Auch 60 Jahre nach der Gründung beim Schmidwirt: Mit Sachpolitik im Sinne der Bürger handeln

Seit nahezu 50 Jahren aus voller Überzeugung UWGler:Rudi Berghammer, der von 1984 bis 2002 Bürgermeister war ist auch einziges Ehrenmitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft. Vor ihm legen die Wurfzettel der Wahlen von1984, 1990 und 1996. Enzinger

Es ist ein Leitz-Ordner, der vor Rudi Berghammer liegt. Wahlergebnisse, Wurfzettel, Zeitungsartikel sind es, die sich der Altbürgermeister von Neumarkt-St. Veit aufgehoben hat und die er hervorgekramt hat, um darin zu schmökern. Der Grund: Die UWG Neumarkt-St. Veit feiert am Donnerstag 60. Jubiläum.

Neumarkt-St. Veit – Berghammer ist zwar kein Gründungsmitglied, war nicht dabei als sich die UWG an jenem 24. Januar 1960 im Gasthaus Schmidwirt gegründet hat. Doch er ist das älteste noch lebende Mitglied, seit knapp 50 Jahren mit dabei, inzwischen das einzige Ehrenmitglied – und immer noch von Herzen UWGler.

Max Neumeier war der Motor

Wenn Rudi Berghammer von einem anderen leidenschaftlichen UWGler spricht, dann kommt ein Name ins Spiel: „Max Neumeier – er war der Motor der UWG. Ein rühriger Politiker, der die UWG nach oben gebracht hat“, erzählt Berghammer, wenn er von den Anfängen der UWG erzählt, so wie auch er selbst sie erlebt hat. Diese UWG in Neumarkt-St. Veit ist ein Kind der neuen Demokratie nach dem zweiten Weltkrieg. Viele Gruppierungen hatten sich in Bayern für die ersten freien Kommunalwahlen beworben, darunter SPD, Bund der Vertriebenen, CSU, Bayernpartei, Notgemeinschaft. Für die Wahl 1952 bildet sich im November 1951 auch eine „unabhängige Wählergemeinschaft“. Diese Christlich Unparteiische Wählerschaft (CUW) bringt 1952 zwei ihrer Kandidaten in den Marktgemeinderat, doch 1956 gibt es bereits keine CUW mehr; der 1955 in Neumarkt-St. Veit gegründete Ortsverband der CSU dürfte der Hauptgrund dafür gewesen sein, mutmaßt man heute.

In der Kommunalwahl 1956 treten aber neben den Parteien SPD und CSU zwei weitere Gruppierungen an: die „Überparteiliche Wählergruppe Mittelstand und Arbeit“ und die Liste „Unabhängiger Bürgerblock - Bayernpartei - Heimatvertriebene“. Sie ziehen mit sieben Stadträten in das Neumarkter Rathaus ein und stellen mit Karl Wintermeier (BP) sogar den Bürgermeister. Einer der neuen Stadträte ist der spätere Gründervater der UWG – Max Neumeier.

Es dauerte bis 1960, als nach dem Niedergang der Bayernpartei und den anderen parteilosen Gruppierungen im Januar die „Unabhängige Wählergemeinschaft“, UWG, gegründet wurde. Von den über 100 Anwesenden trugen sich gleich 75 als Mitglieder ein. Max Neumeier wurde Obmann der UWG.

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Bei der Kommunalwahl im Gründungsjahr schafften es prompt vier Kandidaten der UWG in den Stadtrat, wobei Xaver Saller sogar zweiter Bürgermeister wurde. Treibender Kern blieb bis 1984 Obmann Max Neumeier, der von 1960 bis 1984 als Bürgermeisterkandidat und UWG-Fraktionsvorsitzender der große Gegenspieler der CSU war.

In den 70er Jahren betrat mit Rudi Berghammer ein neues Gesicht die politische Bühne in Neumarkt. Warum ausgerechnet UWG? „Wir wollten nicht die Landespolitik in unserem Ort, wir wollten uns selbst profilieren“, erzählt er von seinen Beweggründen, als Unabhängiger zu agieren. Mit Erfolg: Zunächst in den Stadtrat gewählt wurde der heute 82-jährigeEhrenbürger der Stadt Neumarkt 1984 als Bürgermeisterkandidat der UWG gegen den CSU-Mann Lorenz Wastlhuber ins Rennen geschickt und gewinnt überraschend die Wahl. 1990 und 1996 wird er jeweils mit absoluter Mehrheit wiedergewählt.

Das Geheimnis des Erfolges? „Wir haben immer versucht, Politik für den Bürger zu machen“, so Berghammer, unter dessen Zeit die kostspieligen Sanierungen von Herzoglichen Kasten und Schloss Adlstein, den Sitz des heutigen Rathauses fällt. Sachpolitik sei es schon damals gewesen, auch mit den anderen Partien zusammen, „mitunter auch mit knappen Entscheidungen“, sagt Berghammer, um die Stadt mit ihren knappen finanziellen Mitteln nach vorne zubringen.

Und die Stadt ist auch nach der Ära Berghammer in UWG-Hand geblieben. Nach Berghammer folgt 2002 mit Erwin Baumgartner ein weiterer Mann der UWG auf dem Bürgermeistersessel. Er strebt bei den Kommunalwahlen am 15. März seine vierte Amtszeit an.

60 Liter Freibier zum Jubiläum

Mit großem Interesse verfolgt Berghammer den aktuellen Wahlkampf, der durch die Stadtplatzsanierung geprägt ist und in dem erstmals nach vielen Jahren mit den Grünen wieder eine vierte Partei mitmischen wird.

Die Frage, was sich in den vergangenen Jahren in der UWG verändert hat, beantwortet der aktuelle Vorsitzende, Stadtrat Peter Hobmaier, der 2016 – 20 Jahre nach der Eintragung der UWG ins Vereinsregister– das Steuer seines Vorgängers Dr. Klaus Windhager (seit 1996) übernommen hat. „Wir sind weiblicher geworden“, sagt Hobmaier, „sieben unserer 20 Stadtratskandidaten sind Frauen!“ Er sieht die UWG übrigens ebenso wie Berghammer nicht in erster Linie als Partei, „sondern als Verein, der Politik für das Volk macht“.

Immerhin 110 Mitglieder zählt dieser Verein im 60. Jahr seines Bestehens. Dies wird am heutigen Donnerstag, 19.30 Uhr, Saal des Fruhmannhauses gefeiert. Dr. Klaus Windhager wird die Geschichte der UWG in Neumarkt beleuchten, es gibt Ehrungen und die Tafelmayer-Buam sorgen für Unterhaltung, während die 60 Liter Freibier ausgeschenkt werden.

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