Nach 54 Jahren: Polling hat keinen CSU-Bürgermeister mehr

Im Rathaushat auch in der kommenden Wahlperiode Bürgermeister Lorenz Kronberger das Sagen. Mit vier statt der bisherigen zwei Fraktionen ist der Gemeinderat vielfältiger geworden. Wagner
+
Im Rathaushat auch in der kommenden Wahlperiode Bürgermeister Lorenz Kronberger das Sagen. Mit vier statt der bisherigen zwei Fraktionen ist der Gemeinderat vielfältiger geworden. Wagner

Ein buntes Bild bietet der Pollinger Gemeinderat in Zukunft. Mit der CSU, den Freien Wählern, den Grünen und der Unabhängigen Wählergemeinschaft, zogen vier Fraktionen in das Gremium ein. Vorher gab es mit der CSU und den Freien Wählern lediglich zwei Gruppierungen im Gemeinderat.

Polling – Die Mehrheitsverhältnisse haben sich dadurch ebenfalls deutlich verändert: Den größten Aderlass musste die CSU hinnehmen. Sie verlor gleich drei Sitze und ist künftig nur noch mit sieben Räten vertreten. Nicht mehr angetreten waren die bisherigen CSU-Gemeinderäte Josef Bauer, Josef Mooshuber, Leonhard Schwarz und Michael Stelzl, nicht mehr wiedergewählt wurde die Pollinger Ortsvorsitzende Andrea Steinleitner-Kulhanek.

Andreas Maierhofer ist der „Stimmenkönig“

Der CSU-Ortsvorsitzende von Flossing, Wolfgang Lohr, war zu einer Stellungnahme bereit und kommentierte das Ergebnis so: „Klar ist, dass wir mit sieben Sitzen wieder die stärkste Fraktion stellen, die absolute Mehrheit aber verloren haben“. Da der aktuelle Zweite Bürgermeister Andreas Maierhofer auch „Stimmenkönig“ war, würde Lohr ihn gerne wieder auf dieser Position sehen. Er sagte aber auch, dass wegen der Corona-Krise noch keine Gespräche geführt worden seien. Er betont noch einmal, dass die Entscheidung, Stefan Mooshuber als Bürgermeisterkandidat zu nominieren und nicht auf Lorenz Kronberger zu setzen, richtig gewesen sei. Das zeige sich auch daran, dass es keine Austritte aus dem Ortsverband gegeben habe. Lohr ist überzeugt, dass man weiterhin mit den Freien Wählern gut zusammenarbeiten werde, sagte aber auch, dass man noch mit keiner anderen Gruppierung bisher Gespräche geführt habe.

Die Freien Wähler verloren einen Sitz und kommen somit auf fünf, das Ziel sechs + X wurde knapp verfehlt, die bisherigen Gemeinderäte Josef Heuwieser und Franz Mayr hatten nicht mehr kandidiert.

Mit Grünen und UWG zwei neue Fraktionen

Jeweils zwei Sitze haben künftig die Grünen und die UWG, die nach der Stichwahl mit Lorenz Kronberger auch den Bürgermeister stellt. Er hatte die Unabhängigen nach seiner Demission durch die CSU (hier unterlag er bei der Nominierung seinem internen Kontrahenten Stefan Mooshuber, wir berichteten) wieder ins Leben gerufen und bei der Stichwahl gegen Mooshuber mit 51,26 Prozent der Stimmen gewonnen.

Auch interessant:

Polling: Lorenz Kronberger (UWG) besiegt Stefan Mooshuber (CSU) in der Stichwahl

„Königsmorde“ in den CSU-Ortsverbänden: Auch in Polling gibt’s keinen Rückhalt mehr

CSU lässt Pollings Bürgermeister Kronberger fallen

UWG statt CSU: Kronberger tritt an

Somit verlor die CSU auch den Bürgermeistersessel, eine Situation, die sie letztmals 1966 erlebte, als Albert Reisinger – damals noch UWG – die Wahl gegen den CSU-Kandidaten und amtierenden Bürgermeister Georg Hochreiter gewann. Reisinger schloss sich in der 1972 folgenden Wahlperiode der CSU an und wurde in den Jahren 1978, 1984 und 1990 wiedergewählt. Auf ihn folgte 1996 Willi Liebl (CSU), der sich gegen den Kandidaten der UWG, Hans Schmidbauer, in der Stichwahl knapp behauptete und 2002 erneut gewählt wurde. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion.Jetzt Newsletter ausprobieren!+++

Im Jahr 2008 kandidierte Hans Schmidbauer für die CSU und setzte sich gegen Konrad Wimmer von der UWG sowie Ludwig Mollner von den Freien Wählern im ersten Wahlgang durch. Auf Schmidbauer folgte 2014 bis 2020 Lorenz Kronberger, ebenfalls für die CSU.

Mit der Abwahl als Kandidat der CSU und seinem Wahlsieg als Kandidat der UWG, endet nun nach fast 50 Jahren die „Regentschaft“ eines CSU-Bürgermeisters in der Gemeinde Polling.

Besondere Konstellation durch das Nachrücken

Eine nicht alltägliche Konstellation ergibt sich in Folge des Wahlerfolges von Lorenz Kronberger bei der Stichwahl. Durch seinen Sieg in der Stichwahl, rückt seine Tochter Barbara auf der UWG-Liste nach und zieht ebenfalls in den Gemeinderat ein.

Der neue Gemeinderat setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

CSU

Oswald Brandstetter, Andreas Gallhauser, Thomas Jobst, Andreas Maierhofer, Stefan Mooshuber, Reinhard Oberstarr, Alfred Wagner.

Freie Wähler

Stephan Lang, Karin Mayerhofer, Bernd Michel, Willi Skudlik, Robert Wimmer.

Grüne

Lena Koch, Wolfgang Schweiger.

Unabhängige Wähler

Gemeinschaft

Barbara Kronberger, Johann Steinberger.

Kommentare