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In Niederbergkirchen

Atomkraft bremst Solarstrom aus: Bilanz der Bürgerkraftwerke – Kritik an Energie-Politik

Mit Blühwiesen werten die Solaranlagenbetreiber von Niederbergkirchen die Freiflächenanlagen auf.
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Mit Blühwiesen werten die Solaranlagenbetreiber von Niederbergkirchen die Freiflächenanlagen auf.
  • Karlheinz Jaensch
    VonKarlheinz Jaensch
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Viele Niederbergkirchener sind Gesellschafter mehrerer Bürgerkraftwerke. Sie hatte der geschäftsführende Gesellschafter Hans Holz als Mitglieder aller zehn Werke zur Jahresversammlung geladen. Und er wartete mit überraschenden Erkenntnissen auf.

Niederbergkirchen – Holz gab die Jahresabschlüsse und Gewinnermittlungen der zehn Bürgerkraftwerke bekannt, die mit knapp 1,8 Millionen Euro von 73 Niederbergkirchner Bürgern finanziert worden waren.

Reinigungen erhöhen den Ertrag

Beim Vergleich der Gewinne zum Vorjahr wurde festgestellt, dass die Gewinne um fünf bis über zehn Prozent niedriger waren als im vergangenen Jahr, weil eben die Stromeinnahmen in gleichem Umfang weniger waren. Das hatte laut Holz zwei Gründe: „Zum einen war das Jahr 2021 um gut zwei Prozent schlechter, und zum anderen sind die Anlagen mittlerweile sehr verschmutzt.“

Hans Holz

In diesem Jahr wurden die beiden am stärksten verschmutzten Anlagen bereits gereinigt, der Ertrag stieg sofort um mehr als zehn Prozent. „Wir erwarten heuer ein sehr gutes Jahr, denn zum Sommeranfang haben bereits alle Anlagen 58 bis 66 Prozent vom erwarteten Jahresertrag erbracht“, erklärte der Geschäftsführer. „Ganz erfreulich sind die Ergebnisse der ältesten Anlage auf dem Mehrzweckhallendach. Hier war bisher das Jahr 2020 das beste, und das wird wohl in diesem Jahr 2022 noch übertroffen.“ Ein Indiz dafür, dass die Anlagen auch nach 20 Jahren keine Leistung verlieren.

Nach 20 Jahren Einsatz kompensiert

Zur Gewinnausschüttung erklärte Holz, dass jährlich fünf Prozent des von jedem Gesellschafter eingebrachten Eigenkapitals ausbezahlt werden. So hat jeder nach 20 Jahren seinen Einsatz wieder zurück. Zusätzlich können je nach Anlage zwischen sechs und zehn Prozent des eingelegten Kapitals ausgezahlt werden. Bei der Freiflächenanlage laufe es zurzeit besonders gut, denn seit September ist der Marktpreis etwa doppelt so hoch wie die gesetzlich zugesicherte Einspeisevergütung. Und diese Anlage wird nach dem Marktpreis vergütet.

Holz bleibt Vorsitzender für alle zehn Kraftwerke

Bei den Neuwahlen wurde der geschäftsführende Gesellschafter Hans Holz für alle zehn Kraftwerke wieder zum Vorsitzenden gewählt. Bei den Stellvertretern gab es zwei Änderungen. Für den verstorbenen Edi Sommer rückt Harald Perzlmaier nach und für Hermann Oberhauser Franz Dirnberger.

Viel Leben unter den Bodenanlagen

Unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ erklärte Holz, dass in dem riesigen Insektenhotel bei der Bodenanlage bereits viele Gäste eingezogen seien. Das Bepflanzen der Streuobstwiese soll in diesem Herbst stattfinden. Die eingesäte mehrjährige Blumenwiese ist auch nach fünf Jahren ohne Düngung immer noch zum Teil sehr stark von Gräsern dominiert. Holz: „Es ist sehr wichtig, dass dieser Hektar, auf dem die Bodenanlage steht, und auch die Ausgleichsfläche daneben ökologisch so weit wie möglich aufgewertet werden.“

Mehr Flächen für Bodenanlagen nötig

In einer flammenden Rede warb Holz weiter für die Sonnenkraftwende: „In Deutschland werden in diesem Jahr sechs bis sieben Gigawatt an Fotovoltaik-Anlagen neu zugebaut. In den nächsten zehn Jahren brauchen wir jährlich deutlich mehr als 20 Gigawatt Zubau.“ Bürgermeister und Gemeinderäte werden es sich laut Holz nicht mehr leisten können, Flächen für Bodenanlagen nicht zu genehmigen. Zum einen sei es politisch nun auch gewollt, Flächen zur Verfügung zu stellen. Zum anderen erzeuge man auf einem Hektar durch Fotovoltaikanlagen 70-mal so viel Strom wie auf einem Hektar Maismonokultur, der in die Biogasanlage wandert.

Nicht nur die Gewerbesteuer lockt

Außerdem erhielten die Gemeinden neben der Gewerbesteuer auch noch 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde Strom. „Das macht bei einem Hektar Bodenanlage jährlich etwa 2500 Euro aus, und das mal 20 Jahre. Welche Gemeinde kann sich das leisten?“

Kobalt und Lithium spielen immer weniger eine Rolle

Da die Batterieentwicklung stark voranschreitet, werde man die Speicherung in den Monaten von März bis Oktober weitgehend mit Batterien erledigen. Bei der Herstellung von Batterien spielen laut Holz die seltenen Erden wie Kobalt und Lithium immer weniger eine Rolle, die Entwicklung gehe hin zu den Feststoffbatterien. Gebrauchte Batterien aus verschrotteten E-Autos erhielten bereits ein zweites Leben in großen Batterie-Containern für Gewerbebetriebe. „Über die Wintermonate kann es Probleme mit der Stromversorgung geben, insbesondere in Bayern, weil die Windenergie hier politisch nicht gewünscht ist.“

Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke verstopfen Stromleitungen

Die drei Kernkraftwerke in Deutschland weiter zu betreiben, sei aus Sicht von Hans Holz unverantwortlich. Schon wegen der Kriegswirren in Europa. „Unsere Atomkraftwerke und die Kohlekraftwerke verstopfen insbesondere um die Mittagszeit die Stromleitungen“, so Holz. „Die Freiflächenanlagen in Aiching wurden vor wenigen Tagen innerhalb einer Woche viermal von 12 bis 17 Uhr abgeschaltet oder nach dem Fachbegriff ,geregelt‘.“ So erginge es auch vielen Windkraftanlagen in Deutschland. „Diese Abschaltungen werden an die Betreiber ganz normal vergütet, aber bezahlen tun dieses alle Stromabnehmer, also wir.“

Alte marode Atomkraftwerke – die Hälfte nicht einsatzfähig

Viele würden auf Frankreich mit seinen 56 Atomkraftwerken schauen. Alte marode AKW, die in wenigen Jahren abgeschaltet werden müssten. Die Hälfte davon sei wegen Wartungsarbeiten nicht einsatzfähig, und die einsatzfähigen hätten im Sommer kaum Kühlwasser. „In Frankreich ist die Atomlobby vergleichbar mit der Waffenlobby in USA“, erklärte Holz. „Sie hat bisher verhindert, dass Windkraft und Solaranlagen installiert werden. Aber Deutschland liefert nach Frankreich, auch im Winter.“

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