Kritik von Anwohnern

25 Prozent mehr Verkehr in Niedertaufkirchen als 2015 – oder ist die Erntesaison daran schuld?

Die Verkehrszählung in Niedertaufkirchen hat als Ergebnis eine Zunahme des Verkehrs festgestellt. Allerdings bringt das Landratsamt das erhöhte Aufkommen mit der Erntesaison in Verbindung. Gemeinderat Markus Schlagbauer entgegnet: „Es war aber auch Urlaubszeit.“ Er geht davon aus, dass deswegen weniger Privatpersonen unterwegs gewesen seien. Und das wiederum würde bedeuten, dass die Zahlen noch weitaus höher liegen könnten. Weitere Zählungen sollen hier Aufschluss geben.
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Die Verkehrszählung in Niedertaufkirchen hat als Ergebnis eine Zunahme des Verkehrs festgestellt. Allerdings bringt das Landratsamt das erhöhte Aufkommen mit der Erntesaison in Verbindung. Gemeinderat Markus Schlagbauer entgegnet: „Es war aber auch Urlaubszeit.“ Er geht davon aus, dass deswegen weniger Privatpersonen unterwegs gewesen seien. Und das wiederum würde bedeuten, dass die Zahlen noch weitaus höher liegen könnten. Weitere Zählungen sollen hier Aufschluss geben.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Die Verkehrszählung in Niedertaufkirchen ist abgeschlossen. Doch das Landratsamt Mühldorf spricht nur von einer Momentaufnahme und kündigt weitere Messungen an. Generell stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt die A94?

Niedertaufkirchen – Über einen Zeitraum von fast drei Wochen hat das Landratsamt Mühldorf eine Verkehrszählung in Niedertaufkirchen durchgeführt. Zeitlich fiel das mit der Kritik von Anwohnern zusammen, die das verstärkte Verkehrsaufkommen auf der Kreisstraße bemängelt hatten. Tatsächlich ist eine Zunahme des Verkehrs festzustellen, wie nun das Landratsamt nach Auswertung der Zahlen mitteilt.

Höhere Zahlen wegen der Erntesaison?

Vom 19. bis zum 31. August wurde die Verkehrszählung am nördlichen Ortseingang von Niedertaufkirchen durchgeführt. Sie ergab deutliche Veränderungen zu den Zahlen, die vor fünf Jahren vom Bayerischen Straßen und Informationssystem (Baysis) erhoben worden sind. Damals war noch von circa 1685 Fahrzeugen die Rede, die täglich die Kreisstraße befuhren. Ein Aufkommen, das als durchschnittlich bewertet wurde. Nur 92 Fahrzeuge wurden damals dem Lkw-Verkehr zugeordnet.

Durchschnittlich 2045 Fahrzeuge gezählt

Jetzt, fünf Jahre später, betrug das durchschnittliche Verkehrsaufkommen am Tag 2045 Fahrzeuge. Davon waren 1702 Fahrzeuge dem PKW-Verkehr zu zuordnen, 181 Fahrzeuge dem LKW-Verkehr (bis sieben Meter Länge) und 162 Fahrzeuge über sieben Meter, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt.

Die Verkehrsbehörde betont jedoch, dass die Erhebung von Baysis mit den Zahlen im August 2020 nicht direkt vergleichbar seien. „In den aktuellen Zahlen des Landratsamtes sind landwirtschaftlich genutzte Fahrzeuge wie Mähdrescher, große Traktoren mit und ohne Anhänger bei der Zahl der LKWs und bei den Fahrzeugen über sieben Meter enthalten. Aufgrund der Erntesaison fallen diese überdurchschnittlich ins Gewicht“, heißt es dazu auf Anfrage aus dem Landratsamt. Ebenso seien Kombi-Fahrzeuge enthalten, die dem Liefer- oder Handwerkerverkehr zuzurechnen sind und die ebenfalls nicht in den Baysis-Erhebungen berücksichtigt werden.

