Bräuche im Dezember

Barbara, Lucia, Nikolaus: Wie in und um Erharting die Adventszeit gefeiert wurde

Hat sich mittlerweile etabliert: Das Barbara-Schießen in Kirchisen lockte zuletzt Jahr für Jahr die Böllergruppen zur Kirche hoch über dem Isental.
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Hat sich mittlerweile etabliert: Das Barbara-Schießen in Kirchisen lockte zuletzt Jahr für Jahr die Böllergruppen zur Kirche hoch über dem Isental.
  • vonLeo Biermaier
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Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – jetzt beginnt wieder die staade Zeit. Und damit auch die Zeit der Adventsbräuche. Einige davon haben sich bis heute ihren Platz gesichert, andere hingegen sind nahezu verschwunden.

Erharting– Advent kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Ankunft, in diesem Fall also warten auf die Geburt Jesu. Um das lange Warten aufzulockern, begegnen uns einige Heilige, deren Gedenktage vor allem in vergangenen Zeiten gebührend gefeiert wurden. So wurden im Advent besondere Gottesdienste, die Roratemessen oder Engelämter gefeiert.

Missionsverein gestaltet mit

Die Bezeichnung Rorate ist von den lateinischen Anfangsworten der Liturgie aus dem Alten Testament abgeleitet „Rorate caeli desuper, et nubes pluant justrum“ – „Tauet, Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen“. Weil in diesen Messen das Evangelium von der Verkündigung an Maria durch den Engel Gabriel gelesen wurde, nannte man die Gottesdienste im Advent auch Engelämter. Diese Messen wurden schon lange vor der Adventszeit von den Gläubigen bestellt.

Oftmals taten sich Ortschaften zusammen, um einen der begehrten Termine zu bekommen. Aus einem „Verzeichnis der geistlichen Funktionen in der Pfarrei Erharting“ aus dem Jahr 1859, aufgestellt vom damaligen Coadjutor (Kaplan) Franz Zistl, erfährt man Einiges über die Adventszeit anno dazumal. In Erharting gab es zu der Zeit einen Missionsverein, der indirekt das kirchliche Leben mitgestaltete. Zum ersten Adventsonntag heißt es: „Am 1. Adventsonntag wird eigens eine Predigt zu Gunsten des Missionsvereins gehalten, weil an diesem Tage mit dem Einbringen der Beiträge zum Missionsverein begonnen wird.“

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Am 3. Dezember, dem Namenstag des heiligen Franz Xaver, der in Erharting ein bekannter Missionar war, wurde ein Festgottesdienst gefeiert. Die Messfeier fand vor dem „ausgesetzten Allerheiligsten“ statt und wurde wie ein Engelamt gehalten, dies unterstrich umso mehr die herausragende Bedeutung der religiösen Handlung. Zudem bestand an diesem Tag für die Mitglieder des Missionsvereins die Möglichkeit, einen „vollkommenen Ablaß“ zu erlangen.

Zum Xaveritag gab es nicht nur fromme Gebete, sondern auch einen lustigen Vers der die anderen „heiligen Franzen“ auf ihre Trinkgewohnheiten hin beschrieb: „Der Franz von Assisi, der trinkt nur a bissi. Der Franz Xaver – der trinkt a bissal mehr. Der Franz von Sales – der trinkt alles.“

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Nach dem Gedenktag des Franz Xaver folgte am 4. Dezember der Namenstag der heiligen Barbara. Sie gehört zu den „Drei heiligen Madln“, über die der Volksmund den folgenden Reim gebildet hat: „Barbara mit’n Turm – Margareth mit’n Wurm – und Katharina mit’n Rad´l, des san de drei heiligen Mad´l“.

An ihrem Namenstag wurden Kirschbaumzweige geschnitten und ins Wasser gestellt, um so das Erblühen bis zur Christnacht zu erwirken. Viele Wundertaten und Mythen ranken sich um diese Heilige, die, wie auch die anderen heiligen Mad’ln, zu den 14 Nothelfern zählt.

Lange Zeit dereinzige Gabenbringer

Auf die heilige Barbara folgt der Bischof aus Myra, der heilige Nikolaus, am 6. Dezember. Er hatte über viele Jahrhunderte die Aufgabe des Christkindes als Gabenbringer inne. Er war lange Zeit der einzige Gabenbringer in der Vorweihnachtszeit. Mit der Reformation verlagerte sich der Geschenkebrauch auf das Christkind. So entwickelten sich in katholischen Gegenden das Christkind und in protestantischen Gebieten der Weihnachtsmann als derjenige, der die Geschenke bringt.

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Kaum hatte der Nikolaus die Kinder gelobt und getadelt, stand der nächste Feiertag bevor. Am 8. Dezember, dem Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, war ein vollkommener Ablass nach den kirchlichen Auflagen möglich. Als Grundvorlage galt der Empfang des Bußsakramentes, die Beichte. Dazu liefern Aufzeichnungen der Kirche Hinweise darauf, dass sich ab 5 Uhr früh Beichtleute in der Kirche eingefunden hatten, um anschließend, von den Sünden geläutert, um 6 Uhr dem Engelamt beiwohnen zu können.

Die Bedeutung der Quatembertage

Die Quatembertage sind Bußtage im kirchlichen Kalender, die viermal im Jahr stattfinden. Der Festtag der heiligen Luzia erscheint nur indirekt in Verbindung mit dem Quatembermittwoch, auch Hohenmittwochen genannt. Die Quatembertage waren strenge Fast- und Abstinenztage, die in Verbindung mit hohen Festtagen, darunter auch der „Luzei“ (13. Dezember) standen. Im weltlichen Bereich gab es an diesen Tagen für die Austrägler (Altbauern im Ruhestand) den „Quatember“ in Form von zusätzlichen Leistungen zum vereinbarten „Austrag“. In der Pfarrei Erharting stellte sich dieser Tag wie folgt dar:“ Am Quatember im Advent haben die Werktags-, Feiertagsschüler und Christenlehrpflichtigen ihre Beichte und nach dem Pfarramte den Quatemberrosenkranz“.

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