170 Schützen bleiben daheim: Covid-19 zwingt auch die Stadtmeisterschaft in die Knie

Der Schützenverein Elf und Eins will viel investieren, um den talentierten Nachwuchsschützen, wie Sophie Heiß (Dritte von rechts) eine Heimat zu bieten. Schon 2021 soll die Stadtmeisterschaft komplett im neuen Schützenheim abgewickelt werden.
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Der Schützenverein Elf und Eins will viel investieren, um den talentierten Nachwuchsschützen, wie Sophie Heiß (Dritte von rechts) eine Heimat zu bieten. Schon 2021 soll die Stadtmeisterschaft komplett im neuen Schützenheim abgewickelt werden.

2020 wird es keinen neuen Stadtmeister im Schießsport geben. Die Meisterschaft, zu der sich jedes Jahr im November Schützen aus sieben Neumarkt-St. Veiter Schützenvereinen am Stand versammelt hatten, um den besten zu ermitteln, wird es in diesem Jahr nicht geben. Wegen Corona.

Von Josef Enzinger

Neumarkt-St. Veit – „Es ist logistisch einfach nicht machbar“, erklärt Margit Durmeier von den Sebastian-Schützen, die als Wettkampfleiterin hauptverantwortlich für die Koordination der sonst größten Sportveranstaltung der Rottstadt zuständig ist. Man habe es sich beileibe nicht einfach gemacht, erklärt Durmeier. Die Vertreter aller beteiligten Schützenvereinen hätten sich zusammengesetzt, diskutiert und waren schließlich doch zu dem einstimmig gefassten Beschluss gekommen, dass eine Meisterschaft bei den derzeit hohen Infektionszahlen nicht durchführbar ist.

Abstände sind nicht einzuhalten

„Wir können die Mindestabstände bei Birkhahn nicht einhalten, müssten die Schießtermine ausweiten und auch die Standaufsichten. Ein riesiger Aufwand, den wir nicht stemmen können“, erklärt Durmeier die Absage der Meisterschaft, die traditionell die Schützen von Elf und Eins Neumarkt, von Birkhahn und Rottal, von Immergrün Wolfsberg und von Sebastiani Hofthambach sowie von Diana Teising und Edelweiß Hörbering zum Wettbewerb an den Schießstand gelockt hätte.

Größte Sportveranstaltung in Neumarkt-St. Veit

Mit 170 Teilnehmern, die in verschiedenen Disziplinen Jahr für Jahr an den Stand treten, zählt die Sportveranstaltung zu den größten in Neumarkt-St. Veit. Die Bedeutung ist umso höher einzustufen, da Neumarkts Sportschützen in vielen verschiedenen Disziplinen antreten können. Nicht nur in den Standards wie Luftgewehr und Luftpistole werden die Meister gekürt. Es wird auch mit Zimmerstutzen geschossen, mit Kleinkaliber und Großkaliber. Letzteres auf dem Schießstand von Elf und Eins.

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Es nehmen auch Schützen über 60 Jahre teil – dieses Risiko will man nicht eingehen

Natürlich sei auch die Überlegung im Raum gestanden, dass jeder Verein die Meisterschaft in den eigenen vier Wänden austrägt, zumindest die Disziplinen, die keine größeren Anforderungen stellen, wie es etwa bei den „scharfen Waffen“ der Fall ist. Doch auch davon habe man Abstand genommen, weil dann zu vielen Schießterminen auch noch eine neutrale Standaufsicht hätte bereitgestellt werden müssen, sagt Durmeier. Die Wettkampfleiterin führt aber einen noch viel wichtigeren Grund für die Absage an. „Bei den Birkhahn-Schützen ist das jüngste Schützenmitglied 64 Jahre alt. Damit zählt der Schütze zur Risikogruppe. Es hat doch niemand etwas davon, wenn sich ein älterer Schütze mit Corona infiziert!“

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Im nächsten Jahr werden die Papierstreifen von der elektronische Erfassung ersetzt

Dazu kommt, dass die Schießzeiten nach wie vor sehr lang seien. Solange nicht auf voll elektronischen Ständen geschossen wird und für jeden abgegebenen Schuss der Streifen neu justiert werden muss, bleibt der Stadtmeisterschaft sehr aufwendig in der Durchführung. „Das sieht im nächsten Jahr dann schon ganz anders aus. Wenn diese Scheiben und Streifen wegfallen, weil die Schüsse vollelektronisch erfasst werden. Ich denke, da wird man sich jede Menge Zeit sparen.“

Modernisierungsmaßnahmen sollen im Herbst 2021 abgeschlossen sein

Das soll im Herbst 2021 der Fall sein, wenn die Elf und Eins-Schützen die Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen an ihrem Schießstand abgeschlossen haben werden. Viel Geld will der Verein mit seinen 310 Mitgliedern, davon knapp 30 Schüler und Jugendliche, um den Vorsitzenden Helmut Perzlmeier in die Hand nehmen, um den Schützen eine attraktive Wettkampfstätte zu bieten.

Elf und Eins investiert 70 000 Euro in Stand

„Die Planung ist noch nicht fix. Aber es ist vorgesehen der Bereich für die Luftdruckwaffen auf elektronische Stände umzurüsten.“ Ein neuer Boden, neue Lichter, Malerarbeiten kommen hinzu und auch Umkleidekabinen sollen entstehen. Knapp 70 000 Euro will der Verein investieren, wobei 55 Prozent Zuschuss vom Bayerischen Sportschützen-Verband zu erwarten seien, von der Stadt rechnet man mit 20 Prozent.

Umbau soll im April 2021 beginnen

„Wenn alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, dann könnten wir schon im Oktober am neuen Schießstand schießen“, hofft Perzlmeier auf einen zügigen Umbau, der im April nächsten Jahres beginnen soll. Wettkämpfe für sämtliche Waffengattungen – Luftdruck, Klein- sowie Großkaliber – sind dann bei Elf und Eins möglich. Und damit auch die komplette Stadtmeisterschaft – wenn es Corona dann wieder zulassen sollte.

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