Fotofallen in der Diskussion: Kreisverband der Jäger empfiehlt seinen Mitgliedern "Einsatz mit Fingerspitzengefühl"

Naturschutz contra Datenschutz?

Mühldorf - In der Diskussion um Bilder unbemerkt aufgenommener Personen rücken auch Wildkameras oder sogenannte Fotofallen immer wieder ins Visier der Datenschützer. Die heimischen Jäger weisen nun darauf hin: Fotofallen liefern wichtige wildbiologische Informationen, der so genannte "Beifang" werde gelöscht.

"Jägerinnen und Jäger sind keine Hobbyfotografen, die sich auf die Lauer legen, sondern sie haben ein berechtigtes Interesse am gezielten Einsatz dieser Kameras. Ohne sie würde es Daten zum Vorkommen seltener Tierarten nicht geben", teilt der Bayerische Jagdverband (BJV) zu dem Thema mit. So sei im Bayerischen Wald mit Hilfe einer Fotofalle erst kürzlich eine für Bayern neue Tierart fotografiert worden. Mehrere Experten haben sich das Bild, aufgenommen am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald, angesehen und den darauf abgebildeten Neuankömmling auf Grund seiner charakteristischen Merkmale als Goldschakal identifiziert. Zu verdanken sei diese Meldung einer Fotofalle, in die der nach Bayern zugewanderte Gast tappte.

Worum es den Jägern geht, erläutert der Vorsitzende der Jäger im Landkreis Mühldorf. Die Fotofalle spiele im Bereich des Naturschutzes eine immer wichtigere Rolle. "Daten zum Vorkommen seltener Tierarten wie Luchs, Fischotter oder Wildkatze werden immer häufiger über Fotofallen erhoben. Hier hat Deutschland im Rahmen der EU-Naturschutz-Gesetzgebung eine Berichtspflicht über den Zustand der jeweiligen Population", sagt Dr. Erich Loserth. Die Kameras würden gezielt an bestimmten Orten eingesetzt, um Daten zu Wildtieren zu erhalten, die auf anderem Weg und mit vertretbarem Aufwand nicht zu erheben seien.

Im Rahmen dieser Datenerhebungen werden immer wieder spektakuläre Fotos von Zuwanderern gemacht, wie etwa von den Wildkatzen in der Rhön, vom Wolf im Fichtelgebirge oder - ganz aktuell - vom Goldschakal im Bayerischen Wald. "An diesen Datenerhebungen beteiligen sich viele Jäger ehrenamtlich mit ihren eigenen Fotofallen. Ohne sie würden uns wichtige wildbiologische Informationen entgehen", teilt der BJV mit.

Jägerinnen und Jägern gehe es grundsätzlich nicht darum, Mitmenschen heimlich zu filmen. Für das Betreiben einer Kamera zur Ermittlung und Überwachung des Wildbestandes an Stellen, die üblicherweise nur von Wildtieren aufgesucht werden, besteht aufgrund der Hege- und Bejagungsverpflichtung ein nachvollziehbares Interesse. Im jagdlichen Bereich gehe es im Wesentlichen um Daten, die Jäger zur Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Aufgaben bei der Wildbestandsregulierung, Bestandskontrolle und der Wildschadenprophylaxe erheben.

"Um gar nicht erst Auseinandersetzungen mit Bürgern zu provozieren, empfiehlt der BJV seinen Mitgliedern, Wildkameras mit viel Fingerspitzengefühl einzusetzen. Im Interesse aller Jäger sollten sie nur so installiert werden, dass Unbeteiligte aller Voraussicht nach nicht aufs Bild geraten", betont Dr. Loserth. Komme es doch einmal zu unerwünschtem "Beifang", so seien diese Bilder sofort zu löschen. gth

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