Antrag zur Artenvielfalt in Niedertaufkirchen zeigt Wirkung: 150 Meter langer Blühstreifen kommt

Die Pusteblume bleibt nicht mehr lange alleine: Der Niedertaufkirchener Gemeinderat hat beschlossen, im nächsten Jahr zwischen Siedlung (links) und Bach (rechts) Blühstreifen anzulegen. Drei Meter sollen diese breit und insgesamt 150 Meter lang werden.

Eine halbe Stunde lang diskutierte der Niedertaufkirchener Gemeinderat über das Thema Blühstreifen. Schon im August hatte sich der Rat mit dem Bürgerantrag von Eusebius Kögl zur Förderung der Artenvielfalt im Ort auseinandergesetzt. Die Idee: Möglichst viele ungenutzte Flächen, die der Gemeinde gehören, zu begrünen.

Niedertaufkirchen – Die Rede ist von knapp 0,6 Hektar. Für eine Flächengemeinde wie Niedertaufkirchen vergleichsweise kleine Flecken, die es nach Ansicht von Gemeinderat Bernhard Schierer (FWG) kaum wert seien, schon eine halbe Stunde vor der eigentlichen Gemeinderatssitzung darüber zu diskutieren. Doch genau diese Diskussion wollte Bürgermeister Sebastian Winkler (FWG) anstoßen. „Nicht dass es danach heißt, wir hätten gemauschelt!“

Verweis auf „Eh-Da-Flächen“

Dr. Rita Sperl, die Kögl unterstützte, betonte, dass man dem Bürgerantrag gegenüber offen sein sollte. Ohne viel Aufwand könnten Blühflächen entstehen, man könne die Umsetzung auch als Gemeinschaftsprojekt sehen, dem sich Gartenbauverein, Privatleute, Kindergarten, Schule oder Imker anschließen könnten. Und auch Kögl betonte, dass 0,6 Hektar zwar wenig erscheinen, „doch es lohnt sich allemal. Jeder einzelne Quadratmeter Blühfläche ist sinnvoll. Die Gemeinde sollte mit gutem Beispiel vorangehen und zum Nachahmen anregen!“ Es gebe Gemeinden mit weit weniger Flächen, die Blühwiesen pflanzen oder blühende Verkehrsinseln, sogenannte „Eh-Da-Flächen“, so Kögl, der bereits im August einen entsprechenden Antrag gestellt hatte.

Mit Markus Noppenberger („Wir Bürger“) hatte er einen Befürworter an seiner Seite. „Ob Lichtverschmutzung, Smog, unser Konsumverhalten oder die Funknetze. Wir betreiben zu viele Sünden mit der Umwelt. Wir sollten sie retten, bevor uns die Natur eine auf den Deckel gibt! Das dürfte doch auch Euch nicht entgangen sein, dass es immer weniger Insekten und Vögel gibt“, redete er seinen Gemeinderatskollegen ins Gewissen.

Häglsperger: „Wir tun eh schon so viel!“

Da müsse er sich keine Vorwürfe machen, gab Gemeinderatsmitglied Johann Häglsperger (FWG) zu Protokoll. „Wir tun doch eh schon so viel.“ Er nahm darauf Bezug, dass die Grünflächen der Gemeinde schon jetzt lediglich zweimal pro Jahr gemäht würden. Damit gebe man dem Artenreichtum ungestört Raum. Als Beispiel nannte er die Flächen entlang des Baches, östlich der Siedlungsgebiete.

Dr. Sperl korrigierte dies insoweit, dass es sich bei den Pflanzen entlang des Baches um das indische Springkraut handle, das sich nahezu invasorisch ausbreite. Zuhörer Jochen Peters, ebenfalls Unterstützer der Grünflächen, fragte die Gemeinderäte: „Wo liegt denn das Problem?“ Es sei schließlich auch das Ansinnen der bayerischen Staatsregierung, den Artenschutz in die Verfassung unterzubringen. „Die Herren Politiker sind doch keine Spinner. Wenn es technisch lösbar ist, dann sollten wir das umsetzen!“ Selbst auf kleinsten Flächen neben Siedlungsstraßen.

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Doch gerade dort sieht Gemeinderatsmitglied Hans Winkler (FWG), der als Bauhofmitarbeiter viel Kontakt mit Anwohnern hat, Probleme: „Nicht jeder Anwohner findet es schön, dass nur zweimal im Jahr gemäht wird. Die wollen es sauber haben!“ „Die motzen ja jetzt schon, dass zu wenig gemäht wird“, untermauerte Häglsperger, der über ebenso große Bauhoferfahrung verfügt. Umso mehr kommt es auf die Kommunikation an, erwiderte Dr. Sperl.

Gemeinderat Josef Reichl (FWG) wollte vermitteln: „Wir sind doch auf einem ganz guten Weg. 100 Prozent der verfügbaren Flächen in Blühstreifen zu verwandeln, das werden wir eh nie schaffen.“

Winkler verwies auf knapp vier Hektar Ausgleichsfläche, welche Landwirte zur Verfügung zu stellen hatten als Gegenleistung für ihre Hofzufahrt. Man sei mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde diese Flächen abgegangen. Die hätten signalisiert, dass die ökologischen Maßnahmen genau den Vorstellungen entsprechen würden. Im Frühjahr 2020 würden weitere Maßnahmen zu besprechen sein.

Blühstreifen sind die Lösung

In der öffentlichen Sitzung, die der Diskussion folgte, schlug Gemeinderat Paul Brunner („Wir Bürger“) vor, zumindest die Hälfte der zur Verfügung stehenden Fläche, 0,3 Hektar, entsprechend zu begrünen. Die Abwehrhaltung vereinzelter Anwohner gegenüber Blühmischungen hielt er für übertrieben: „Der Löwenzahn fliegt auch von woanders her.“

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Den Paradevorschlag brachte schließlich Bürgermeister Sebastian Winkler: Zwischen Bachlauf und Siedlung gebe es Grundstücke in gemeindlicher Hand, die sich für Blühstreifen mit einer Breite von drei Metern eignen würden. Insgesamt könne man Blühstreifen auf einer Länge von 150 Metern anlegen. Zur Zusammensetzung der Blumenmischung will man sich zeitnah mit einem Fachberater treffen, so Winkler. Die Flächen sollen dann auch nur einmal im Jahr gemäht werden. Das fand auch die Zustimmung aller Gemeinderäte.

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