Neues Leben

Die Tänerzinnen Anna Maria Müller, Martyna Lorenc und Sonia Borkowicz zusammen mit Editta Braun.

Die Editta Braun Company bringt im Kulturschupp‘n „Hydráos“ auf die Bühne

Mühldorf – Das kleine Theater des Mühldorfer Kulturschupp‘n ist eine ideale Bühne für die innovativen, die besonderen Aufführungen. Die, die aus dem herausfallen, was die Kulturszene in der Region auf den größeren Bühnen zu bieten hat. Das improvisiert wirkende Theaterhaus in einem ehemaligen Gewerbebetrieb, in viel liebevoller Selbstarbeit hergerichtet, der warmherzige Empfang durch die Kulturschupp’n-Leute, der spontane Einsatz von Sitzkissen statt Stühlen in der ersten Reihe, all das versprüht Charme, bevor der erste Ton erklungen, das erste Bein gereckt, der erste Unterwasserkiesel zur Seite geflogen ist. Das alles in einer Aufführung, die es so in Mühldorf noch nicht gab.

Es ist die Editta Braun Company aus Salzburg, die das Körperillusions-Theater „Hydráos“ auf die Bühne bringt, eine eindrucksvolle Studie über das Leben, das Wachsen und die Widerstände dagegen, über Scheitern und Neuanfang. Eine Evolutionsgeschichte in nur 47 Minuten, getanzt – falls man das so nennen kann – von Anna Maria Müller, Martyna Lorenc und Sonia Borkowicz, drei junge Frauen, die zusammen mit Komponist Thierry Zaboitzeff, Lichtdesigner Thomas Hinterberger, Dramaturgin Gerda Poschmann-Reichenau und eben Editta Braun die Company bilden.

Die Bühne ist nur schwach erleuchtet, blaues Licht, grünes Licht, Plätschern, eine Unterwasserwelt. Aus ihr wachsen Halme und Stengel, Gliedmaßen, Körper. Sind mal Pflanzen, mal Menschen. Sie wiegen sich im Wasserfluss, finden zu einander, gehen auf Distanz, versuchen, sich zu erheben. Scheitern, sinken wieder zu Boden, um erneut nach oben zu wachsen. Allein. Gemeinsam. Am Ende verlassen sie das Wasser, zurück bleibt eine leere Hülle. Die Evolution geht einen weiteren Weg.

Der Saal des Kulturschupp‘ns ist zweimal voll, einmal zur Generalprobe, einmal zur Premiere. Die darf sich getrost Welturaufführung nennen, denn dieses Stück hat noch niemand zu vor gesehen. Die 72 Besucher hören Maschinenmusik, hämmernde Beats, dann Klaviermusik von Schumann, Beethoven, Debussy und Mendelssohn-Bartholdy, immer verfremdet, mal atonal, mal hämmernd, dann schmeichelnd.

Das Stück ist für die kleine Bühne gemacht, braucht keinen großen technischen Aufwand. Es genügt die tänzerische und akrobatische Leistung der drei Frauen, Licht und Musik, um den Zuschauer mitten ins Evolutionsgeschehen hineinzuziehen. Deshalb geht die Company nach dem Mühldorfer Auftritt auf die Reise, spielt in zahlreichen Orten Europas, vielleicht auf wieder einmal im Senegal, in Fanghoumé, wo wichtige Wurzeln der Kunst Brauns und ihrer Company liegen. Seit 1989 hat Braun 36 Produktionen auf die Bühne gebracht, 513 Gastspiele in 32 Ländern absolviert. Sie nennt ihre Arbeit „Körperillusionstheater“, sechs Aufführungen gibt es aus der Reihe „Luvos“, die jüngste ist „Hydráos“.

Die Zusammenarbeit mit dem Mühldorfer Kulturschupp‘n entstand im Rahmen ders gescheiterten „Theaterkarawane“, bei der das Salzurger Tanztheater das Ziel gewesen wäre. Deshalb sind Editta Braun und ihre Künstler jetzt vonder Salzach an den Inn gekommen und haben dem kleinen Theater am Bahnhof einen außergewöhnlichen Abend beschert. Am Ende langer und begeisterter Applaus.

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