Nach Rücktritt von Kramp-Karrenbauer: Marcel Huber von "radikalem Schritt" überrascht

CSU-KreisvorsitzenderMarcel Huber

Mühldorf/Berlin – Überraschend hat Annegret Kramp-Karrenbauer gestern ihren Rückzug als Parteivorsitzende der CDU und den Verzicht auf die Kanzlerkandidatur angekündigt. Die Heimatzeitung hat bei Mühldorfs CSU-Kreisvorsitzendem Dr. Marcel Huber nachgefragt. Er spricht über das „unglaubliche Geschehen“ in Thüringen und den internen Richtungskampf der CDU.

War der radikale Rückzug von Frau Kramp-Karrenbauer aus Ihrer Sicht unausweichlich?

Marcel Huber: Aus meiner Sicht war die Zeit von Frau Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende nie ganz ohne Friktionen in der Partei. Der radikale Schnitt von heute, sowohl den Vorsitz als auch die Option auf eine Kanzlerkandidatur niederzulegen, hat mich allerdings überrascht.

Wie stark ist die Bundeskanzlerin durch die Ereignisse in Thüringen und das innerparteiliche Beben in der CDU beschädigt?

Huber: Für die aktuellen Geschehnisse in Thüringen kann die Kanzlerin nichts. Die CDU befindet sich allerdings in einem internen Richtungskampf und muss sich grundsätzlich durch den Umgang mit extremen Parteien am linken und vor allem am rechten Rand definieren – dazu wäre eine starke Führungsrolle der Parteivorsitzenden wie der Kanzlerin nötig, was derzeit nicht zu erkennen ist.

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Auch die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig hat sich zum Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer geäußert.

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Der CSU-Parteichef hat sich erst kürzlich massiv für Veränderungen im Bundeskabinett ausgesprochen. Wird Söders Druck auf die Kanzlerin, zügig eine Kabinettsumbildung vorzunehmen, mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr jetzt noch stärker werden?

Huber: Ich weiß nicht, welchen Weg Markus Söder bundespolitisch gehen will. Seine Forderung nach einer Kabinettsumbildung in Berlin hatte aber sicherlich nichts zu tun mit den grundsätzlichen Fragen, die sich aus dem unglaublichen Geschehen in Thüringen ergeben haben und die die CDU als Partei grundsätzlich beantworten muss. Dazu hilft der Austausch einiger Minister wenig. Interview: Norbert Kotter

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