Bürgermeister: Die ersten Erhartinger Probleme bereits aus der Welt geschafft

Der Schreibtisch ist noch etwas karg bestückt: Matthias Huber studiert den Plan der Bäckerei Eicher, die bei Frixing investieren will. Den Löwen mit dem Erhartinger Wappen hat Bürgermeister Matthias Huber in einer Ecke im Büro gefunden, „für gut befunden und gleich auf den Schreibtisch gestellt!“
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Der Schreibtisch ist noch etwas karg bestückt: Matthias Huber studiert den Plan der Bäckerei Eicher, die bei Frixing investieren will. Den Löwen mit dem Erhartinger Wappen hat Bürgermeister Matthias Huber in einer Ecke im Büro gefunden, „für gut befunden und gleich auf den Schreibtisch gestellt!“
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Der Bauhof zieht in die Lagerhalle um und den Ableitungskanal kann man sich sparen: Mit diesen und weiteren positiven Nachrichten wartet Bürgermeister Matthias Huber auf –und das bereits nach acht Wochen im Amt.

Erharting – Die ersten zwei Monate sind um, Matthias Huber hat sich in seinem neuen Betätigungsfeld schon gut eingelebt. „Mir macht die Arbeit riesigen Spaß“, gibt der neue Erhartinger Bürgermeister in seinem noch sehr karg eingerichteten Büro im Rathaus in Rohrbach offen zu. Und er ist stolz darauf, dass er in den ersten sechs Wochen seines Wirkens schon wegweisende Entscheidungen durchgebracht hat. Davon berichtet er im aktuellen Interview.

Den Wahlkampf haben sie nach einem Achillessehnenriss ja auf Krücken bestritten. Davon ist nichts mehr zu sehen. Auch die Manschette ist weg. Wie geht es Ihnen?

Matthias Huber: Danke, ganz gut. Bis vor drei Wochen war ich tatsächlich noch mit Krücken unterwegs. Jetzt wird es von Tag zu Tag besser. Ich humple noch ein wenig, doch ich gehe fleißig zur Krankengymnastik.

Hat Sie die Verletzung in der ersten Zeit als Bürgermeister sehr eingeschränkt?

Huber: Mei, ich hab das Beste daraus gemacht. Weil ich selbst ja keinen Bagger fahren durfte, blieb nur die Büroarbeit. Für mich so gesehen ein Vorteil, weil ich mich quasi im Homeoffice auch in die Tätigkeit des Bürgermeister ungestört einarbeiten konnte. Die Verwaltung hat mich super mit Informationen versorgt. Und wenn ich was zusätzlich brauche, habe ich ja nicht weit, das Rathaus ist ja eh nur wenige hundert Meter von mir entfernt.

Sie führen ja zusätzlich zum Bürgermeisteramt eine Firma. Gleichzeitig sind Sie Vorsitzender des Wirteerhaltungsvereins. Die Tagesbelastung dürfte nicht weniger geworden sein...

Huber: Es hält sich in Grenzen. Aber mir macht die neue Aufgabe ja riesigen Spaß, deswegen kann von Belastung gar keine Rede sein. Und der WEV läuft nebenher. Diese ehrenamtliche Tätigkeit erfordert auch nicht so viel Zeitaufwand.

Ihre erste Amtshandlung...

Huber: ...war die Abstimmung über die Geschäftsordnung und die Besetzung der einzelnen Posten.

Da hat es aber einige Kampfabstimmungen gegeben.

Huber: Das stimmt, aber letztlich hat sich die knappe Mehrheit der UWG behauptet. Das ist Demokratie. Allerdings mag ich den Begriff Kampfabstimmung nicht. Wir machen gemeinsam Politik für Erharting, alle werden eingebunden, wir reden offen über Probleme und diskutieren Lösungsansätze. Schon bei der letzten Sitzung hat man bei den Abstimmungen gesehen, dass das ganz gut klappt. Sämtliche Beschlüsse fielen einstimmig.

Was hat sich denn in den ersten Wochen am Bürgermeister-Schreibtisch getan?

Huber: Eine ganze Menge. Ich habe versucht, sämtliche Probleme anzupacken. Die Eisenbahnunterführung, die gerade gebaut wird, sollte ursprünglich niedriger gebaut werden. Ich habe da gleich den Telefonhörer in die Hand genommen und bin bei den entscheidenden Stellen vorstellig geworden. 3,5 Meter sollte die Durchfahrt sein, jetzt bekommen wir wahrscheinlich 4,5 Meter, was vor allem den Landwirten mit ihren schweren Geräten zugutekommt.

