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TAG DER BLOCKFLÖTE

In aller Munde

Eine Sopranblockflöte im Querschnitt: Der Block – hier etwas dunkler – wird wegen dessen hervorragenden Eigenschaften gegenüber Feuchtigkeit fast immer aus Zedernholz hergestellt.
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Eine Sopranblockflöte im Querschnitt: Der Block – hier etwas dunkler – wird wegen dessen hervorragenden Eigenschaften gegenüber Feuchtigkeit fast immer aus Zedernholz hergestellt.

Hirten in der Antike spielten sie ebenso wie die Beatles, die Rolling Stones oder Led Zeppelin: die Blockflöte. Heute wird das Instrument gern genutzt, um Kinder an das Musizieren heranzuführen. Der Neumarkt-St. Veiter Musikschulleiter Johannes Schmidt hat das Fach Blockflöte studiert und erzählt zum heutigen „Tag der Blockflöte“ über ein Instrument, das weit mehr kann, als es ihr Ruf vermuten ließe.

Neumarkt-St. Veit– Folterinstrument oder Einstiegsdroge? Was für die einen in der Schule möglicherweise als Schikane verstanden wird, lässt den anderen vielleicht die Liebe zur Musik entdecken. Letzteres war bei Johannes Schmidt der Fall, dessen musikalische Laufbahn damit begann, dass er als Dreikäsehoch eine Blockflöte bekommen hat. Studiert hat der Musikpädagoge später zwar die Posaune – und doch hat ihn die Blockflöte nicht los gelassen. Am Mozarteum in Salzburg hat er von 1992 bis 1994 sogar die Blockflöte studiert: „In Deutschland war dies damals noch nicht möglich, in Österreich schon“, erklärt Johannes Schmidt seine Entscheidung für diesen doch – zumindest damals noch – ungewöhnlichen Studiengang. „Mit der Posaune stößt du irgendwann an die Grenzen, die Blockflöte hingegen ist vielseitig einsetzbar.“

Schmidt blickt dabei einige Jahrhunderte zurück, bis in den Frühbarock, als die Blockflöte tatsächlich zu den wichtigsten Holzblasinstrumenten zählte. Schmidt, der selbst über eine Sammlung von über 20 verschiedenen Flöten, von der Sopranino bis zur Bass-Blockflöte, verfügt, erwähnt Werke des blinden Flötisten Jacob van Eyck aus Utrecht, der im 17. Jahrhundert eine umfangreiche Sammlung damals beliebter Tänze, Lieder und Choräle zusammengestellt hat.

Virtuose Werke von Vivaldi

Variationen, so genannte „Modi“, die in aufsteigender Reihenfolge immer virtuoser und verspielter werden, beinhalten dessen Werke, die auch Schmidt durchgearbeitet hat. „Variationen auf Gassenhauser“, beschreibt sie Schmidt. Jacob van Eyck verwendete laut den Überlieferungen vermutlich eine fast zylindrisch gebohrte, einteilige Blockflöte, die noch dem Typus der Blockflöte in der Renaissance entsprach. „Diese Blockflötentypen waren zylindrisch gebohrt und bestanden nur aus einem Stück. Sie klangen dadurch mild, weich und obertonarm“, beschreibt der Experte den Ton dieser „Flauto dolce“.

In der Barockzeit veränderte sich die Bauweise einer Flöte, die Bohrung wurde verengt und umgekehrt konisch ausgebildet, das heißt die Bohrung verjüngt sich zum Fuß hin. „Der Klang wurde dadurch obertöniger und schärfer“, erklärt Schmidt die wegweisende Änderung.

Die Bedeutung des Instrumentes hatten damals schon die namhaftesten Komponisten erkannt: Antonio Vivaldi etwa schrieb unter anderem mindestens drei Konzerte für den „flautino“, die Sopraninoblockflöte. Er komponierte außerdem mehrere hochvirtuose Konzerte für Altblockflöte und Streicher. Bei Johann Sebastian Bach kommen Altblockflöten in den Brandenburgischen Konzerten Nr. 2 und Nr. 4 als Soloinstrumente vor, außerdem in Kantaten und Passionsmusiken. Und auch Georg Friedrich Händel nennt Schmidt als Komponisten von Sonaten für Blockflöte und basso continuo wie „The Fitzwilliam Sonatas“. Über Georg Philipp Telemann schwärmt Schmidt als „angesehensten Komponisten, der herausragende Werke für Blockflöte“ geschrieben habe.

Nach dem Barock sei die Blockflöte nach und nach verschwunden, bedauert der studierte Musikpädagoge. „Die Orchester wurden größer und lauter, die Flöte konnte nicht mehr durchdringen“, erklärt Schmidt den Grund dafür, warum sich immer die „Traversflöte“, der Vorreiter der Querflöte, mit ihrem deutlich größeren Klangvolumen durchgesetzt habe.

Degradierung zum „Klangschnuller“

Es dauerte bis zur Neuzeit, Schmidt spricht vom Beginn des 20. Jahrhunderts, bis die Blockflöte wieder entdeckt wurde: als Kinderinstrument. Zwar würdigt Schmidt hier das Talent von Carl Orff, die Flöte als Ergänzung seiner Orff-Instrumente einzubauen.

Doch spricht Schmidt auch davon, dass durch die Einführung der vereinfachten „deutschen Griffweise“ die Blockflöte auch an Bedeutung eingebüßt habe. „Mit Lehrern, die selbst nur ein bisschen darauf spielen konnten, wurde die Flöte zum Klangschnuller degradiert“, bedauert Schmidt die Entwicklung im 20. Jahrhundert. Ein falscher Ansatz, aber auch die falsche Spielweise und Intensität des Spiels auf der Blockflöte hätte ihren Teil dazu beigetragen, dass die Flöte zum Einstiegsinstrument verkommen sei. Doch auch dies berge Vorteile, verhehlt Schmidt nicht: „Die Flöte ist billig, einfach zu spielen, man lernt zu hören und stellt feinmotorische Anforderungen.“ Und doch kann sich der studierte Musiker mit der deutschen Spielweise nicht anfreunden. „Die barocke Spielweise, wie sie mittlerweile von guten Flötenlehrern vermittelt wird, setzt dem Umfang der spielbaren Tonarten keine Grenzen.“

Nicht ohne Stolz verkündet Schmidt, dass er mit seiner Liebe zum Spiel mit der Blockflöte nicht alleine da steht. Er erzählt von Musikschülern, die seiner Einstellung gefolgt seien, ebenso das Studium der Blockflöte aufgegriffen hätten und mittlerweile sehr erfolgreich da rin seien. 50 Prozent seiner Musikschüler seien der Blockflöte treu geblieben, „teilweise bis zum Abschluss des Abiturs!“

Ja, Schmidt spricht sogar von einer „Neu-Renaissance“, das das Holzblasinstrument Ende des 20. Jahrhunderts erfahren habe. Auch, weil sich neue Spieltechniken entwickelt hätten. Flatterzunge, Glizzano, ins Instrument singend oder die Hand über das Lavium haltend – die Bandbreite der neuen Spielweisen sind vielfältig, die der 51-jährige Musiker sogleich präsentiert.

Blockflöte im Jazz? Warum nicht?

Schon vor zig Jahren hat der Neumarkt-St. Veiter erkannt, dass sich das Holzblasinstrument auch für Jazz-Musik eignet. „Sweet Georgia Brown“ hat es sogar auf die CD der „Jazzlions“, der Band von Johannes Schmidt geschafft. Ein überzeugendes Argument dafür, dass die Blockflöte noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

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