Alpenvereine leiden wegen Corona: Auch die Neumarkter Kletterhalle bleibt noch zu

Wann öffnet die Neumarkter Kletterhalle wieder? Einen konkreten Termin kann Vorsitzender Siegi Wegner nicht nennen. „Zu viele Auflagen!“
  • Karlheinz Jaensch
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Keine Gipfelstürmer, keine Vereinsabende, keine Skikurse: Vorstandschaft der Sektion Rottal in Neumarkt-St. Veit muss ihr Programm drastisch kürzen, hofft aber noch auf den Herbst

Neumarkt-St. Veit – Einer der mitgliederstärksten Vereine in Neumarkt-St. Veit ist die Alpenvereinssektion Rottal, die bisher auch ausgesprochen aktiv war. Das ist auch der Grund, weshalb sich ihr die Bergfreunde aus dem nördlichen Landkreis Mühldorf und dem Raum Vilsbiburg gerne anschließen. Doch auch dieser Verein litt unter den Corona-Einschränkungen. Viele Veranstaltungen wurden abgeblasen. Die Lockerungen, die jetzt in Kraft treten, lassen zumindest einen Teil der Unternehmungen in den Bergen zu – allerdings in privater Natur.

Geselligkeit bleibt auf der Strecke

Der Verein in Neumarkt-St. Veit vertritt vor allem die klassischen Disziplinen des Bergsteigens, das heißt Bergwandern, Klettern und alle Formen des Skisports. Die Sektion versteht sich in erster Linie als Gesinnungsverein von Bergfreunden, der den gesellschaftlichen Kontakt pflegt,, erklärt deren Vorsitzender Siegi Wegner. Gemeinsame Unternehmungen sportlicher als auch kultureller Natur wurden in den über 50 Jahren des Vereinsbestehens durchführ. Menschen aller Altersgruppen fühlen sich angesprochen, deren Leidenschaft die Bergwelt und die damit verbundenen Aktivitäten sind.

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Und diese Aktivitäten, die die Neumarkter Sektion anbietet, sind sehr groß. Neben den Vereinsabenden an Freitagen im vereinseigenen Heim am Vitusberg stehen, wie eigentlich jedes Jahr, 50 Aktionsangebote im „Tourenprogramm“, dem Vereinsheft. Darunter sind Bergwanderungen, mehrtägige Hochgebirgstouren, Schneeschuhwanderungen und Skitouren, Kurse zum Bergsteigen und Klettern, Lawinenausbildung und sehr viel Geselligkeit.

Viele Veranstaltungen fallen Corona zum Opfer: DAV-Vorsitzender der Sektion Rottal, Siegi Wegner.Jaensch

Dieses Jahr wurden in den ersten Monaten Skikurse und Skiwanderungen erfolgreich durchgeführt, und dann stockte es plötzlich durch die Coronakrise. Sämtliche Programmpunkte waren auf Eis gelegt, wurden ersatzlos gestrichen. „Nach Rücksprache in der Vorstandschaft, mit den Tourenleitern und Ausbildern werden wir wohl alle Kurse und Ausbildungen bis nach den Sommerferien ersatzlos streichen“, teilt nun der Vorsitzende der DAV-Sektion Rottal, Siegi Wegner, mit.

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Das mag zunächst etwas verwundern, zumal aktuell immer mehr Erleichterungen in Kraft treten und gerade die heimische Bergwelt als Alternative zum Urlaub in Europas Süden verstärkt in den Fokus gerückt worden ist. Doch Wegner sieht diese vermeintliche Freiheit nach der Krise nicht: „Die Kommunikation ist selbst in der Vorstandschaft nicht leicht und geschieht meist telefonisch. Dabei heben wir festgestellt, dass bei Touren die Verantwortung immer noch beim Verein bleibt.“ Klar würden die Mitglieder, sobald es die Vorschriften erlauben, wieder in die Berge gehen. „Privat. Der Verein kann das Organisieren von Fahrten und Hüttenbelegungen jetzt nicht verantworten“, erklärt Wegner.

Hochgebirgstouren nur mit Vereinshilfe

Speziell die Hochgebirgstouren, wenn sie denn wieder möglich sein sollten, benötigen sicher die Hilfe des Vereins. „An solche Touren ist momentan nicht zu denken, denn uns fehlt die Kondition und das Training. Außerdem werden im Hochgebirge bei diesen Auflagen wohl keine Hütten offen haben.“ Apropos Training: Hier spielt die vereinseigene Kletterhalle eine große Rolle. Die aber ist nach wie vor geschlossen, wie Wegner bestätigt: „Manche Hallen öffnen jetzt schon wieder ganz vorsichtig. Aber die vorgesehenen Auflagen bezüglich Hygiene, Aufsicht und Belüftung und mehr können wir derzeit nicht erfüllen. Die Halle wollen wir frühestens im Herbst wieder öffnen. Außer es fallen die Auflagen weg. Das erwarten wir aber nicht so schnell.“

Programm frühestens ab Herbst

Dass das gesellschaftliche Leben in Zeiten von Corona leidet, verhehlt Wegner nicht. „Die sozialen Kontakte untereinander – wenn auch mit Sicherheitsabstand – sind eine wichtige Säule im Vereinsleben. Aber selbst dazu werden wir noch etliche Telefonate führen und die sich ändernden Vorschriften genau beobachten. Wir alle hoffen, dass wir im Herbst unser Programm wieder einigermaßen durchführen können. Bis dahin sind uns die Hände gebunden.“

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