Almwirtschaft mit Charolais-Rindern

Die Hobmaier&#39schen Erzeugnisse werden auf Bauernmärkten in der Region vertrieben.
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Die Hobmaier'schen Erzeugnisse werden auf Bauernmärkten in der Region vertrieben.

Rouladen oder Lasagne, brat- und backfertig für die gestresste Hausfrau - das verkauft Gusti Hobmaier auf dem Bauernmarkt in Mühldorf. Als Direktvermarkter sind die Hobmaiers von der ersten Stunde des Bauernmarktes an mit dabei. Fleisch- und Wurstwaren sind es, die reißenden Absatz finden, teilweise schon kochfertig hergerichtet.

Niedertaufkirchen - Die Hobmaiers betreiben schon lange keine intensive Landwirtschaft mehr. Vorbei die Zeiten, als die Landwirte aus Reit bei Niedertaufkirchen 350 Mastsauen im Stall stehen hatten. Das Geflügel ist ganz verschwunden. Einzig zehn bis zwölf Mutterkühe mit ihrer Nachzucht sind es, sogenannte Charolais-Rinder, die in der Nähe des Hofes grasen und nicht etwa ihr Dasein in einem Stall fristen. "Das ist gleichzeitig Landschaftspflege", schmunzelt Sepp Hobmaier mit Blick auf seine Rinder, "fast wie auf einer Alm in unserer Buckellandschaft". Auf der Wiese finden die Rinder von April bis November auch alles, was sie zum Fressen benötigen. Entlastung für den Landwirt, der dadurch die meiste Zeit im Jahr nicht extra zufüttern muss. "Sie nehmen natürlich auf diese Weise nicht so schnell zu, dafür ist das Muskelfleisch umso ausgeprägter. Sojaschrot gibt es bei uns nicht", betont der 54-Jährige, der die Landwirtschaft zusammen mit seiner Gusti betreibt.

Mittlerweile im Nebenerwerb, weil die Hobmaiers die Massen bei der Tierhaltung zurückgefahren haben - Qualität statt Quantität lautet das Credo. 20 bis 50 Sauen mästen die Niedertaufkirchener pro Jahr, erzählt Hobmaier, der die Fleischerzeugnisse in der hauseigenen Metzgerei weiterverarbeitet. Die Bewirtschaftung seiner Felder beschränkt sich auf Getreide. Mais für Biogasanlagen? Dazu hat Hobmaier eine ganz eigene Meinung - er mag die Vermaisung der Landschaft nicht.

Die Direktvermarktung ihrer Produkte betreiben die Hobmaiers seit ihrer Heirat 1990, "da waren wir das erste Mal mit unserem Geräuchterten beim Christkindlmarkt in Neumarkt-St. Veit vertreten", erinnert sich Gusti Hobmaier. Sie waren dabei als 1994 der Bauernmarkt in Mühldorf gegründet wurde, bieten ihre Produkte auch in Altötting zum Verkauf an. Geschlachtet haben die Hobmaiers immer schon selbst, dafür eigens einen Metzger eingestellt. Die Nachfrage bewog die Niedertaufkirchener dann 2008 dazu, in Neumarkt-St. Veit eine Metzgerei einzurichten. Hobmaier, der damals auch noch bei der Bahn mit 16,5 Stunden beschäftigt war, kam an seine Kapazitätsgrenzen, "aus gesundheitlichen Gründen haben wir das mit der Metzgerei am Stadtplatz dann gelassen", sagt er heute. Auch der Hofladen, den sie seit 2000 an ihrem Hof betrieben hatten, haben sie wieder zugesperrt, "zu abgelegen, da kommt keiner raus." Umso besser läuft es aber mit dem Partyservice und auf den Wochenmärkten, wo Gusti Hobmaier das besondere marmorierte Fleisch ihrer Rinder anbietet. Dabei zeigt sie sich auch noch erfinderisch. In der Hektik des Alltags greift sie gestressten Hausfrauen insofern unter die Arme, dass sie koch- und bratfertige Gerichte anbietet. Gusti Hobmaier zeigt auf Rindsrouladen, Cordon Bleu, Lasagne, Lendchen mit Feta gefüllt, Leberknödel und Speckpressknödel, "alles fertig für Backrohr oder Pfanne". Der reißende Absatz gibt ihr Recht.

Dass sich das Ernährungsverhalten der Verbraucher geändert hat, kann die Bäuerin aus Leidenschaft bestätigen: "Schweinefleisch geht weniger als früher, aber Rindfleisch kann man gar nicht soviel herbringen, wie man benötigt." Die Kunden würden es schätzen zu wissen, woher die Ware kommt. Dafür nehmen die Hobmaiers auch Zeiten in Kauf, in denen es etwas stressiger zugeht. Wobei der Familienbetrieb dann auch auf ihre drei Kinder zählen kann. "Positiver Stress, da geht was", meint Sepp Hobmaier, der seinem ältesten Sohn Thomas die Leidenschaft für die Landwirtschaft in die Wiege gelegt hat. Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen für Agrarmanagement - keine schlechte Aussichten also für die Zukunft des Familienbetriebs. je

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