Bardame war aufmerksam

Auf frischer Tat ertappt: Mit Falschgeld und Rauschgift auf dem Faschingszug in Neumarkt

Eine der letzten großen Faschingsveranstaltungen im Jahr 2020: Der Neumarkter Nachtfaschingszug. Zwei 21-Jährige wollten dort Falschgeld in Umlauf bringen, sie wurden erwischt und wurden jetzt vor Gericht verurteilt.
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Eine der letzten großen Faschingsveranstaltungen im Jahr 2020: Der Neumarkter Nachtfaschingszug. Zwei 21-Jährige wollten dort Falschgeld in Umlauf bringen, sie wurden erwischt und wurden jetzt vor Gericht verurteilt.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
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Zwei Männer wollten an der Bar während einer Faschingsveranstaltung „Blüten“ umtauschen. Doch sie flogen auf und mussten sich jetzt vor Gericht verantworten.

Neumarkt-St. Veit/Mühldorf – Einen ,falschen Fuchz’ger“ für 40 Euro gekauft und damit an der Bar gezahlt. Genial war das nicht, was zwei junge Männer beim Nachtfaschingszug 2020 in Neumarkt-St. Veit im Sinn hatten. Denn sie wurden erwischt und mussten sich nun vor Amtsrichter Florian Greifenstein in Mühldorf verantworten.

Beide hatten auch Drogen in der Tasche

Staatsanwalt Rasim Filipov warf den beiden 21-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis jeweils zwei Delikte vor: Sie wollten nicht nur falsche 50-Euro-Scheine in Umlauf bringen, sondern hatten auch noch Rauschgift dabei, Marihuana.

Ein 38-jähriger Kriminalpolizist aus Mühldorf bezeugte: Als die beiden Männer an einer Bar im Bahnhofsbereich einen 50-Euroschein wechseln wollten, habe die Bardame diesen als falsch erkannt. Sie alarmierte die Polizei, die beiden Männer wurden verhaftet – ebenso wie der Mann, von dem sie die Blüten gekauft hatten. Er war in einem anderen Prozess zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt worden.

Einige Einträge im Vorstrafenregister

Ein Blick in das Vorstrafenregister erbrachte beim ersten Angeklagten sechs Vorstrafen. Immer war es um Drogen gegangen, die ihm eine Geldstrafe und Jugendarrest eingebracht haben. Beim zweiten Delinquenten standen vier Einträge zu Buche, in zwei Fällen waren Betäubungsmittel im Spiel, hinzu kamen je ein Fall von Betrug und unerlaubtem Waffenbesitz.

Staatsanwalt plädierte für eine Jugendstrafe

Staatsanwalt Filipov sah sämtliche Anklagepunkte voll bestätigt. Da beide Beschuldigten keine abgeschlossene Ausbildung hätten, keinem Beruf nachgingen und noch bei der Mutter beziehungsweise bei den Eltern lebten, hielt Filipov die Anwendung von Jugendstrafrecht für gerechtfertigt. Beiden Angeklagten hielt der Staatsanwalt das Geständnis zu Gute. Negativ fielen die zahlreichen Vorstrafen ins Gewicht. Auch hätten mehrere Arreste bei ihm nichts bewirkt und er konsumiere – laut eigenen Angaben – auch jetzt noch Drogen. Seine Forderung: 18 Monate. Für eine Bewährung sah er keine Chance.

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Zweiter Beschuldigte geht aktiv gegen seine Drogenprobleme vor

Für den zweiten Beschuldigten forderte Filipov eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Hier hielt er eine Bewährung für möglich, weil der Mann aktiv gegen seine Drogenprobleme angehe und sich seit Januar 2021 in einer stationären Therapie befindet. Dennoch sollte der Mann zusätzlich einen zweiwöchigen Arrest verbüßen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

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Verteidiger sprechen von „stümperhaftem Verhalten“

In seinem Plädoyer sprach Rechtsanwalt Martin Lämmlein von „stümperhaftem Verhalten“ bei dem Versuch, das falsche gegen echtes Geld tauschen zu wollen. Die Menge sei gering gewesen, die kriminelle Energie nicht hoch. Dennoch ziehe sich der Missbrauch von Betäubungsmitteln wie ein roter Faden durch das Leben seines Mandanten, er plädierte für eine einjährige Bewährungsstrafe.

40 Euro für 50 falsche Euro hingelegt

Verteidiger Jörg Zürner präsentierte ähnliche Argumente. Die Initiative beim Falschgeld sei nicht von seinem Mandanten ausgegangen, sondern von dem anderweitig Verurteilten. Dann war es „eine äußerst dilettantische Vorgehensweise“, die Blüten erneut umtauschen zu wollen, obwohl sie schon ertappt worden seien. Auch hätte sein Mandant und dessen Freund das Falschgeld bezahlen müssen – 40 Euro für einen „falschen Fuchz’ger“. Die vom Staatsanwalt geforderten Sozialstunden waren für Jörg Zürner „definitiv nicht darstellbar“. Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von acht Monaten mit Bewährung.

Zusätzlich 80 Stunden gemeinnützige Arbeit

Der Mandant von Rechtsanwalt Lämmlein erhielt eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Das Schöffengericht hielt den hohen Druck auf den jungen Mann, sich 24 Monate nichts zu Schulden kommen zu lassen, für ausreichend hoch. Er bekam als Auflage noch 80 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine ambulante Drogentherapie.

Zwölf Mal im Jahr zum Drogentest

Der zweite, von Zürner vertretene Beschuldigte, kam mit einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe davon, ebenfalls auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, weil er bereits mit dem Drogenentzug begonnen hatte.

Beide Männer bekamen die Auflage, ein Jahr lang drogenfrei zu leben. Dazu müssen sie in diesem Jahr zwölf Mal einen Haar-, Speichel- oder Urintest abgeben. Da beide Beschuldigten das Urteil akzeptierten, ist es mit sofortiger Wirkung rechtskräftig.

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