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Angst vor einem atomaren Endlager

Was wäre wenn? „Wenn es einen Zwischenfall in Landshut gibt, dann ist mein Hab und Gut wertlos“, sagt Armin Groß, der erst vor wenigen Jahren sein Gästehaus teuer sanieren ließ. je

Radioaktive Strahlung macht vor einer Landkreisgrenze nicht halt. Entsprechend viel Angst hat Armin Groß aus Neumarkt-St. Veit vor einem Störfall im Zwischenlager bei Niederaichbach, wo bis 2047 Atommüll eingelagert werden soll. Er befürchtet ein Endlager“ – und das in nicht einmal 40 Kilometer Entfernung.

Neumarkt-St. Veit – „Tschernobyl liegt Tausende Kilometer von uns entfernt. Und noch heute, über 30 Jahre nach der Havarie des dortigen Atomkraftwerkes, strahlen bei uns die Schwammerl im Wald.“ Nach Niederaichbach hingegen sind es keine 40 Kilometer. Dort wird seit 2007 Atommüll eingelagert. Und die Sorge wächst, dass aus dem Zwischenlager mit dem klangvollen Namen „Bella“ ein Endlager werden könnte, weil es an Alternativen mangelt. Den Unmut darüber hat Armin Groß schon vor drei Wochen bei der Bürgerversammlung von Neumarkt-St. Veit geäußert. Der Unternehmer sorgt sich in erster Linie um seine Sicherheit, befürchtet, dass die Deckendicke des Atomlagers „Bella“ von nur 55 Zentimetern dem Absturz einer größeren Verkehrsmaschine nicht standhalten würde. Bürgermeister Erwin Baumgartner hatte bei der Versammlung darauf verwiesen, dass die Lagerung von Atommüll Bundesangelegenheit sei (wir berichteten).

Doch damit will sich Groß nicht abspeisen lassen. Denn während sich der Landkreis Mühldorf offensichtlich noch im Dornröschenschlaf befindet, brodelt es im benachbarten Landkreis Landshut: Bürgermeister und Landrat bekunden öffentlich ihre Sorge, dass im Lager in Niederaichbach nicht nur radioaktive Abfälle der Kernkraftwerke Isar 1 und Isar 2 deponiert werden. Groß ist die Befürchtung, dass fremde Castoren, etwa aus Frankreich und Großbritannien, nach Niederbayern hinzu kommen. Ein entsprechender Antrag zur Lagerung von bis zu sieben Castor-Behältern hat das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit bestätigt (siehe Infobox unten).

Und genau hier setzt der Protest der Bürger und der Widerstand der Kommunalpolitiker an. Eindeutig hatten sich Landrat Peter Dreier und die Bürgermeister Dieter Neubauer (Essenbach) und Josef Klaus (Niederaichbach) schon vor einem Jahr gegen eine „heiße Zelle“ positioniert, weil sich mit ihr „massiv die Gefahr erhöhen würde, dass aus dem hiesigen Standortzwischenlager ein Endlager wird“. Das heißt, eine Lagerung über die geplante Laufzeit bis 2047 hinaus. Hier „fordern wir weiterhin Rechtsgarantien, dass kein De-facto-Endlager am Standort Isar entstehen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt, datiert auf Oktober 2017.

An dieser Meinung hat sich nichts geändert. Die beantragten sieben Castoren „gehören nicht in standortnahe Zwischenlager, sondern in das dafür vorgesehene Zwischenlager in Gorleben“, betont Niederaichbachs Bürgermeister Josef Klaus.

Die Gemeindechefs des Landkreises Landshut haben inzwischen reagiert und sich bei der Bürgermeisterversammlung Ende November einstimmig für eine Resolution an den Deutschen Bundestag ausgesprochen, damit keine weiteren Castoren eingelagert werden. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sich viele Gemeinden und auch der Landkreis Landshut der Petition angeschlossen, die Niederaichbachs Bürgermeister Josef Klaus initiiert hat. Diese Petition beinhaltet die Forderung, dass die Castoren dort eingelagert werden, wo alle bisher zurückgelieferten Castoren eingelagert wurden: „Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die insgesamt 26 Castoren mit hoch- und mittelradioaktiven Abfällen aus den Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield (UK) und La Hague (F) in Gorleben zwischen zu lagern. Dieses Zwischenlager sei schließlich dafür geplant, genehmigt und gebaut worden“, heißt es in dieser Petition. Das Brennelementebehälterlager Niederaichbach soll hingegen für die Einlagerung nicht mehr zur Verfügung stehen, „da die Sicherheitseinrichtungen für einen eventuell undichten Fremdcastorentyp nicht vorhanden sind“.

Die Einlagerung der sieben Castor-Behälter ist noch nicht genehmigt. Ginge es aber nach Niederaichbachs Bürgermeister Klaus, sollte die Öffentlichkeit beteiligt werden, außerdem fordert er eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Eine Lieferung der Castoren sei laut Klaus in den Jahren 2020/21 geplant.

Um das zu verhindern will man die Bevölkerung sensibilisieren – eine Unterschriftenaktion läuft bereits in den Landkreisen Landshut und Dingolfing-Landau. Benachbarte Landkreise wie Erding und Mühldorf mit deren Landräten will man ebenfalls einbinden, um sich bei den zuständigen Behörden in Berlin Gehör zu verschaffen, erklärt Bürgermeister Klaus.

Der Niederaichbacher Bürgermeister ist zugleich Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Asketa“, ein Zusammenschluss aller Standortgemeinden mit kerntechnischen Anlagen, die in Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt für die Gemeinde Niederaichbach negativen Entwicklungen direkt entgegenwirken will. Klaus: „Uns ist bewusst, dass das ein Kampf gegen Windmühlen ist. Nichtsdestotrotz möchten wir die Einlagerung mit allen legalen Mitteln verhindern und hierzu nichts unversucht lassen.“

Und so sieht es auch der Neumarkt-St. Veiter Armin Groß: „Ich habe in den vergangenen Jahren viel Geld in die Sanierung meines Gästehauses gesteckt. Wenn es einen Zwischenfall in Landshut gibt, dann ist mein Hab und Gut wertlos“, spricht er seine Bedenken aus. „Und das hat jetzt nichts mit Hysterie zu tun. Ich wurde damals nicht gefragt, ob ich ein Atomkraftwerk in meiner Nähe haben will. Wenn es nun um ein De-facto-Endlager im benachbarten Niederaichbach geht, dann will ich mich einmischen.“ Groß wirbt für die Unterzeichnung der Petition, um zumindest Castor-Behälter aus der Region zu verbannen. Dieses Mitspracherecht sollten alle Bürger ernst nehmen. „Denn für eine radioaktive Wolke sind 40 Kilometer gar nichts!“

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