Die Müllsammler - Wie in Mühldorf eine neue Umweltbewegung Freunde gewinnt

Unterwegs mit Freunden: Stefanie und Roland Scherer, Martin Helzel und Tochter Paula machen sich gemeinsam zum Müllsammelspaziergang auf. Petzi

Das Ehepaar Scherer sammelt bei Spaziergängen an Straßen Abfall. Roland und Stefanie Scherer hoffen, dass sich das sogenannte „Plogging“ schnell in der Region verbreitet und viele Anhänger findet. Die ersten Helfer gibt es schon.

Von Nicole Petzi

Mühldorf – Roland Scherer ist ‚Plogger‘, obwohl er bis vor kurzem noch gar nicht wusste, was das eigentlich ist. ‚Plogging‘ – ein Trend aus Schweden, der ‚Jogging‘ mit ‚plocka upp‘, dem schwedischen Wort für ‚aufheben‘, verbindet. Was das heißen soll? Ganz einfach: Es geht um Müll! Nicht um irgendeinen Müll. „Als passionierten Spaziergängern sind mir und meiner Frau einfach der Schmutz und die Abfälle entlang der Straßen der Stadt und Umgebung aufgefallen!“

Und so haben Roland und Stefanie Scherer vor wenigen Wochen damit begonnen, den Müll einzusammeln und zu entsorgen nach dem Vorbild des schwedischen Umweltaktivisten Erik Ahlström.

Trend-Aktivität ‚Plogging‘

Roland Scherers Plogging-Gruppe ist die erste in der Region. Und wie man das heute ebenso macht, hat er zunächst auf Facebook und Instagram die Idee verbreitet. 39 Mitglieder zählt die Facebook-Gruppe derzeit. Tendenz steigend. „Jeder Spaziergänger kann seinen Beitrag dazu leisten, wenn er nur seine eigene kleine Mülltüte füllt.“

Folge der Spur des Mülls

Die Botschaft kommt an. Immer mehr Mühldorfer begleiten mittlerweile das Ehepaar Scherer am Wochenende beim ‚Plogging‘. Dieses Mal war Martin Helzel samt Töchterchen Paula mit von der Partie, ein Freund der Familie aus Waldkraiburg. Lange musste er nicht gebeten werden.

Für ihn war es ein Aha-Erlebnis: „Man glaubt erst gar nicht, wie viel Müll da herum liegt, wenn man darauf achtet.“ Herrlichster Sonnenschein entlang der Äußeren Neumarkter Straße kann an diesem Samstag etwas von den winterlichen Temperaturen ablenken.

Bereits nach gut einer Viertelstunde sind die ersten Müllsäcken gefüllt. DArin sind die üblichen ‚Verdächtigen‘: Viele kleine Schnapsflaschen, Zigarettenkippen- und -schachteln, Stanniolpapier, Fast-Food-Becher und -Geschirr – sowie eine Radkappe konnten die Mühldorfer ‚Plogger‘, ausgerüstet mit Handschuhen und einfachen Greifern, aufsammeln. Bis zum Ende des Spaziergangs soll noch eine beachtliche Menge an Müll dazukommen. In der Regel bringen es die Scherers aauf zwei bis vier 25-Liter-Tüten pro Spaziergang.

Es kommt aufs Umweltbewusstein an

Eine Radkappe. Dabei sei das nicht einmal das Kurioseste, das die Scherers bisher gefunden haben, erzählt Stefanie. Sperrmüll, den die Leute im Wald entsorgen. Ein Platschbecken. „Das können wir natürlich nicht in unsere Mülltüten packen. Solche Funde werden einfach gemeldet.“

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Davon kann sogar die kleine Paula ein Liedchen singen. Mit der Schule habe sie bei einer Rama-Dama-Aktion mitgemacht und einen Teppich und einen Bilderrahmen gefunden. „Eine ganze Eirichtung kann man so aufspüren!“ Roland lacht – über ein ernstes Themam, bei dem jeder helfen kann. „Jeder hat die Chance, mit einfachsten Mitteln etwas für die Umwelt zu tun!“

Darum gehe es: umweltbewusster leben. „Es ist eine Lebenseinstellung – verbunden mit einer schönen Aktivität in der Gemeinschaft an der Natur!“ Und die möchte Rolan Scherer weitergehend strukturieren, mehrere ‚Plogger‘-Gruppen bis zum Sommer auf die Beine zu stellen, die organisiert die verschiedenen Bereiche der Stadt abgehen.

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„Jeder kann mitmachen! Kinder und Familien, aber Senioren und Menschen mit Handicap“, sagt Stefanie Scherer. Jeder in dem Tempo, das ihm oder ihr zusagt. Die Scherers gehen gerne spazieren. Andere mögen etwas sportlicher unterwegs sein. Da gebe es keine Regeln. Hauptsache, man füllt seine Müllsäcke – und erfreut sich danach am Anblick einer schönen Natur am Wegesrand!

Wohin mit dem Müll?

Was geschieht mit dem Müll? Das ist laut Roland Schwerer derzeit noch ein Problem. Die Eheleute Scherer entsorgen den Müll in der eigenen Tonne, einen Teil nehmen die Schwiegereltern ab. Man suche noch nach offiziellen Entsorgungslösungen mit Stadt oder Abfallwirtschaft des Landkreise, sagt Scherer.

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