Neue Wege in Aschau: So stellt sich die Gemeinde ein grünes Gewerbegebiet in Thann vor

Kleinteilig, keine großen Halle und viel Grün: So könnte das geplante Gewerbegebiet in Thann aussehen. Am 5. Juli entscheiden die Bürger, ob es überhaupt realisiert wird.
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Kleinteilig, keine großen Halle und viel Grün: So könnte das geplante Gewerbegebiet in Thann aussehen. Am 5. Juli entscheiden die Bürger, ob es überhaupt realisiert wird.

In zwei Wochen fällt die Entscheidung: Soll in Thann ein Gewerbegebiet realisiert werden oder bleibt alles, wie es ist? Eine Informationsveranstaltung kann es dazu wegen der Corona-Pandemie nicht geben, doch ein überarbeiteter Entwurf des Planungsbüros soll verdeutlichen, was die Gemeinde in Thann realisieren will und wie grün das Gewerbegebiet werden soll.

Aschau – Der Aufschrei in der Gemeinde Aschau war groß mit Bekanntwerden der Pläne für ein Gewerbegebiet bei Thann: Flächenversiegelung, eine beeinträchtigte Lebensqualität in Thann, Angst vor Lärm und zusätzlichen Verkehr hagelte es Kritik. Eine Bürgerinitiative brachte deshalb einen Bürgerentscheid auf den Weg, um die Pläne für das Gewerbegebiet noch zu stoppen.

30 Prozent als Grünflächen

„Es stimmt, dass Flächen versiegelt werden. Aber das passiert zum Beispiel bei jedem neuen Wohnbaugebiet auch“, sagt Bürgermeister Christian Weyrich. Doch die Gemeinde denkt bei dem geplanten Gewerbegebiet in Richtung Nachhaltigkeit und Ökologie. Grün soll es nämlich werden: Ein 15 Meter Grünstreifen soll die Fläche umfassen, vorstellbar sind Gründächer und maximal 60 bis 80 Prozent eines Baugrundstücks dürfen versiegelt werden. Laut Planung sollen fast 30 Prozent der Gesamtfläche als öffentliche Grün- und Ökofläche ausgewiesen werden. Nachhaltigkeit und Ökologie soll groß geschrieben werden.

„Das soll ein Gewerbegebiet werden, das es so noch nicht gibt“, sagt Bürgermeister Weyrich. Kleinteilig, keine großen Gewerbehallen und Platz für Ökologie. Zur Straße orientiert sollen die Gebäude niedriger sein und über ein Satteldach verfügen. Referenz für die Höhe der späteren Gebäude ist das bestehende Schäftlmeier-Gebäude. Vorstellbar ist für den Bürgermeister, dass neben lokalen Betrieben auch ein Gründerzentrum entstehen kann, in dem „junge, kreative und innovative Firmen“ zu günstigen Konditionen Platz finden. Firmen, bei denen Know-how passiert, wo die Datenautobahn wichtiger ist als Lieferverkehr. Die Gemeinde ist finanziell gut aufgestellt und gibt dies auch an ihre Bürger weiter: Unterstützung für die Vereine, ein mittlerer fünfstelliger Betrag für das Hallenbad oder die Übernahme der Verbrauchskosten für die Schulkinder. „Die Gemeinde leistet sich viel und investiert in die Infrastruktur“, sagt Bürgermeister Christian Weyrich. Möglich machen das die hohen Einnahmen aus der Gerwerbesteuer und der Einkommenssteuerbeteiligung.

Corona-Krise macht Schwächen deutlich

Doch spätestens die Corona-Krise hat es deutlich gezeigt: Auch die großen Gewerbesteuerzahler können Schwäche zeigen. Seit 2018 sind die Gewerbesteuereinnahmen stark rückläufig, aufgrund der Corona-Pandemie rechnet die Gemeinde mit einem Einbruch von etwa 35 Prozent, viele Arbeitnehmer sind in Kurzarbeit.

„Die Gemeinde muss sich breiter aufstellen und darf sich nicht auf wenige große Unternehmen verlassen“, erklärt Bürgermeister Christian Weyrich. Denn ihren Bürgern gegenüber sieht sich die Gemeinde in der Verantwortung, Arbeits- und Ausbildungsplätze am Ort zu sichern.

In dem geplanten Gewerbegebiet könnten neue Arbeitsplätze entstehen, sodass auch künftig Leben und Arbeiten in Aschau möglich sei. Wichtig für Weyrich: „Die Fläche soll sich Stück für Stück, über Jahre hinweg entwickeln.“ Von Anfang an aber soll der Grüngürtel um das Gewerbegebiet herum angelegt werden. Zunächst nicht genutzte Flächen sollen ökologisch wertvoll angelegt werden. „Flächen werden zwar versiegelt, aber es soll so verträglich wie möglich passieren“, erklärt Weyrich.

Kein Anschluss andas Industriegebiet

Die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken sei jedenfalls da – gerade in Kombination mit Wohnen, so wie es die Gemeinde in Thann realisieren will. Deshalb ist auch ein Anschluss des Gewerbegebiets an das Industriegebiet nicht möglich, wie es in der Vergangenheit Bürger vorgeschlagen haben. Durch die Kombi aus Wohnen und Gewerbe würden höhere Auflagen gelten, weshalb Anwohner nicht mit einem erhöhten Lärmaufkommen rechnen müssen.

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Am 5. Juli entscheidet sich, ob das Gewerbegebiet in Thann realisiert werden soll. Die Unterlagen für den Bürgerentscheid sind verschickt, die ersten Briefwahlunterlagen landen bei der Gemeinde bereits im Briefkasten. Sprechen sich die Bürger dagegen aus, wird der Kauf des Grundstücks rückabgewickelt werden. „Die Gemeinde muss dann die Kosten übernehmen“, sagt Weyrich.

Und es würde auch Konsequenzen für die geplanten Radwege über Oedhub nach Waldkraiburg und den Kreisverkehr nach Aschau Werk und Waldkraiburg geben. „Wenn das Gewerbegebiet nicht kommt, werden diese Pläne nicht realisiert.“

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