Bart-ab-Party - Darsteller des Stephani-Umritts in Erharting bringen 75 Gramm Haare auf die Waage

Vorher: Die Bartträger Daniel Hans, Josef Vorbuchner, Patrick Ecker (vorne von links), Thomas Mück, Christian Hans, Matthias Huber (hinten von links). Auch vorher schon ohne Bart: Friseurin Michaela Wagner. Fuhrmann
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Vorher: Die Bartträger Daniel Hans, Josef Vorbuchner, Patrick Ecker (vorne von links), Thomas Mück, Christian Hans, Matthias Huber (hinten von links). Auch vorher schon ohne Bart: Friseurin Michaela Wagner. Fuhrmann

Monatelang ließen sich einige Darsteller Bärte und Haupthaar für den Stephani-Umritt in Erharting wachsen, um ein wenig wie Heilige auszusehen. Bei der großen Bart-ab-Party kehrten sie als ganz normale Sünder zurück ins Leben.

Von Martina Fuhrmann

Erharting – Wenn beim Pauli Wirt schon am Nachmittag lauthals mit der Ziach „Lange Haare kann er haben, aber schön muss er sein“ gesungen wird, kann es nur einen Grund haben: die Bart-ab-Party nach dem Stephanie-Umritt in Erharting. In einer lustigen Zeremonie raubte der Brauchtumsverein nach dem erfolgreichen Umritt eine Bartrasur und lud dazu die Friseurmeisterin Michaela Wagner und den Musiker Martina Kolm ein. Sechs „Heilige“ mussten ihre Haarpracht opfern und sehen seitdem wieder ganz menschlich aus.

Dann ging Michaela Wagner zur Sache

Der Brauchtumsverein legt Wert darauf, den Ritt so originalgetreu wie möglich ausschauen zu lassen. Deshalb lassen sich viele männliche Heiligendarsteller das ganze Jahr über, an dem ein Umritt veranstaltet wird, einen Bart wachsen. Die Hartgesottenen waren sogar seit Oktober gar nicht mehr beim Friseur. Das ist Grund genug, um in einer lauten Sause die Haare fallen zu lassen. Zu diesem Zweck lud Christian Hans, Vorstand des Erhartinger Brauchtumsvereins, Martin Kolm mit der Ziach und Michaela Wagner, Friseurmeisterin aus Erharting, ein.

Nachher und fast ganz neu, die Herren des Brauchtumsvereins ohne Bart: Daniel Hans, Josef Vorbuchner, Patrick Ecker (vorne von links). Thomas Mück, Christian Hans, Matthias Huber (hinten von links). Und immer noch ohne Bart: Friseurin Michaela Wagner.

So schnell geht es mit Brauchtum und Tradition zu Ende

Da die meisten unter den Bartträgern eh zu Michaela Wagners Stammkundschaft gehören, wusste Michaela ohne lange Absprachen, was zu tun war, und ratz-fatz – waren die Haare ab, natürlich nicht ohne ordentlich „derbleckt“ zu werden, so wie es in Bayern der Brauch ist. Vergnügt fegte der Vorstand, das Liedchen trällernd „das bisserl Haushalt, schafft er auch allen“, die Haare zur Seite, mit etwas zur Schau gestellten Häme, dass auch seine Bartgenossen ihre Pracht fallen lassen mussten. Tatsächlich brachten die Haare 75 Gramm auf die Waage.

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Da der Umritt dieses Jahr besonders harmonisch verlief, war die Stimmung beim Wirt dementsprechend fröhlich und ausgelassen. „Wir haben jetzt natürlich schon Routine“, so das langjährige Vereinsmitglied Leonhard Biermeier. „Jeder Rosserer bekommt beim Eintreffen in Erharting eine Nummer und wird an den Parkplatz gewiesen, der für ihn am praktischsten ist. So weiß jeder sofort, wo er hinmuss und die Darsteller und die Pferde können sich in Ruhe auf den Umritt vorbereiten.“ Auf diesem Wege können auch Gruppen, die ganz spontan mitreiten wollen, in den Umzug miteinbezogen werden.

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Biermeier erinnerte sich, dass einmal nicht genügend Pferde kamen. Er habe dann zwei Wagen einfach zusammengespannt, so der gebürtige Erhartinger. Damals dachte er sich, das dürfe nicht mehr passieren. Seither besucht er auch unter dem Jahr die Pferdebesitzer, um die Beziehungen zu pflegen. So manch Rosserer sei stolz, wenn Herkunft oder Vereinsname seiner Pferde beim Umritt genannt und so willkommen geheißen würden. Nach dem Umritt säßen alle im Feuerwehrhaus zusammen, man kenne sich, tausche sich gerne aus. Neue würden willkommen geheißen und wenn man auseinander geht, so freue man sich schon, wenn es wieder heiße: „Heuer wird in Erharting wieder eingespannt“.

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