Vom Bagger ins Erhartinger Rathaus. Unternehmer Matthias Huber gibt zu: „Mir g’foid’s!“

Ein Baggerfahrer wird Bürgermeister: Matthias Huber, selbstständiger Bauingenieur, macht sich für seine Gemeinde stark.
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Ein Baggerfahrer wird Bürgermeister: Matthias Huber, selbstständiger Bauingenieur, macht sich für seine Gemeinde stark.

Über Altlasten und Visionen: Erhartings Bürgermeister Matthias Huber zieht nach 100 Tagen Bilanz und sprudelt nur so vor Ideen. Dabei hat er nicht nur die infrastrukturelle, sondern auch die gesellschaftliche Entwicklung im Ort im Blick.

Von Martina Fuhrmann

Erharting– Seit 100 Tagen ist Matthias Huber im Amt des Erhartinger Bürgermeisters und er hat sich schon, nach eigener Auskunft „gut eingearbeitet“. Eine Einschätzung, die angesichts seiner bereits abgearbeiteten To-Do-Liste bescheiden anmutet: Für das Rückhaltebecken in der Keltenstraße gibt es grünes Licht, bei der Bahnunterführung wurde eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter durchgesetzt und der Bauhof kommt nach Abstimmung mit dem Landratsamt in die Planungsphase. Nicht zu vergessen das Baugebiet „Am Fischerweg“, das im Herbst Erschließungsreife erreicht und im Frühjahr 2021 wird die Bäckerei Eicher endlich mit dem Bau der neuen Backstube beginnen können. Es sind nur um einige Beispiele auf seiner Liste, hinter denen er ein Häkchen setzen kann.

Vom Bauingenieur zum Gemeindearchitekten

Der studierte Bauingenieur, der schon als Jugendlicher bei seinem Vater in der Baufirma mitarbeitete, ist mit denAufgaben, die in der Erhartinger Gemeinde zurzeit anfallen, bestens vertraut. Erharting möchte in naher Zukunft eine stattliche Anzahl an Baugründen ausweisen und Huber weiß, was zu tun ist.

Randgebiete sollen als Erholungsgebiete unberührt bleiben

Bei dem Baugebiet „Am Fischerweg“ konnte er aufgrund seiner Sachkenntnisse einen kleinen Flüchtigkeitsfehler im Gutachten entdecken, weshalb die Entwässerung des Oberflächenwassers nun viel günstiger kommt als ursprünglich angenommen. Aufklärung, die die potenziellen Käufer der Grundstücke durchaus zu schätzen wissen werden, wenn Kauf inklusive Erschließung nun deutlich günstiger kommen. Insgesamt möchte Huber das Dorf im Kern verdichten, um so ein attraktives Ortsbild zu gestalten. „Die Randgebiete sollen als Erholungsgebiete unberührt bleiben“, betont Huber.

Förderprogramm für Glasfaser und Zufahrten nutzen

Auch das Förderprogramm für den Breitbandausbau oder das der asphaltierten Straßen für die Zufahrten von Landwirtschaften möchte der neugewählte Bürgermeister nutzen. Jedes Haus der Gemeinde, auch die Häuser der Randbezirke, soll einen Glasfaseranschluss für das Internet bekommen und jeder Landwirt einen asphaltierten Zuweg zu seinen Wirtschaftsgebäuden. „Teilweise wird man die Straßen aufgraben müssen, um die Kabel zu verlegen“, so der erfahrene Bauingenieur. Auf die Frage, ob ihm denn angesichts der vielen Arbeit und dem Planungsaufwand nicht Angst wird, lacht Huber: „Mir macht es richtig Spaß, für die Gemeinde was zu erreichen und außerdem bin ich ja vom Fach!“

Für Huber ist ganz klar: „Die Feuerwehr muss man unterstützen!“

Auch im sozialen beziehungsweise gesellschaftlichen Bereich wird angepackt. Die Ausrüstung der Feuerwehr wurde erneuert und der Bauhof, der bis jetzt in dem Gebäude der Feuerwehr untergebracht war, wird in die Gemeindehalle am Fischerweg ausgelagert. „Die Feuerwehr muss man unterstützen!“, findet Huber.

Ausbau der A 94 fordert die Feuerwehr

„Seit dem Ausbau der A 94 ist die Freiwillige Feuerwehr von Erharting sehr häufig im Einsatz, da muss die Ausrüstung und die Berufskleidung passen.“ Und sie passt, genauso wie der Fuhrpark jetzt auch in das Gebäude der Feuerwehr passt, und dem Bauhof genügend Platz in der Gemeindehalle am Fischerweg zur Verfügung steht.

Ein Fahrdienst für Ältere? Der soll schon im September kommen

Auch der Kindergarten wird ausgebaut, für Reinigungskräfte im Dorf ist gesorgt. Huber sprudelt vor Ideen, bringt plötzlich die Idee eines Fahrdienstes für die Älteren im Dorf ins Spiel, „damit für sie eingekauft wird oder auch jemand da ist, wenn zum Arzt gefahren werden muss.“ Dieser Fahrdienst soll – ginge es nach Huber – auf privater Basis schon im September eingerichtet werden.

Gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung

Schwierigkeiten gibt es für Huber wohl keine. „Schwierigkeiten?“, fragt Huber nach und überlegt, „Nein, Schwierigkeiten gibt es keine!“ Im Gegenteil: Er betont die hervorragende Zusammenarbeit in der Verwaltung. Obwohl das Verwaltungspersonal für drei Gemeinden arbeitet und auch die Bauhofarbeiter gut ausgelastet seien, funktioniert die Kooperation sehr gut, meint Huber anerkennend. Dies könne ruhig so bleiben, darauf könne man auch in Zukunft bauen.

Enttäuschung über Kreistagsbeschluss zur B 15 neu

Der Entschluss des Kreistags über den Verzicht der Trasse B15neu hat ihn persönlich enttäuscht, so Matthias Huber. Von Natur aus mit einem gesunden Gerechtigkeitsgefühl ausgestattet, verwundert ihn, warum man die Verkehrsbelastung des gesamten Landkreises auf einige abwälzen möchte, um andere dagegen zu verschonen. „Die B 299 ist jetzt schon stärker frequentiert als früher die alte B 12. Warum soll man den gleichen Fehler noch einmal machen? Der Schwerverkehr muss auf Autobahnen gelenkt werden, denn wo soll sonst der Nahverkehr und der Berufsverkehr fahren?“, meint Huber.

Hoffnung auf kluge Entscheidungen

Der Schwerverkehr von Regensburg nach Rosenheim solle über Landshut und von dort aus über eine kreuzungsfreie, vierspurige Straße Richtung Süden gelenkt werden und nicht 30 Kilometer über die Bundesstraße bei Erharting in die A 94 münden. Der Bürgermeister hofft für die Gemeinde und die Nachbargemeinden, dass in dieser Sache in den kommenden Monaten kluge Entscheidungen getroffen werden.

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