Verlängerter Lockdown

Neue Corona-Regeln „eine einzige Katastrophe“ für den Einzelhandel im Kreis Mühldorf

Die neuen Einschränkungen treffen den Modepark Röther in der Black Week. Generell ist die Kundenfrequenz rückläufig, berichtet Geschäftsführerin Anne Seidl. Mit den neuen Beschränkungen befürchtet sie weitere Einbußen.
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Die neuen Einschränkungen treffen den Modepark Röther in der Black Week. Generell ist die Kundenfrequenz rückläufig, berichtet Geschäftsführerin Anne Seidl. Mit den neuen Beschränkungen befürchtet sie weitere Einbußen.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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  • Raphaela Lohmann
    Raphaela Lohmann
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Neue Ministerkonferenz, neue Corona-Verschärfungen. Bei Geschäften, die eine Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmeter haben, ist ab sofort nur noch eine Person pro 20 Quadratmeter erlaubt, vorher waren einer Person zehn Quadratmeter zugewiesen. Die hiesigen Händler reagieren bestürzt.

Mühldorf/Waldkraiburg/Ampfing – „Das ist eine einzige Katastrophe, was da die Regierung beschlossen hat“, Anne Seidl, Geschäftsführerin des Modehauses Röther, ist verärgert über die neuen Regelungen, die zur Folge hat, dass nur noch die Hälfte der bisher erlaubten Kundenanzahl den Modepark betreten darf. „Und das ausgerechnet während unserer Black Week. Wir haben 20 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment und befürchten, dass die Kunden dadurch nun zusätzlich abgeschreckt sein könnten. Ein einziges Trauerspiel ist das“, schimpft Seidl.

Kunden werden immer gereizter

Ohnehin sei die Situation für die Einzelhändler gerade sehr schwierig: „Mir brechen regelmäßig die Angestellten weg, wenn sie wegen ihres Kindes in Quarantäne müssen, ich muss dann zwischen den Abteilungen jonglieren. Das ist wie Ping-Pong.“ Die Stimmung kippt auch bei den Kunden. Diese reagierten zunehmend unverschämter, wenn man sie freundlich auf das exakte Tragen des Mund-Nasen-Schutzes hinweist, sagt Seidl.

Seidl sorgt sich um das Weihnachtsgeschäft

Dabei sei die Kundenfrequenz wegen der Corona-Krise generell schon stark rückläufig. Die zusätzliche Einschränkung könnte das Weihnachtsgeschäft zum Erliegen bringen, bevor es richtig begonnen hat, meint Seidl. Und das in einer Branche, die durch Corona ohnehin schon stark gebeutelt ist. Im Vergleich zum Vorjahr spricht das Vorstandsmitglied der Aktionsgemeinschaft Mühldorf von einem Umsatzrückgang in Höhe von 30 Prozent.

Alles ist besser als Bestellungen auf Amazon!

Andreas Hofebauer, Geschäftsleiter Globus Warenhaus

Im Globus-Warenhaus reduziert sich mit der neuen Regelung die erlaubte Kundenkapazität auf 430, wie der Geschäftsleiter Andreas Hofebauer mitteilt. Das treibt ihm Sorgenfalten auf die Stirn, denn er weiß natürlich, dass gerade in den letzten beiden Kalenderwochen des Jahres im Lebensmittelbereich die Großeinkäufe stattfinden, wenn die Weihnachtsfeiertage und Neujahr anstehen. Er appelliert an die Kunden, Einkäufe von nicht verderblichen Lebensmitteln schon jetzt zu erledigen. „Getränke, Konserven, Kosmetik. Das würde das alles etwas entzerren!“ Auch sollte man beim Einkauf auf Familienausflüge verzichten und seine Besorgungen zügig erledigen, empfiehlt Hofebauer.

Security achtet auf das richtige Tragen der Maske und auf die Abstandsregeln

Für den Ansturm und wartende Kunden vor den Pforten sieht er sich gerüstet. Schon jetzt achte die Security darauf, dass die Abstände und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes eingehalten würden. Generell aber lobt er das Verhalten der Kunden: Sie seien sehr verständnisvoll und diszipliniert.

