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Jahrhunderte alte Überreste im Boden

Historische Funde: Ausgrabungen in Neumarkt-St. Veit legen Mauerreste frei

Auf dem Kupferstich des Marktes von Michael Wening um 1715, sticht das Steigerbräu-Gasthaus durch seine Arkadenfassade besonders hervor.
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Auf dem Kupferstich des Marktes von Michael Wening um 1715, sticht das Steigerbräu-Gasthaus durch seine Arkadenfassade besonders hervor.
  • VonWalter Jani
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Eigentlich war es nur eine Sanierung des Stadtplatzes in Neumarkt-St.Veit. Doch beim Verlegen der Während neuer Wasserrohre vor der Haus-Nummer 29, der heutigen RV-Bank, wurden plötzlich alte Mauerreste freigelegt. Die Vermutung: Es ist der Unterbau eines historischen Gebäudes.

Neumarkt-St.Veit – In vielen Städten und Märkten öffnen sich ganze Reihen der Häuser-Erdgeschosse zu fortlaufenden Bogengängen, was den Passanten ein witterungsgeschütztes Fortkommen ermöglicht.

Besonders gerne wurden diese Arkadengänge auf der Seite der Marktplätze gebaut, wo man im Sommer einen erhöhten Sonnenschutz benötigte. In der Altstadt von Mühldorf gibt es diese Arkadenhäuser bis heute. In Neumarkt-St. Veit gab es sie auch, doch sie sind über die Jahrhunderte verschwunden.

Verschönerungsverein zahlt für Rückbau

Im ersten Katasterplan von Neumarkt, erstellt im Jahre 1812, sind die Arkadenhäuser noch eingezeichnet. Es waren dies die auf der Ostseite liegenden Marktgebäude mit den aktuellen Haus-Nummern 29, 32, 33 und 34 – heute RV-Bank, Kreissparkasse, Brautmoden Marchner und Metzgerei Korn. Der Rückbau der Arkadenhäuser erfolgte in den folgenden Jahrzehnten, denn im nächsten Katasterplan von 1854 waren diese Gebäude schon ohne Arkaden eingezeichnet.

Ausschnitt des Neumarkter Katasterplans von 1812.

Welche Beweggründe diesen Rückbau in Gang gebracht haben, ist unbekannt, vielleicht eine Modeerscheinung. Im Jahre 1839 hat sich in Neumarkt ein Verschönerungsverein mit 56 Mitgliedern gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hatte, Neumarkt attraktiver zu gestalten. Die herausragenden Aktivitäten des Vereins waren Verschönerungsmaßnahmen innerhalb und außerhalb des Marktplatzes. Hier kümmerten sich die Vereinsmitglieder vor allem um die Verschönerung und Neugestaltung der Marktbrunnen. So wurden im Jahre 1850 die Abwässer der Marktbrunnen unterirdisch abgeleitet.

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Im Jahre 1841 sorgte der Verein dafür, dass die Turmuhr und das Zifferblatt der Marktkirche St. Johann wiederhergestellt wurden. Es folgte die Installation einer ersten Straßenbeleuchtung durch Talglichter und später die Umstellung auf Petroleumbeleuchtung, für die man eine größere Summe an Geld stiftete. Wie weit sich dieser Verein auch bei dem Rückbau der Arkadenhäuser beteiligte, ist nicht ganz klar. Festgehalten ist jedenfalls eine Unterstützungszahlung von 50 Gulden an den Metzger Martin Gandsperger, gestorben 1850, damit dieser die Bögen an seinem Haus – heute die Nummer 33 – beseitigte.

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Während der jetzt durchgeführten Stadtplatzsanierung wurden beim Verlegen neuer Wasserrohre vor der Haus-Nummer 29, der heutigen RV-Bank, alte Mauerreste freigelegt. Bei diesen könnte es sich um den Unterbau des ehemaligen Arkadenhauses handeln, das sich Besitz von Xaver und Joseph Steiger befand. Darin untergebracht war das Gasthaus des sogenannten Steigerbräus, dessen Brauhaus im Gruberbäckerhaus im oberen Vormarkt außerhalb des Marktgrabens lag. Auf dem Kupferstich des Marktes den Michael Wening um 1715 erstellt hat, sticht das Steigerbräu-Gasthaus durch seine Arkadenfassade besonders hervor.

„Alles Alte ist verschwunden, es tut jedem Auge wohl“

Im Kurier für Niederbayern vom 10. Mai 1862 beschreibt ein regelmäßiger Besucher den Marktplatz von Neumarkt an der Rott. Unter der Überschrift „Unglaublich, doch wahr!“ schreibt er: „Ein Reisender, der schon lange Jahre Neumarkt an der Rott besucht und denkt nach, wie dieser Markt in früheren Jahren war, der muss glauben, dieser Ort ist neu erstanden; da die Bogenvorhäuser abgebrochen wurden, ist der ganze Markt verschönert, die Häuser stehen jetzt geschmackvoll in einer Reihe, und besonders schön ist, dass der ganze Platz erweitert ist.

Alles Alte ist verschwunden und neu ersetzt, es tut jedem Auge wohl diesen Ort zu besuchen, nur Eines wäre zu wünschen, wenn die angebauten Häuser an der St. Johanneskirche abgebrochen werden könnten, um diese Marktkirche erhaben dastehen zu sehen, dies würde eine Zierde sein, und auch diese Gasse um die Kirche wird auch eben so schön sich ausnehmen und nicht mehr eine Gasse sein, sondern mit dem Hauptplatze verbunden einen Platz mit demselben bilden.

Aber wie staune ich, wenn ich jetzt sehen muss, dass mitten im Markte am Ecke in die Kirchgasse, wo sich noch der einzige Vorbau oder Anhängsel an einem Hause befindet, und ich glaubte auch selbe werden verschwinden, weil abgebrochen wird, jetzt aber hören muss, dass statt verschwinden noch ein Teil vom Marktplatze hergegeben wird, um noch ein größeres Anhängsel hinzubauen, statt diesen Platz zu erweitern, jetzt bereits um 10 Schuh verengert wird, um einen Winkel herzustellen; da denke ich, wie kann dieses geschehen, hat da ein Anderer etwas zu reden, oder wird auch das für eine Verschönerung angenommen? Die Antwort muss ich Jedem selbst überlassen. Ein Reisender.“

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