Nach 36 Jahren ist Schluss: Hans Liebl verlässt den Mühldorfer Stadtrat

So kennen ihn die Mühldorfer: Hans Liebl unterwegs auf seinem geliebten Stadtplatz. Das Foto ist fünf Jahre alt, ganz so oft wie damals ist der heute 85-jährige nicht mehr unterwegs. Am 1. Mai endet sein Amt als Stadtrat, das er 36 Jahre lang innehatte. Honervogt
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So kennen ihn die Mühldorfer: Hans Liebl unterwegs auf seinem geliebten Stadtplatz. Das Foto ist fünf Jahre alt, ganz so oft wie damals ist der heute 85-jährige nicht mehr unterwegs. Am 1. Mai endet sein Amt als Stadtrat, das er 36 Jahre lang innehatte. Honervogt

Ein besonderes Denkmal setzte Hans Liebl einst der Mühldorfer Kappenabend: Die Stadtkabarettisten bemaßen die Zeit, die jemand braucht, um den Mühldorfer Stadtplatz abzuschreiten, mit seinem Namen: Ein, zwei oder drei Liebl, so lange jemand halt zwischen Münchner und Altöttiger Tor unterwegs war.

MühldorfHans Liebl, gehört seit Jahrzehnten zum öffentlichen Leben der Stadt, spätestens, seit er 1984 in den Stadtrat eingetreten war. Zu diesem Zeitpunkt saß er bereits im Vorstand der Spielvereinigung Mühldorf und war Kassier der SPD. Im Laufe der Jahre, vor allem nachdem der Stellwerker vor knapp 30 Jahren in Bahnpension gegangen war, wurde der Stadtplatz zu seinem wichtigsten politischen Betätigungsfeld. Fast täglich durchmaß er ihn, sprach mit den Leuten, erfuhr, wo der Schuh drückt, oder wer bereit wäre zu helfen. Dafür hatte er Zeit, eine Stunde oder auch zwei – oder, anders gesagt: ein Liebl, oder zwei oder drei, je nachdem.

Der Mühldorfer Stadtplatz ist Hans Liebls Revier

Über den Stadtplatz will Liebl auch in den nächsten Jahren noch gehen, ein offizielles Amt hat er nach dem 1. Mai aber nicht mehr. Der ehemalige Sportreferent, Dritte Bürgermeister und Stimmenkönig geht in den Stadtratsruhestand. Wer sich 36 Jahren lang im Stadtrat engagiert, muss seine Stadt schon sehr lieben. Und die Vereine, denen sein Augenmerk galt, besonders der Sport. Seit er elf Jahre alt war, spielte Hans Liebl Fußball, natürlich bei den Rothosen der Spielvereinigung. Wie schmerzte ihn die Auflösung des Vereins, der im FC Mühldorf aufging, wie erbittert focht er im Stadtrat noch für dessen Erhalt.

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Vergeblich. Genauso vergeblich war sein schon fast legendärer Kampf für einen Sprungturm im Freibad, den sich der Sportler Liebl so inständig für die Mühldorfer Jugend wünschte. In vielen anderen Fragen konnte er seien Einfluss dagegen geltend machen, fragt man ihn nach seinen wichtigsten Erinnerungen, nennt er die Einführung von Zuschüssen für die Jugendarbeit der Vereine. 15 Mark, dass weiß er heute noch, waren es damals. „Mir war es vom Sport her immer wichtig, die Vereine zu unterstützen.“

Vereine liegen Hans Liebl am Herzen

Er war gerngesehener Gast bei den Hauptversammlungen der Vereine, unterstützte viele durch seine Mitgliedschaft oder ein Engagement im Vorstand. Die Krönung: die Wahl zum Dritten Bürgermeister, ein Amt, das er zwischen 1996 und 2008 inne hatte und das ihn tief erfüllte. Jetzt endet Liebls lange Zeit im Stadtrat, bei der Wahl im März ist der 85-Jährige nicht mehr angetreten. Das Geschehen in seinem Mühldorf verfolgt er aber weiter aufmerksam. Im Mühldorfer Anzeiger und bei Gängen über den Stadtplatz. Er fühle sich fit und gesund, Bewegung mache ihm noch Spaß sagt er. Kein Wunder, schließlich war er einst bayerischer Meister über 100 und 200 Meter. Und weil er jetzt nicht mehr rennen muss, hat er auf seinen gemütlicheren Gängen noch mehr Zeit für den einen oder anderen Ratsch auf dem Mühldorfer Stadtplatz.

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