Neues Gewächshaus für Erdbeeren und Co.? Im Pollinger Gemeinderat gibt es Bedenken

Ähnlich wie die Anlage im Gemeindegebiet Tüßling soll die geplante Gewächshausanlage im Pollinger Ortsteil Weiding gebaut werden. Eine Entscheidung über die Bauvoranfrage wurde vom Gemeinderat vertagt.
+
Ähnlich wie die Anlage im Gemeindegebiet Tüßling soll die geplante Gewächshausanlage im Pollinger Ortsteil Weiding gebaut werden. Eine Entscheidung über die Bauvoranfrage wurde vom Gemeinderat vertagt.

Die Firma Reichenspurner möchte die Anbaufläche für Erdbeeren, Tomaten und Paprika im Gewächshaus erweitern. Analog zur Anlage bei Tüßling soll eine zweite im Pollinger Ortsteil Weiding entstehen. Der Pollinger Gemeindederat diskutierte über die eingereichte Bauvoranfrage, ist aber noch zu keinem Ergebnis gekommen.

von Robert Wagner

Polling – Es geht um eine überbaute Fläche beziehungsweise Anbaufläche von etwa 150 000 Quadratmetern, auf denen Tomaten, Paprika und Erdbeeren angebaut werden sollen. Der Grundstückeigentümer habe bereits signalisiert, dass er einer Rückwidmung der Fläche, die bisher als Photovoltaikfreifläche gewidmet war, zu einer landwirtschaftlichen Nutzfläche zustimme. Ein Vorhaben, das Gemeinderat Alfred Wagner (CSU) sowohl aus Gründen der Naturerhaltung – „für Fauna und Flora ein für alle Mal verloren“ – als auch wegen der Nähe zur Wohnbebauung strikt ablehnte.

Einschränkung bei der Wohnqualität

Wagner kritisierte, dass der in der Vorbesprechung zur Sitzung vorgelegte Plan einen Abstand von nur zehn Metern zu Wohngebäuden ausweise: „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Allein wenn ich mir die Probleme mit der Lichtemission anschaue, die es bei der Anlage in Tüßling gab, kann ich hier nur vehement dagegen stimmen. Und dabei ist dort die Wohnbebauung wesentlich weiter entfernt“, sagte der Weidinger Gemeinderat, der eine massive Einschränkung der Wohnqualität befürchtete. Zudem sei dies für ihn keine landwirtschaftliche Nutzung im eigentlichen Sinne, fügte er hinzu.

Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG) entgegnete, dass es sich hier rein rechtlich gesehen sehr wohl um eine landwirtschaftliche Urproduktion handle. Zudem sehe er aus Sicht der Gemeinde keine Gründe, dieses Vorhaben abzulehnen.

Gemeinderätin Lena Koch monierte aus umwelttechnischen Gesichtspunkten die Lichtverschmutzung und forderte mehr Transparenz für eine Entscheidung. Man habe ja in der jüngsten Vergangenheit durchaus schon Gründe zur Kritik gehabt, meinte sie mit Verweis auf den Zeitungsbericht hinsichtlich der Umweltverschmutzung im Hirschbachtal.

Lesen Sie auch:

Die ersten Früchte reifen

Am nächsten Tag schon im Regal

Den Hinweis, dass die Gemeinde aufgrund nicht zu erwartender Steuereinnahmen keinen Vorteil habe, konterte Bürgermeister Kronberger mit dem Hinweis, dass dies kein Entscheidungskriterium dafür oder dagegen sein dürfe. Zudem würden auch wieder Arbeitsplätze entstehen. Zum angesprochenen Umweltproblem, räumte er ein, dass hier wohl ein „Missgeschick“ passiert sei.

Das Thema Lichtemission griff Bernd Michel (FW) auf und erklärte, dass man dies in der Anlage in Tüßling absolut im Griff habe. Mehr Einsicht und Transparenz wünschte sich auch Thomas Jobst (CSU), der an der Vorbesprechung nicht teilnehmen konnte: „Mir sind die vorliegenden Informationen zu wenig, um hier eine Entscheidung zu treffen.“ Jobst beantragte deshalb eine Vertagung der Entscheidung auf die nächste Sitzung, um sich mit dem Thema eingehend befassen zu können. Ein Vorschlag, dem auch Bürgermeister Kronberger zustimmte, verbunden mit der Anregung, mit dem Antragsteller eine Besichtigung der Anlage in Tüßling zu vereinbaren. Mit 9:8 Stimmen sprach sich das Gremium dafür aus, die Entscheidung zu vertagen.

Rückfragen vor Ort klären

Den Wunsch nach einer Betriebsführung unterstützt Geschäftsführer Peter Reichenspurner. „Der Gemeinderat soll eine Entscheidung mittragen können, deshalb bietet es sich an, Rückfragen vor Ort zu klären“, erklärt er auf Nachfrage. Bei den vorgelegten Unterlagen handle es sich bislang nur um einen Entwurf. Ein finaler Plan müsse sich an verschiedene Vorgaben halten. Es gebe eine große Nachfrage nach regionalen Produkten, die man über einen geschützten Anbau bedienen kann. „Wir können hier unter guten Bedingungen produzieren.“

Kommentare