Die Lagerhalle am Fischerweg war ein kontrovers diskutiertes Thema im Wahlkampf. Die freien Wähler wollten sie zugunsten von Bauland abreißen. Sie haben daran festgehalten. Gibt es da etwas Neues?

Huber: In der Tat. Der Bauhof wird in diese Halle umziehen, so wie ich es auch im Wahlkampf immer als Ziel ausgegeben hatte. Der Hintergrund ist, dass die Feuerwehr mit Platzmangel zu kämpfen hat. Es liegt daher nah, den Bauhof zu verlagern, damit dessen Platz für die Feuerwehr zur Verfügung gestellt werden kann. Der Umzug erfordert allerdings einen Anbau für Büro- und Sozialräume an die Halle am Fischerweg. Der Bauantrag dafür wird Gegenstand in einer der nächsten Sitzungen sein. Eine andere Bauangelegenheit können wir uns hingegen komplett sparen.

Worauf spielen Sie an?

Huber:Auf die Entwässerungsproblematik im Baugebiet „Am Fischerweg“. Geplant war ein Ableitungskanal in die Isen. Doch der Bau ist hinfällig.

Wieso das denn?

Huber:Weil er nicht notwendig ist. Bei der Problematik war davon die Rede, dass es sich beim Schichtenwasser um Grundwasser handelt. Das hat sich inzwischen als falsch heraus gestellt. In der Absprache mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt stellte sich nun heraus, dass es offenbar reicht, wenn wir das auftretende Wasser, das aus dem Hang kommt, versickern lassen. Ein Aufwand, der in ersten Kostenschätzungen mit knapp einer Million Euro kalkuliert war, fällt damit weg. Eine gute Nachricht.

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In Zeiten von Corona freut man sich über jeden Cent, der nicht ausgegeben werden muss. Viele Gemeinden bessern ja wegen Corona ihre Haushalte nach, befürchten mit einem Einbruch der Gewerbesteuer. Wie sehen Sie das?

Huber: Ich denke, dass es uns als Gemeinde nicht so hart treffen wird. Unsere größten Steuerzahler sind Netto und Hermes, beides Firmen, die während Corona eher geboomt haben. Die Verwaltung hat vorsichtig kalkuliert, rechnet bei der Gewerbesteuer mit 20 Prozent weniger. Den mittelständischen Betrieben wird die Steuer gestundet. Aber ich glaube nicht, dass es so schlimm kommt. Ich rechne aber damit, dass der Hausbau zurückgehen wird.

Eher schlecht, oder? Jetzt da das Baugebiet am Fischerweg auf den Weg gebracht worden ist...

Huber: Naja, wir haben viele Bewerber für die 24 Grundstücke. Problematisch ist allerdings, dass der frühere Gemeinderat ein Einheimischenmodell festgelegt hat, das den Verkauf von drei Bauplätzen pro Jahr vorsieht. Wir lassen gerade überprüfen, ob das rechtlich in Ordnung ist. Ich hoffe aber, dass ab dem Frühjahr 2021 gebaut werden kann.

Ihr Vorgänger, Georg Kobler, hat immer gesagt, Erharting sei das „Filetstück einer Sau“, wenn mal die Autobahn fertig ist. Jetzt ist sie fertig. Stimmen Sie ihm zu?

Huber: Auf jeden Fall. Wir haben infrastrukturell gesehen alle Möglichkeiten, liegen ideal, um in kurzer Zeit nach München zu gelangen. Die Gemeinde hat großes Potenzial zu wachsen und ich werde alles dafür tun, dass wir das Optimale rausholen. Das kann die weitere Erschließung von Baugrund sein. Aber auch an Gewerbeansiedelungen denke ich, die man um den Kreisel in Frixing konzentrieren könnten. Im nächsten Jahr haben wir mit der Bäckerei Eicher einen Einheimischen, der groß investieren wird. Die A 94 bringt aber auch Verpflichtungen mit sich. Zum Beispiel müssen wir bei der Feuerwehren ausrüstungstechnisch nachrüsten. Und auch das kostet Geld. Interview: Josef Enzinger

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