78 Meter Kunst in einem Bild vereint: Corona-Schlange schafft es ins Neumarkter Rathaus

Wahre Kunstwerke waren entlang der Schlange zu finden, wie dieser Panda. Leider fehlen mittlerweile viele dieser Steine.
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Wahre Kunstwerke waren entlang der Schlange zu finden, wie dieser Panda. Leider fehlen mittlerweile viele dieser Steine.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Der Fotograf Rudolf Ziegler lässt sich von der Kreativität der Rottstädter inspirieren. Die Collage steht als Sinnbild für den Zusammenhalt während der Pandemie.

Neumarkt-St. Veit – Geschätzte 1000 Steine sind es. Als bunte Farbtupfer verteilen sie sich über das ganze Bild, das seit Kurzem im Erdgeschoß des Neumarkt-St. Veiter Rathauses hängt. Es handelt sich um die „Rottschlange“, die Neumarkter Bürger, Jung und Alt in Zeiten von Corona gestaltet haben. Als wollten sie damit sagen: Wir lassen uns nicht unterkriegen! Der Neumarkter Fotograf Rudolf Ziegler hat jeden einzelnen Meter abgelichtet und zu einer hochauflösenden Collage zusammengefügt.

Vom neuartigen Virus nicht entmutigen lassen

Über ein halbes Jahr ist es her, dass das Corona-Virus alles lahmgelegt hat. Spielplätze wurden gesperrt. Die Schüler mussten vor dem Computer büffeln. Und auch die Kindergartenkinder durften ihre Freunde nicht mehr treffen. Lockdown hieß es stattdessen. Es war die Zeit, in der sich viele Kinder, aber auch Erwachsene, nicht von einem neuartigen Virus entmutigen ließen, sondern kreativ geworden sind. Viele Neumarkt-St. Veiter haben den Pinsel in die Hand genommen und Steine bemalt.

„Jeder darf während der Corona-Zeit mitmachen und auch gerne mehrmals!

Die Initialzündung für die „Rottschlange“ gaben Marina Raab und deren Sohn Luca, die das „Corona-Spiel“ bei einem Spaziergang entlang der Rott begonnen haben. Tage zuvor hatten sie Steine gesammelt und bemalten diese Steine mit schönen Motiven. Marina legte die Steine auf dem Boden und einen großen Zettel dazu wie das Corona-Steine-Spiel funktioniert, verbunden mit dem Wunsch, dass alle gesund bleiben sollen. „Jeder darf während der Corona-Zeit mitmachen und auch gerne mehrmals!“, lautete die Aufforderung.

Schlange wurde mehrmals zerstört

Und die Resonanz war gewaltig. Die Schlange wuchs und wuchs – bis auf knapp 80 Meter. Es dürften wohl an die 1000 Stein sein, die am Rottufer abgelegt wurden, jeder einzelne Stein ein kleines Kunstwerk. Ein Stein mit einem kunstvollen Graffiti versehen, ein liebevoll gezeichneter Pandabär. Steine mit guten Wünschen, dann wieder ganz bunte Steine, denn auch die Kleinsten wollten diese Rottschlange wachsen lassen.

Zwischendrin wurden die angereihten Steine immer wieder zerstört. Doch stets fand sich jemand, der die Reihe wieder in eine Linie brachte.

Fotograf Rudolf Ziegler war vom Gemeinschaftssinn fasziniert

Der Gemeinschaftssinn faszinierte auch den Neumarkt-St. Veiter Fotografen Rudolf Ziegler, der irgendwann seine Kamera in die Hand genommen hat, um diese individuellen Kunstwerke für die Nachwelt aufzuheben. „Weil sich die Kinder so viel Mühe gemacht haben“, erzählt Ziegler über seine Motivation. Jeden einzelnen Meter hat er hochauflösend abfotografiert.

Corona-Schlangen gibt es nicht nur in Neumarkt:

Regenbogen, Europaflagge und zwei Herzchen

Knapp 1000 Steine komprimiert auf einem 80 Zentimeter mal 1,20 Meter großen Bild. Bürgermeister Erwin Baumgartner(links) und Fotograf Rudolf Ziegler haben es im Rathaus aufgehängt.Enzinger

Knapp 80 Aufnahmen zu einer Collage vereint

Es dürften etwa 80 Aufnahmen gewesen sein, die er schließlich zu einem großen Ganzen zusammengefügt hat. „Schön aufwendig“, berichtet Ziegler. Denn die Lichtverhältnisse waren je nach Tageszeit und Witterung immer unterschiedlich. „Dies galt es später am PC entsprechend anzupassen.“ Herausgekommen ist eine 170 Megabit schwere Datei, die er nun für die Allgemeinheit gegen eine Spende zur Verfügung stellen will. „Das Bild ist groß genug, dass jeder seinen Stein herauszoomen kann“, verspricht Ziegler, der die Einnahmen der Balu-Kinderkrebshilfe zugute kommen lassen will.

Bild als Zeugnis eines ungewöhnlichen Jahres

Von den einst knapp 80 Metern entlang des Rottweges ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Wer die „Rottschlange“ begutachten will, hat im Rathaus Gelegenheit dazu. Die Stadt hat nämlich gleich reagiert, als sie von der Idee Zieglers erfahren hatte, und ein Bild erworben, das nun unmittelbar am Zugang zum Rathaus hängt. „Ich hab davon gehört und fand die Idee ganz toll. Das Bild soll Zeugnis eines ungewöhnlichen Jahres geben und die Gemeinschaft dokumentieren. Das Bild soll für die Solidarität stehen, die wir besonders zu Beginn des Lockdowns wegen Corona überall verspürt haben“, erklärt Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner.

„Rottschlange“ verblasst allmählich

Mittlerweile weiß man: Es ist gut, dass Ziegler die „Rottschlange“ festgehalten hat. Denn nicht nur, dass die Witterung die Farben allmählich verblassen lässt. Schon längst hat die Steinkette nicht mehr ihre ursprüngliche Form. Viele Steine sind bereits verschwunden, die echte Rottschlange hat leider an Kraft verloren – während die Welt einer zweite Corona-Welle entgegenzusteuern scheint.

Wer das Bild der Rottschlange digital oder als Abdruck erwerben und damit Gutes für die Kinderkrebshilfe tun will, kann sich bei Rudolf Ziegler melden unter frechepixel@freenet.de.

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