Neues Kassengesetz ab 2020: Einzelhändler befürchten Zettel-Irrsinn und teures Update

11 Uhr vormittagsbei Helmuth Fromberger im Laden. Der Second-Hand-Shop hat bereits Umsätze zu verzeichnen. Einen knappen Meter bringen die Kassenbons bereits zusammen an diesem Tag. Bis zu drei Meter Thermopapier kommen da an einem Tag schon zusammen. „Die Kassenbon-Pflicht stört mich nicht. Dass ich aber eventuell meineerst zwei Jahre alten Kassen kostspielig umrüsten muss, hingegen schon. Und ich frage mich. Wofür?“ Enzinger

Was mich freut, was mich ärgert: Der Mühldorfer Helmuth Fromberger kann mit den neuen Vorschriften nichts anfangen. Die Kassenbon-Pflicht stört ihn dabei weniger als die Tatsache, dass er seine erst zwei Jahre alten Kassen umrüsten lassen muss. Und das kann teuer werden.

Von Josef Enzinger

Mühldorf – Ab 2020 treten die neuen Kassengesetze in Kraft: Die darin verankerte Pflicht zum Kassenbon soll Steuerbetrug vorbeugen. Der Einzelhandel ist darüber nicht glücklich, rechnet mit großen Problemen bei der Umstellung.Betroffen ist auch Fotograf Helmuth Fromberger, der einen immensen Aufwand und hohe Kosten fürchtet. „Die Kassenbon-Pflicht stört mich nicht. Wir bonieren ja ohnehin. Was mich aber aufregt, ist die Tatsache, dass ich erst vor zwei Jahren im Zuge der Digitalisierung zwei neue Registrierkassen angeschafft habe und nicht weiß, ob ich die weiter benützen darf.“

Zwei Geschäfte, zwei Kassen

Zwei getrennte Kassen deshalb, weil Fromberger in seinem Laden nicht nur ein Fotostudio betreibt, sondern auch einen Second-Hand-Shop. „Dafür benötige ich zwei verschiedene, voneinander unabhängige Kassensysteme!“

Ob diese nach dem 1. Januar 2020 weiterlaufen dürfen, kann Fromberger aktuell niemand sagen. Auch die Firma Sharp nicht, der Hersteller der beiden Registrierkassen. Dort heißt es beim Kundenservice lediglich, dass man voraussichtlich ab Januar neue „2020 konforme Modelle“ anbieten werde. Auch von einem Angebot „zur Nachrüstung bereits im Einsatz befindlicher Sharp-Kassensysteme oder Modelle“ ist die Rede.

Kassen müssen zur Umrüstung wohl in die Fach-Werkstatt

Allerdings: Dieses „Update“ kann nur über eine autorisierte Sharp-Werkstatt durchgeführt werden. Einen konkreten Termin zur Verfügbarkeit dieses Updates gibt es nicht. Doch für Fromberger steht fest: „Ich muss meine Kassen dann einschicken, habe nicht nur Transportkosten zu tragen, sondern stehe dann wohl auch 14 Tage lang ohne Registrierkasse da und kann keinen Umsatz machen“.

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Verärgert ist der Fotograf vor allem darüber, dass nicht absehbar sei, wie teuer die Umrüstung komme. Der Handelsverband geht in seinen ersten Grobschätzungen von Kosten zwischen 300 und 500 Euro pro Kasse aus. Summen, die Fromberger ins Grübeln bringen. Vor zwei Jahren hatte er insgesamt 700 Euro für beide Kassen ausgegeben. Da kann er sich genauso gut gleich zwei neue Kassen anschaffen.

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Darum sollten Sie den Kassenzettel niemals im Geldbeutel lassen

Und dann kommt ja auch noch die Meldepflicht. Solche im Unternehmen eingesetzten elektronischen Aufzeichnungssysteme müssen mittels amtlichem Vordruck beim zuständigen Finanzamt gemeldet werden, das fordert der Gesetzgeber ebenfalls ein. Fromberger hat versucht, sich auch darüber zu informieren, scheiterte aber beim zuständigen Sachbearbeiter im Finanzamt: „Der Mitarbeiter war wirklich sehr nett und auch bemüht. Doch wo ich so einen Vordruck herbekomme, konnte er mir nicht sagen. Es gibt sie schlichtweg noch nicht!“ Sie sollen spätestens mit dem fälligen Update der Software für die Elster-Steuererklärung zum Download zur Verfügung stehen.

Meldepflicht ist vorübergehend ausgesetzt

Nachgefragt beim Finanzamt in Mühldorf werden die Aussagen schon konkreter: Man sei als Finanzamt nur ein kleines Teil im großen Rad des Kassengesetzes. Was die Kassensysteme betrifft, hätten sich inzwischen Bund und Länder darauf geeinigt, die Meldepflicht vorübergehend auszusetzen. Diese soll dann elektronisch erfolgen. Der Vorgang müsse allerdings erst noch programmiert werden, heißt es aus dem Finanzamt, das sich auf eine entsprechende Mitteilung des Finanzministeriums von Anfang November beruft.

Fromberger spricht von Gängelung

Fromberger lässt dennoch kein gutes Haar am Kassengesetz, er kann nur den Kopf schütteln: „Ich weiß nicht, was das Ganze soll!“ Verkäufe in seinem Geschäft würden ohnehin registriert, alle weiteren Maßnahmen im Rahmen der Digitalisierung und des Datenschutzes hält er für überzogen. „Für mich ist das eine reine Schikane gegenüber kleinen Unternehmen. Der Mittelstand, der brav seine Steuern zahlt, wird gegängelt. Für große Firmen mag so eine Umrüstung locker gehen, für mich sind 700 Euro viel Geld!“

Immerhin gibt es eine Schonfrist. Kassensysteme, die aufrüstbar sind, habe eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2020. Zulässige Kassensysteme, die bauartbedingt nachweislich nicht aufrüstbar sind, dürfen noch bis 31. Dezember 2022 eingesetzt werden.

Vielleicht wird ja auch alles gar nicht so schlimm wie befürchtet, hofft Fromberger. Auch bei der Datenschutzgrundverordnung sei die Hysterie am Anfang groß gewesen. Man habe sich den Anforderungen gefügt „und mittlerweile redet niemand mehr darüber!“

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