Egglkofen, die als Maßnahme im „weiteren Bedarf“ auch im Bundesverkehrswegeplan von 2006 auftaucht.

Protestwelle von landwirten und Anliegern

Aber Ziegleder sagt: „Wir haben in der Zwischenzeit nicht weit von der damals angebotenen Trasse ein neues Wohnbaugebiete realisiert. Im Norden der Gemeinde laufen seit mehr als einem Jahr die Planungen für weitere Wohnbaugebiete die eine Umgehungsstraße in der von ihnen beschriebenen Form unmöglich machen.“ Die Veröffentlichung des Planes – so wie er laut Bundesverkehrswegeplan vorgesehen ist – habe eine Protestwelle von Landwirten und Anliegern ausgelöst worden, teilt Ziegleder mit.

100 Grundstücke contra Umfahrung

Egglkofens Bürgermeister spricht von 30 Baugrundstücken im Süden, 15 weiteren auf Höhe des Fußballplatzes, die teilweise schon gebaut seien, und einem weiteren Baugebiet im Norden der Gemeinde. „Wir reden von 100 Baugrundstücken“, fasst Ziegleder zusammen.

Als Alternative käme eine mindestens acht Kilometer lange Umfahrung in Frage

Sollte überhaupt eine Umgehungsstraße in Betracht gezogen werden, dann müsse die weiträumig um den Ort herum führen. Ab Aich über Willaberg, Steinernes Brünnl und schließlich bis nach Feichten, wo die Straße dann über die Umfahrung von Neumarkt-St. Veit dann fortgeführt werden könnte. „Wir sprechen dann von rund acht Kilometern“, er könne sich nicht vorstellen, dass diese Straße jemals realisiert werden könne, „das scheitert doch schon am Grundstückserwerb.“

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Zeitnah Alternativen in Betracht ziehen

Ziegleder schiebt die Verantwortung an die übergeordneten Behörden ab. In der gesamten Diskussion um die Verkehrsbelastung auf den Straßen im Landkreis stört es ihn, dass sich der Kreistag keine Gedanken darüber macht, wie der Verkehrsfluss umgeleitet werden könne. „Man kann schon gegen eine B 15 neu sein. Ich habe auch nichts gegen den Beschluss des Kreistages. Aber dann bitteschön auch zeitnah überlegen, was die Alternative sein kann“, fordert Egglkofens Bürgermeister.

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Ziegleder glaubt nämlich nicht, dass die Fernfahrer über intelligente Verkehrssysteme über eine ertüchtigte alte B 15 leiten ließen. „Die nutzen doch jetzt schon die Alternativrouten über die B 299 und die Landstraßen über Harpolden, Schönberg und Lohkirchen.“ Bis zum nächsten Bundesverkehrswegeplan seien es noch zehn Jahre hin. Also noch genug Zeit? Ziegleder findet nicht: „Man muss jetzt schon die Weichen stellen!“

Vorhaben im „weiteren Bedarf“ haben keinen Anspruch auf Veränderungssperren

Die Frage, die sich im Falle von Egglkofen stellt: Ist es tatsächlich so einfach, entlang einer bereits anvisierten Trasse Baugebiete auszuweisen? Wie dazu das Bundesverkehrsministerium auf Nachfrage mitteilt, liegt der Bewertung im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) in der Regel eine konkrete Trassenvariante zugrunde. „Eine Festlegung auf eine endgültige Streckenführung ist dies aber noch nicht“, schränkt ein Sprecher des Ministeriums ein. In den nachfolgenden Planungsstufen werden die einzelnen Projekte des BVWP beziehungsweise der Bedarfspläne von den Vorhabenträgern vertieft.

Nur wenn Straßenplanungen weit fortgeschritten sind gibt es eine gewisse Bindung

„Je nach Erfordernis werden dabei Verfahren zur Raumordnung, Linien- beziehungsweise Trassenbestimmung sowie Planfeststellung durchlaufen“, heißt es aus dem Ministerium. Sollten Straßenplanungen aufgrund eines gesetzlichen Planungsauftrages bereits weit fortgeschritten und konkret sein, könne dafür eine Veränderungssperre angenommen werden. „Auf Vorhaben, die als ,Weiterer Bedarf‘ eingestuft wurden, trifft dies nicht zu.“ Das gilt damit auch für Egglkofen.

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