Neue Konzepte für die Kultur Kulturreferentin fordert flexiblere Lösungen für Kulturvereine

Endlich geht wieder was im Haberkasten: Wally und Ami Warning und Matthew Austin (von links) sind eine der ersten Bands, die nach der Coronaschließung wieder auftreten durften. Für heimische Künstler gab es in den vergangenen Monaten zu wenig Möglichkeiten, kritisiert die Kulturreferentin der Stadt, Claudia Hungerhuber.
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Endlich geht wieder was im Haberkasten: Wally und Ami Warning und Matthew Austin (von links) sind eine der ersten Bands, die nach der Coronaschließung wieder auftreten durften. Für heimische Künstler gab es in den vergangenen Monaten zu wenig Möglichkeiten, kritisiert die Kulturreferentin der Stadt, Claudia Hungerhuber.

Mühldorf – Anders als in Nachbarstädten und -dörfern gab es in Mühldorf heuer keine Kulturveranstaltungen. Die Kulturreferentin der Stadt, Claudia Hungerhuber (SPD) fordert jetzt schon Überlegungen für das nächste Jahr.

Die Sommersaison in Mühldorf ist ohne eine einzige Kulturveranstaltung vorüber gegangen. Warum?

Claudia Hungerhuber: Der Kultursommer 2020 war natürlich geprägt vom Corona-Infektionsschutz. Letztendlich überwog bei den Behörden der Sicherheitsgedanke, weshalb geplante Veranstaltungen verschoben und spontane Initiativen nicht genehmigt wurden.

Hätten Sie sich mehr gewünscht?

Hungerhuber: Selbstverständlich. Die SPD-Fraktion hatte diesem Wunsch mit einem Antrag für ein alternatives Sommerprogramm in Mühldorf auch Nachdruck verliehen. Leider war jedoch im Ausschuss des Stadtrats aufgrund verschiedener Einwände und Bedenken keine Mehrheit zu gewinnen. Letztlich benötigen neue, mutige Konzepte aber den Rückhalt und die Unterstützung der Stadt und des Landratsamtes.

Was wäre möglich gewesen?

Hungerhuber:Ein dezentral organisiertes Freiluft-Sommerprogramm wäre wahrscheinlich ohne große infektiologische Folgen umsetzbar gewesen. Zum einen war Mühldorf gerade in der Sommerzeit nahezu coronafrei, zum anderen ist das Kulturprogramm benachbarter Städte und Landkreise ohne wesentliches Infektionsgeschehen abgelaufen. Schade um die vergleichbar sichere Freiluft-Saison, denn die kommenden Wintermonate sind besonders problematisch.

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Hatten die Mühldorfer Kulturverantwortlichen zu wenig Phantasie?

Hungerhuber:Mühldorf hat sich durch die hervorragende Arbeit vieler Kulturschaffender und des Kulturbüros über die Jahre einen Ruf als kulturelles Zentrum in der Region aufgebaut. In der aktuellen Situation sind jedoch die meisten kreativen Überlegungen an den behördlichen Auflagen gescheitert. Diese wurden in anderen Landkreisen offenbar teilweise anders ausgelegt. Deshalb bin ich überzeugt, dass sich vor allem mit etwas mehr Mut aller Beteiligter auch Möglichkeiten für Mühldorf gefunden hätten.

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Corona wird uns aller Voraussicht nach auch im nächsten Jahr begleiten. Welche Erwartungen haben Sie an die Stadt und andere Kulturveranstalter?

Hungerhuber:Es darf sich nicht wiederholen, dass in umliegenden Kommunen Kulturkonzepte umgesetzt werden und in Mühldorf keine Veranstaltungen stattfinden. Als Kulturreferentin appelliere ich dringend, bereits jetzt für das kommende Jahr infektionsschutzkonforme Alternativkonzepte zu entwickeln. Wir können nicht an gewohnten Modellen festhalten. Es wäre wichtig, dass die Stadt Kulturschaffende und Vereine unterstützt, indem sie Mitverantwortung übernimmt und ihre Kompetenz und Erfahrung bei Veranstaltungen einbringt. Vom Landratsamt wünsche ich mir konstruktive Unterstützung für die Planung und Umsetzung. Vielleicht ist die Krise auch eine Chance. Eine Chance, neue Möglichkeiten und Formate für Kulturarbeit zu schaffen.

Interview: Markus Honervogt

Claudia Hungerhuber

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