Ein Nachfolger fehlt noch

Abschied in St. Veit mit sechs Minuten Dauer: Stehende Ovationen für Chorregent Manfred Hößl

Der Advent kommt, Manfred Hößl geht: Am 1. Adventssonntag spielte Manfred Hößl seinen letzten Gottesdienst in SanktVeit. Der 65-Jährige wird sich einen neuen Lebensmittelpunkt suchen und nach Tüßling ziehen. Einen Nachfolger gibt es aktuell nicht. Wegen des coronabedingten reduzierten Gottesdienstprogrammes können aber Organisten aus dem Pfarrverband aushelfen.
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Der Advent kommt, Manfred Hößl geht: Am 1. Adventssonntag spielte Manfred Hößl seinen letzten Gottesdienst in SanktVeit. Der 65-Jährige wird sich einen neuen Lebensmittelpunkt suchen und nach Tüßling ziehen. Einen Nachfolger gibt es aktuell nicht. Wegen des coronabedingten reduzierten Gottesdienstprogrammes können aber Organisten aus dem Pfarrverband aushelfen.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Pfarrer Franz Eisenmann verabschiedet 65-Jährigen in den Ruhestand. Wie geht es weiter? Denn bislang gibt es keine Bewerbungen eines möglichen Nachfolgers.

Neumarkt-St. Veit – Einsam sitzt Manfred Hößl an seiner Orgel, eingehüllt in seinen dicken Parka an diesem kalten Sonntagvormittag. Nur seine Frau Angelika leistet ihm auf der Empore der St. Veiter Kirche Gesellschaft, ist seine rechte Hand, wenn es darum geht, die Seiten des umfangreichen Notenwerks umzublättern. Seine Tochter und die beiden Enkelkinder horchen zu. Es ist kurz vor halb Zwölf, als sein finales Stück beginnt, die „Toccata“ von Charles-Marie Widor soll es sein zum Abschied. Sechs Minuten lang erklingen die Orgelpfeifen von St. Veit, wandern seine Finger gekonnt über den Spieltisch der Orgel, bevor er den letzten Akkord anschlägt. Sekundenlang hält er ihn, bevor urplötzlich die Orgel verstummt.

Fingerfertigkeit vorausgesetzt

Stille, für kurze Zeit. Dann brandet Applaus auf von den Kirchgängern, die dem Spiel zum Ende des Gottesdienstes gelauscht haben und nun mit stehenden Ovationen ihre Wertschätzung gegenüber dem Kirchenmusiker ausdrücken, der 33 Jahre lang die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in Neumarkt-St. Veit geprägt hat. Etwas schüchtern tritt Hößl bis zur Brüstung, genießt den Augenblick, lächelt dabei. „Das war‘s. Aber das Stück geht ganz schön in die Finger“, verrät er noch und freut sich auf das gemeinsame Mittagessen mit seiner Tochter und den Enkelkindern.

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Sprint zum Altar, wo ein Geschenkorb wartet

Vor dem großen Finale an diesem ersten Adventssonntag zu St. Veit, war es etwas hektisch geworden. Manfred Hößl hatte gerade sein Orgelspiel zum Dankgebet gespielt, als er nach sprintete, in den Altarraum, wo ihn Pfarrer Franz Eisenmann für seine über drei Jahrzehnte währende Tätigkeit geehrt hatte.

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Der 1. Advent und gleichzeitig der letzte Advent

„Dieser erste Advent ist hier in Neumarkt-St. Veit der letzte für Manfred Hößl“, begann Eisenmann nach der Eucharistiefeier. Der Neumarkter Pfarrherr bedauerte es, dass die Corona-Pandemie keine gebührende Verabschiedung in größerem Rahmen erlaube, vielleicht sogar ein angemessenes Abschiedskonzert und eine ebenso adäquate Abschiedsfeier für den langjährigen Chorregenten. „Aber ich hoffe, dass es irgendwann wieder mal so wird, dass auch das wieder möglich sein wird“, so Eisenmann, der anschließend zusammen mit Werner Kitschke einen Geschenkkorb an Hößl überreichte, verbunden mit einem herzlichen „Vergelt‘s Gott“.

Das geht ganz schön in die Finger.

Manfred Hößl nach der Toccata von Charles-Marie Widor

Aushilfen aus dem Pfarrverband

Worte des Dankes will Eisenmann auch in der nächsten Woche aussprechen, wenn verdiente Chormitglieder im Rahmen eines Gottesdienstes geehrt werden sollen. Auch das wird mit musikalischer Begleitung geschehen, berichtet Eisenmann auf Nachfrage: „Wir wollen die Stelle neu besetzen, aber bisher hat sich kein entsprechender Interessent gefunden“, sagt er zur nun frei gewordenen Stelle des Chorregenten. Doch man kann sich behelfen: „Vorübergehend können zum Glück unsere anderen Organisten aus dem Pfarrverband diese Lücke schließen, da derzeit aus Corona-Gründen unser Gottesdienstprogramm anders ist als gewohnt und sich die Messen nicht so oft überschneiden, so dass sie einspringen können.“

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