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STADTPLATZSANIERUNG

Alter Baum, günstig abzugeben: 50-jährige Linde vom Neumarkter Stadtplatz für nur einen Euro

Das Baustellenschild auf dem Neumarkter Stadtplatz könnte als Sinnbild dafür stehen, dass bei der Verpflanzung der Linde (rechts) Bewegung ins Spiel gekommen ist. Die Stadt ist bereit, den Baum für ein Butterbrot an Privatleute zu verkaufen. Die Kosten für die Umpflanzung seien aber ebenso privat zu tragen.
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Das Baustellenschild auf dem Neumarkter Stadtplatz könnte als Sinnbild dafür stehen, dass bei der Verpflanzung der Linde (rechts) Bewegung ins Spiel gekommen ist. Die Stadt ist bereit, den Baum für ein Butterbrot an Privatleute zu verkaufen. Die Kosten für die Umpflanzung seien aber ebenso privat zu tragen.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Die Linde vom Stadtplatz 21 – mehrmals wurde in den vergangenen Sitzungen über die Zukunft des Laubbaums diskutiert. Zuletzt hatte sich der Stadtrat dafür ausgesprochen, dass er gefällt werden, dafür eine Ersatzpflanzung an anderer Stelle erfolgen soll. Jetzt war der Baum erneut Thema in der Sitzung.

Neumarkt-St. Veit – Wie es in der Erläuterung des Sachverhaltes heißt, hat die Linde aufgrund der massiven Bodenverdichtung keine Zukunft. „Die Prognose ist nicht gut, sie hätte vielleicht noch eine Lebensdauer von 20 Jahren“, sagte Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) und bezog sich auf die Einschätzung der Fachbehörde am Landratsamt. Elektrokabel im Boden würden sich demnach ebenso nachteilig auf das Wurzelwerk auswirken.

Wurzeln benötigen 300 Kubikmeter

„Bei einer Verpflanzung würde am neuen Standort circa 300 Kubikmeter Wurzelvolumen benötigt“, erklärte Planer Uwe Reil vom Büro „SHL Architekten und Stadtplaner“. Er sprach sich gegen die Umsetzung des Baumes aus.

Die Kosten, die für eine Verpflanzung anfallen würden, wären nach Ansicht der Verwaltung besser in die Pflanzung mehrerer neuer Bäume angelegt. Dies diene auch einer besseren Ökobilanz, wie es dazu in der Beschlussvorlage hieß. Die Pflanzenauswahl bei den neuen Bäumen habe nach Angaben der Verwaltung einen geschichtlichen Hintergrund. So habe es einen Amberbaum schon früher in der Region gegeben, wie eine Fundstelle in Aubenham belegen soll.

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Baum ist zwar etwas bonsaimäßig, aber ansonsten okay

Ludwig Spirkl (SPD) sah keinen Grund, überhaupt etwas zu ändern. „Die Linde steht seit den 1980er Jahren an dieser Stelle. Okay, der Baum ist etwas bonsai-mäßig. Aber er lebt!“, sagte er und warb für Bestandsschutz. Dies sei aber nicht Thema, fiel ihm Baumgartner ins Wort. Die Fällung sei bereits beschlossen worden, „wir reden jetzt lediglich über eine mögliche Verpflanzung“.

Berichte zur Stadtplatzgestaltung in Neumarkt-St. Veit finden sie auch hier.

Baumgartner will keine Verpflanzung auf Kosten der Stadt

Er werde einer Umpflanzung auf Kosten der Stadt nicht zustimmen, betonte der Bürgermeister. Doch er hätte nichts dagegen, wenn sich Privatleute fänden, die sich darum kümmern, damit der Baum überleben kann. Er bezog sich dabei auf einen offenen Brief von Eva Guse, eine der Initiatoren des Bürgerentscheids „Rettet unseren schönen Stadtplatz“. Darin sei die Möglichkeit der Verpflanzung geäußert worden. Auch das Sammeln von Spenden zu diesem Zweck sei signalisiert worden.

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Hobmaiers Polemik kommt nicht gut an

„Warum, hängt man sich an dieser einen Linde auf?“, fragte daraufhin Wolfgang Hobmeier (CSU). Wenn Käferholz gefällt werden muss, würde sich niemand aufregen. „Naja, die Linde ist aber auch nicht krank oder befallen!“, konterte Spirkl, der später Hobmeier Polemik vorwarf, als dieser bei der Diskussion um die Linde ein „Gut Aiderbichl für Bäume“ ins Spiel brachte.

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Baumgartner schreitet nicht moderierend ein

Von Baumgartner forderte er, dass er bei solchen Äußerungen moderierend und maßregelnd tätig werden solle. „Das gehört nicht hierher!“ Baumgartner sah aber keinen Verstoß, auch keinen Grund einzuschreiten. Schließlich herrsche Meinungsfreiheit. Und: „Wir sind hier kein Debattierclub. Das können Sie dann am Stammtisch tun!“

Von Roennebeck verweist auf das Thema Sicherheit

Rosmarie von Roennebeck (CSU) konnte nicht verstehen, warum immer wieder auf den Erhalt der Bäume rumgeritten werde. Es gehe auch um das Thema Sicherheit. Sie verwies auf einen Vorfall in Augsburg, wo ein Baum umgestürzt sei und ein Kind tödlich verletzt habe.

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CSU-Stadträtin kritisiert Vorwürfe in Leserbriefen

Kritik übte von Roennebeck an Vorwürfen in Leserbriefen, wonach der Stadtrat mit seinen Entscheidungen die Bürger aus dem Stadtplatz hinausekeln würde. „Das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen die Leute hineinbringen. Und dafür brauchen wir keine Parkplätze, sondern Aufenthaltsflächen.“ Man müsse sich bewusst machen, dass es auf dem Stadtplatz auch in Zukunft keinen großen Supermarkt geben werde.

Privatperson kann Linde haben – ausgraben muss er sie aber selbst

Mit der Gegenstimme von Ludwig Spirkl beschloss der Stadtrat, dass die Linde nicht verpflanzt wird. Doch besteht für eine Privatperson die Möglichkeit, die Linde zu erwerben und damit zu retten. „Entweder für einen symbolischen Euro oder über eine Versteigerung“, schlug Baumgartner vor. Die Umpflanzung habe dann aber auf Eigenregie des Interessenten zu erfolgen. „10.000 Euro sind da aber gleich beieinander“, mutmaßte der Bürgermeister.

Es gibt offenbar schon einen Interessenten

Geld, das Eva Guse auftreiben möchte. Wie sie in ihrem offenen Brief erklärt hatte, habe sie bereits im März 2020 Rat von einer Firma für Großbaumverpflanzungen eingeholt. Wie sie per E-Mail mitteilt, habe sie auch schon einen Interessenten für den Baum. Es sei nur noch zu klären, wie und wie weit er befördert werden kann. Zusammen mit ihrem Mann versuche sie, die Rettung der Linde über Spenden zu finanzieren.

Im OVB-Dossier finden Sie alles zur Sanierung des Stadtplatzes in Neumarkt-St. Veit

Zum Erhalt der „50 Jahre alten gesunden Linde“ und „gegen das sinnlose Fällen von 50 Jahre alten Bienenweiden“ hatte Eva Guse Ende Juni eine Petition gestartet. Bis Donnerstagnachmittag hatten 339 Personen unterschrieben.

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