Nachbarn erstochen: Mühldorfer muss für 14 Jahre ins Gefängnis - Anwalt kündigt Revision an

Das Haus (im Hintergrund), in dem ein Mensch getötet wurde. Der Täter muss für 14 Jahre ins Gericht, falls das Urteil rechtskräftig wird.
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Das Haus (im Hintergrund), in dem ein Mensch getötet wurde. Der Täter muss für 14 Jahre ins Gericht, falls das Urteil rechtskräftig wird.

Eifersucht steht nach Ansicht des Schwurgerichts Traunstein hinter der Tötung eines 57-Jährigen mit 38 Messerstichen in dessen Wohnung in Mühldorf. Dafür muss der Täter lange ins Gefängnis, denn das Gericht sah einen Vorsatz hinter der Tat.

Traunstein/Mühldorf – Der zwölfte von 38 Messerstichen in die Kopfschlagader war letztlich tödlich, an ihr starb ein 57-jährigen Mühldorfer, getötet durch einen 47-Jährigen. Der muss jetzt für 14 Jahre ins Gefängnis, verurteilt vom Schwurgericht Traunstein. Der Angeklagte nahm das Urteil mit blassem Gesicht, gesenktem Kopf und äußerlich ruhig entgegen.

Gericht sieht Tötungsvorsatz

Im Urteil führte Vorsitzender Richter Erich Fuchs aus, das Opfer habe an der Lebensgefährtin des Angeklagten offensichtlich Interesse gehabt. Unmittelbar vor den Messerstichen habe der eifersüchtige Täter in einem Chatverkehr mit der 36-Jährigen gedroht, dem Kontrahenten etwas anzutun und anschließend diese Drohungen auch wahr gemacht. Mit einem Klappmesser sei der Arbeiter zum Nachbarhaus gegangen. Der Kampf habe sich von der Küche zum Schlafzimmer verlagert. Dort habe der Täter dem auf dem Boden liegenden Opfer Dutzende Stich- und Schnittverletzungen zugefügt. Der „Stich Nummer zwölf“ habe die Kopfschlagader durchtrennt. Fuchs betonte, das Gericht habe Zweifel an der Aussage der 36-Jährigen, dass sie kaum etwas mitbekommen habe. Auf ihrem Notruf sei im Hintergrund die Stimme des Angeklagten zu hören.

„Der Angriffswille ging vom Angeklagten aus. Er wollte den anderen töten“, sagte Fuchs. Das ergebe sich aus der Heftigkeit und Vielzahl der Stiche und aus den Äußerungen des Täters. So habe er nach der Festnahme einen Polizeibeamten gefragt, ob der Mann tot sei. Einem anderen Beamten gegenüber habe er sich über die Todesnachricht mit erhobenen Daumen gefreut. Fuchs hatte „keine Zweifel an einem direktem Tötungsvorsatz“. Die Tat sei rechtlich ein Totschlag – „weder ein besonders schwerer noch ein minderschwerer Fall“. Das Opfer möge den Täter provoziert haben, „aber nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tat“.

Trotz viele Vorstrafen wieder rückfällig

Unter den wenigen mildernden Aspekten nannte Fuchs, die Freundin habe zwei Männer gegeneinander ausgespielt. Negativ wirkten sich die vielen Vorstrafen aus. Der Täter habe nach der letzten Verurteilung 2017 unter Führungsaufsicht und offener Bewährung gestanden. Erschreckend sei die hohe Rückfallgeschwindigkeit nach eigentlich erfolgreicher Therapie. Er habe weitergetrunken und eine Beziehung mit einer Alkoholikerin begonnen. Im Entzug wollte das Schwurgericht den 47-Jährigen trotzdem nicht unterbringen, „wegen fehlender Erfolgsaussichten“.

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Staatsanwalt Markus Andrä hatte wegen Totschlags in besonders schwerem Fall auf eine lebenslange Freiheitsstrafe plädiert und gleichzeitig die Unterbringung zum Entzug wie in der Psychiatrie abgelehnt. Der Ankläger erinnerte an weitere fünf potenziell lebensgefährliche Stiche und bejahte einen Tötungsvorsatz. Trotz der etwa 2,7 Promille Alkohol zur Tatzeit und einiger „Persönlichkeitsakzentuierungen“ sei der Täter voll schuldfähig gewesen. „Ich bin überzeugt, er hat aus Eifersucht gehandelt.“ Eifersucht sei aber kein Mordmerkmal. Der Angeklagte habe ein Blutbad angerichtet, das juristisch jedoch nahe am Mordmerkmal „Mordlust“ liege.

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Verteidiger, Axel Reiter aus Mühldorf sprach ebenfalls von Totschlag, aber eher in minderschwerem Fall. Der 57-Jährige habe seinen Mandanten provoziert, die Tat sei eine „Überschusshandlung“ gewesen. Mit schlimmen Folgen habe der Angeklagte rechnen müssen. Töten habe er das Opfer aber nicht wollen: „Der Tod ist einer Kampfsituation entsprungen.“ Es sei eine „Spontantat aus dem Affekt heraus“ gewesen.

Die hohe Alkoholisierung spreche gegen ein planvolles und gesteuertes Handeln. Der Verteidiger hielt eine Strafe im Bereich von zehn bis elf Jahren für ausreichend. Sein Mandant wolle weg vom Alkohol und einen anderen Lebensweg einschlagen, deshalb solle er in den Entzug geschickt werden. Der Verteidiger kündigte noch im Gerichtssaal Revision an.

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