Keine belastbaren Erkenntnisse, ob A 94 zur Verkehrszunahme geführt hat

Zum Verkehrsaufkommen grundsätzlich sagt das Landratsamt, dass der Verkehr im gesamten Landkreis zugenommen habe. „Bei mehr als 115.000 Einwohnern im Landkreis sind rund 106.000 Fahrzeuge – Motorräder, PKWs, Zugmaschinen, Traktoren, LKW, Omnibusse – zugelassen.“

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Die Zulassungs- und Verkehrsbehörde verfügt allerdings über keine belastbaren Erkenntnisse, dass die Fertigstellung der A 94 zu einer Verkehrszunahme beziehungsweise zu einer Verschiebung der Verkehrsströme geführt hätte. „Auch der häufig vorgebrachte Einwand, dass durch eine Beschilderung an der Kreuzung Haunertsholzen in Richtung A 94 der Verkehr zugenommen habe, lässt sich nicht belegen.“ Schließlich sei mit dem Umbau zum Kreisverkehr keine Änderung der Verkehrsführung erfolgt.

Landratsamt will weitere Verkehrszählungen durchführen

Wie das Landratsamt im Rahmen seiner Bewertung mitteilt, handle es sich bei den aktuellen Zahlen um eine Momentaufnahme. „Daher werden im Laufe der nächsten sechs Monate weitere Verkehrszählungen durchgeführt, um aussagekräftiges Datenmaterial auch in Bezug auf die Lärmbelastung als fundierte Entscheidungsgrundlage zu erhalten.“ Um das weitere Vorgehen zu besprechen, will Landrat Max Heimerl alle Beteiligten an einen Tisch ein. So bald wie möglich soll es zu einem Treffen mit Bürgermeister, Vertretern der Gemeinde und des Landratsamtes kommen.

Grüne für mehr Sicherheit im Ort

Markus Schlagbauer, Niedertaufkirchener Gemeinderatsmitglied, hatte vor einigen Wochen das angestiegene Verkehrsaufkommen angeprangert und begrüßt die schnelle Reaktion des Landratsamtes und die Bereitschaft, Lösungsmöglichkeiten zu erörtern.

Zu den nun veröffentlichten Zahlen und der Feststellung, dass das Aufkommen aufgrund der Erntezeit überdurchschnittlich gewesen sei, entgegnet Schlagbauer, dass die Messung zur Urlaubszeit durchgeführt worden sei. „Es ist also davon auszugehen, dass weniger Privatpersonen unterwegs waren.“ Dass weitere Messungen erfolgen werden, begrüßt der Grünen-Gemeinderat.

Grüne wollen im Gemeinderat Konzept für mehr Verkehrssicherheit erarbeiten

Unabhängig von weiteren Messungen wollen die Grünen im Niedertaufkirchener Gemeinderat in puncto Sicherheit für Verbesserungen sorgen. Man habe einen Antrag gestellt, gemeinsam im Gremium ein Konzept zu erarbeiten, um die Verkehrssicherheit allgemein und für Fußgänger und Radfahrer im Speziellen zu erhöhen.

Tonnagebeschränkung in anderen Gemeinden

In anderen Gemeinden ist man bereits tätig geworden, um die Verkehrsströme zu senken. In Schönberg wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine Tonnagebegrenzung auf einer Gemeindeverbindungsstraße beschlossen, Lohkirchen und Egglkofen zogen nach. Die Frage, die sich dabei stellt: Sind solche Alleingänge zielführend? Wie kann hier das Landratsamt regulierend eingreifen?

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Das Landratsamt sagt: Der Schwerverkehr wird nur umgelagert

„Grundsätzlich liegt der Beschluss solcher Maßnahmen in der Eigenverantwortung der Gemeinde. Bei solchen Maßnahmen ist zu berücksichtigen, dass der Schwerverkehr dadurch auf andere Straßen verlagert wird oder ausweichen muss, mit den entsprechenden Nachteilen für andere Gemeinden“, relativiert das Landratsamt den tatsächlichen Nutzen solcher Maßnahmen.

Das Landratsamt sei im Vorfeld einer solchen Maßnahme dann anzuhören, sobald der Verkehr durch die Maßnahme auf eine Bundes-, Staats- oder Kreisstraße umgeleitet wird. „Dies ist bislang noch nicht erfolgt.“ In solchen Fällen ist in der Regel ein Verkehrskonzept zu erstellen, in dem insbesondere auch Abwägungen hinsichtlich Emissions- und Lärmschutz zu berücksichtigen sind, teilt die Pressestelle des Landratsamtes Mühldorf dazu mit.

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