Am Ende hat Hofebauer noch eine Bitte: „Weihnachtsgeschenke müssen nicht auf den letzten Drücker gekauft werden. „Das geht schon jetzt!“ Das sei außerdem viel entspannter, betont Hofebauer. Er verweist dabei auch auf die Angebote am Stadtplatz in Mühldorf, „der Verbraucher muss den Handel in der Innenstadt stärken. Alles ist besser als Bestellungen auf Amazon!“

50 Kunden auf 1000 Quadratmetern - im Elektromarkt schnell erreicht

Nur noch 50 Kunden auf einer Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern – im Elektrofachmarkt Durmeier in Haag und Waldkraiburg könnte diese Zahl schnell erreicht sein. Dennoch ist Annemarie Zaffran zuversichtlich. „Das ist zu machen. Alle gemeinsam kriegen wir die Krise in den Griff“ Ohnehin habe sich das Einkaufsverhalten der Kunden stark verkürzt, weil sich viele vorab im Internet informieren.

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Händler vor Ort befürchten: Online-Shopping nimmt zu

Apropos Internet: Viele Kunden wechseln in Corona-Zeiten auf Online-Shopping. „Corona beschleunigt das Ganze und es freut sich keiner über diese Situation“, sagt Werner Witte, Vorsitzender des Ampfinger Gewerbeverbands. Während manche Händler mit den Zähnen knirschen und auf schnellstmögliche Normalität hoffen, orientieren sich andere an der veränderten Marktsituation. „Einige Händler gehen den Weg mit und installieren einen Webshop oder eine App.“ Wer sich trauen würde, einen neuen Schritt zu gehen, würde gewinnen.

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Sonntagsöffnung? In Ampfing macht das wenig Sinn

Doch ein guter Online-Auftritt braucht Zeit und wer jetzt zum Weihnachtsgeschäft noch seine Strategie umstellen wolle, dafür sei die Zeit zu knapp. Aber auch ohne Online-Shop würden die Händler alles versuchen für das Weihnachtsgeschäft. Die Einkaufssituation mit zusätzlich offenen Sonntagen noch zu entzerren in diesem Jahr, kommt beispielsweise beim Ampfinger Einzelhandel nicht an. „Eine Rückmeldung ergab, dass es nur wenig Sinn macht“, sagt Witte. Einerseits bräuchten Mitarbeiter ihre Auszeiten, andererseits würden verkaufsoffene Sonntag in einzelnen Gemeinden auch mehr Leute aus den weiteren Umland anziehen. „Damit erreicht man genau das, was man eigentlich vermeiden will.“

Engelmann hält Sonntagseinkauf schwierig umzusetzen – zu kurzfristig

Die Regelungen für Sonntagsöffnungen generell zu überdenken, hält Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Waldkraiburg, für eine gute Idee. Aber dies kurzfristig noch in diesem Jahr umzusetzen, sei schwierig. „Das sollte man auf nächstes Jahr verschieben.“

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So sieht es auch sein Kollege Christian Kühl, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft in Mühldorf. „Die Behörden sollen uns lieber die vier geplanten Sonntage im nächsten Jahr ohne viel Bürokratie genehmigen, da haben wir mehr davon!“ Zu den Einschränkungen sagt Kühl, dass es leider wieder die Einzelhändler treffe, und damit die, die in der Vergangenheit alles getan, auch große finanzielle Anstrengungen unternommen hätten, um alle Auflagen einzuhalten. „Ob diese neuen Maßnahmen sinnvoll sind, dahinter mache ich mal ein Fragezeichen, wenn andernorts immer noch volle Busse unterwegs sind.“

Ein kleines Stück Normalität geht wieder flöten

Schade findet er es, dass die Einzelhändler und ihr Bemühen, den Leuten in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten ein Stück Normalität zu geben, nun wieder einen Dämpfer hinnehmen müssen. Mittelfristig sieht er damit auch die Attraktivität des Mühldorfer Stadtplatzes, um die man sich nun jahrelang bemüht habe, durch immer neue Auflagen gefährdet.

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