Die älteste Glocke befindet sich nicht mehr in Seifriedswörth

Pfarrarchivar Anton Harsch (rechts) mit der Kirchenverwaltung von Grub bei Helfendorf. Tiefenbeck
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Pfarrarchivar Anton Harsch (rechts) mit der Kirchenverwaltung von Grub bei Helfendorf. Tiefenbeck

Die Geschichte der Seifriedswörther Kirchenglocke geht auf das Jahr 1469 zurück. Jetzt läutet sie in Bergen.

Seifriedswörth – Die Aufzeichnungen von Kirchen sind oftmals lückenlos vorhanden und reichen mehrere Jahrhunderte zurück. Bei anderen fehlen entsprechende Unterlagen, sind aus mancherlei Gründen verschwunden oder es wurde nicht alles festgehalten. Nachträgliche Forschungen sind oft schwierig oder ergebnislos. Wichtige Ausstattungsteile einer Kirche sind die Glocken, die auch öfters ausgewechselt wurden.

Bei den Kirchenglocken der Pfarrkirche Seifriedswörth, eine frühere Filialkirche der Pfarrei Oberbergkirchen, fehlten Unterlagen vom 15. und 16. Jahrhundert. Forschungen blieben ergebnislos, letztere unternahmen vor einigen Jahren Pfarrgemeinderatsvorsitzender Mathias Kirmeier und Kaplan Michael Manhardt, der in der Zwischenzeit sogar den Beinamen „Glockenpfarrer“ erhalten hatte.

Privatperson findet Unterlagen über älteste Glocke

Nun aber kamen Unterlagen hervor, die eine Privatperson zur Verfügung gestellt hat und unter den sich auch ein Verzeichnis der Glocken vom Bezirksamt Vilsbiburg aus dem Jahre 1918 befindet. Darin sind folgende Glocken aufgeführt. Glocke eins: Jahr der Herstellung 1521, Gewicht 250 Kilogramm. Glocke zwei wurde 1521 gegossen mit 200 Kilogramm. Glocke Nummer drei mit dem Herstellungsjahr 1469 und 125 Kilogramm sowie eine aus 1821 mit 100 Kilogramm. Letztere musste 1917 für den Krieg abgeliefert werden.

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Pfarrarchivar Anton Harsch freute sich über diese Unterlagen und konnte somit die geschichtliche Wissenslücke schließen. Er berichtet, dass 1928 die älteste Glocke (aus dem Jahr 1469) an die Pfarrei Bergen (Diözese Eichstätt) verkauft wurde, für die Kapelle St. Sebastian, die keine Glocke hatte. Diese alte Kapelle wurde 1972, vor dem Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes kurzfristig abgebrochen. Die Glocke kam zur Pfarr- und Wallfahrtskirche Heilig Kreuz nach Bergen, das auch im Deutschen Glockenatlas Bayerisch Schwaben verzeichnet ist.

Anton Harsch konnte sich vor Ort überzeugen und der dortige Kreisheimatpfleger Dr. Manfred Veit war wiederum überrascht über die Nachricht einer historischen Unterlage, da gerade dort ein Heimatbuch erstellt wird und dies eine wichtige Eintragung bedeutet. Er versicherte: Die Glocke wird auch bei bestimmten Anlässen noch geläutet.

Glocke von 1521 zerschellt am Boden

Die Glocke aus dem Jahr 1521 mit dem Gewicht von 200 Kilogramm wurde 1928 an die Filiale Grub (Landkreis Miesbach), zugehörig zur Pfarrei Helfendorf bei Aying (Landkreis München) verkauft. Dort hat diese Glocke auch den Zweiten Weltkrieg überstanden. Anton Harsch konnte sich in Grub persönlich überzeugen, dass die Glocke vorhanden ist und auch noch geläutet wird. Bei der Besichtigung waren unter anderem Kirchenpfleger Huber mit Frau anwesend. Auch diese Kirchenverwaltung war dankbar für die Überlieferungen.

Hier liegt auch ein Brief vor, den der damalige Pfarrer Petrus (nur Vorname bekannt) an Pfarrer Kaspar Sollnberger nach Seifriedswörth schrieb. „Lieber Freund und Landsmann, Du lädst einfach das ganze Objekt auf Dein Vehikel und gondelst damit und schön vorsichtig und weise hierher und auf diese Weise kannst Du Dich überzeugen, dass die Glocke einen guten Platz bekommt und geehrt wird“.

Die Glocke von 1521 mit 250 Kilogramm wurde 1924 vom Turm geholt. Doch riss dabei das Seil und es blieben nur Trümmer übrig. Im Jahre 1924 wurden vier neue Glocken von der Landshuter Glockengießerei aufgezogen, die im zweiten Weltkrieg wieder abgeliefert werden mussten. Nach dieser Zeit wurden fünf neue Glocken angeschafft, die heute termingerecht läuten.

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