Außergewöhnlich und vergnüglich

Hohe Gesangskunst boten die 25 Frauen von La Gioia unter Sigrid Weigl. Fotos gth
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Hohe Gesangskunst boten die 25 Frauen von La Gioia unter Sigrid Weigl. Fotos gth

Die Erwartungen waren hoch, das Echo ging über den Ort und den Landkreis hinaus: Schon am ersten Tag der Kartenreservierung für ein Benefizkonzert waren alle 250 Plätze weg.

Zangberg/Mühldorf - Die angekündigten vier Vokalensembles versprachen hohe Gesangskunst bei vergnüglichem Vortrag. Aber auch Solidarität für Frauen mit Gewalterfahrung sah die Zweite Vorsitzende des Vereins "Frauen helfen Frauen im Landkreis Mühldorf", Dr. Eva Loserth, als Grund für den großen Zuspruch.

Schon der geringe Anteil an Männern im Saal mit höchstens zehn Prozent verriet dem neutralen Beobachter, dass geballte Frauenpower angesagt war. Für sein drittes Benefizkonzert konnte der Verein "Frauen helfen Frauen im Landkreis Mühldorf" vier Vokalensembles gewinnen, deren Können und Bekanntheit akustischen Genuss versprach. Und dem war auch so. Abwechslungsreicher und spontaner bei hoher Qualität kann ein Konzert von Vokalensembles in Chorstärke und als Duos kaum sein als bei der Soiree im Ahnensaal des Klosters Zangberg.

Dankbaren, ja begeisterten Beifall rief jeder Auftritt der Chöre La Gioia und StimmLust sowie der Duos "Si und de Anda" und "Herr Stefan und Frau Weise" hervor. Und je länger das fast dreistündige Konzert dauerte, umso emphatischer wurde die Zustimmung und steigerte sich bis zu Beifallsäußerungen ähnlich wie bei Popkonzerten. Drei Zugaben gab es obendrauf, davon einen Auftritt beider Chöre mit zusammen über 50 Sängerinnen und Sängern.

Die hohe Qualität und das abwechslungsreiche Repertoire des Ensembles La Gioia von Sigrid Weigl, 25 Frauen aus drei Landkreisen, sind hinlänglich bekannt. Sie wurden ausgezeichnet bei bayerischen und deutschen Chorwettbewerben. Ihre ersten beiden Beiträge waren zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Mit dem bairischen "Kimmt schee hoamli de Nacht" und dem niederdeutschen "Weil du mei Liabsta bist" trafen sie dann sicher den Geschmack aller. Eine Hommage an die Kollegin Denise Weise als Komponistin war die Uraufführung eines englischen Songs.

Unbestrittene Publikumslieblinge waren die 20 Frauen und zehn Männer von "StimmLust" von Denise Weise. Sie bezeichnen sich selber als "wuidgenial". Ihre Energie und Singfreude sprang aufs Publikum über. Sie sangen ihre Lieder nicht nur, sie lebten sie in Mimik und Gestik, ja mit dem ganzen Körper. Herausragende Beispiele waren ein "Vogellied" und "Da ge da ja". Denise Weise, ein Temperamentsbündel als Dirigentin, forderte dies mit all ihren Kräften.

"Si und de Anda" (Sigrid Weigl und Andrea Wibmer) begleiteten ihre Songs (teils von Reinhard Mey, teils Eigenkompositionen) mit unterschiedlichen Saiten- und Rhythmusinstrumenten. Sie waren mal romantisch, mal zungenbrecherisch wie bei "Pöter", laut Erklärung menschliche Wesen, wohl des männlichen Geschlechts, mit der ganzen Bandbreite des Daseins. "Herr Stefan und Frau Weise" sangen und spielten wie "StimmLust". Hinreißend tragikomisch das mazedonische "Wenn du mi frogn dadst". Bei Klezmermusik und Melodien aus Mazedonien und Kroatien setzten sie Sopransaxofon, Akkordeon, Cello und Geige virtuos ein. In "Musik von Hand gemacht" von Reinhard Mey vereinigten sich die beiden Duos zu einem Quartett. Mit dem ruhigen "Guat Nacht" - auch das kann "StimmLust" - wurden die Zuhörer in die Sonntagnacht entlassen. Die Vereinsvorsitzende Anne Markt dankte allen namens der von Gewalt bedrohten Frauen. gth

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