Mühldorfer Volleyballer arbeiten nicht nur sportlich am Aufschlag in der 2. Bundesliga

Das Bundesliga-Logo auf dem Trikot: Abteilungsleiter Stefan Bartsch übernimmt den Aufdruck selbst. Bartsch will die Volleyballer in der zweiten Bundesliga etablieren. Eine große Kraftanstrengung, aber auch eine gewaltige finanzielle Herausforderung.
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Das Bundesliga-Logo auf dem Trikot: Abteilungsleiter Stefan Bartsch übernimmt den Aufdruck selbst. Bartsch will die Volleyballer in der zweiten Bundesliga etablieren. Eine große Kraftanstrengung, aber auch eine gewaltige finanzielle Herausforderung.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Die erste Herrenmannschaft von Trainer Michi Mayer ist in die zweithöchste deutsche Spielklasse aufgestiegen und hat damit den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erzielt. Der Aufstieg stellt die Abteilung aber vor große Herausforderungen.

Mühldorf – Das 3:2 gegen den TSV Friedberg, Anfang März, war der letzte Auftritt der Mühldorfer Volleyballer, die einen richtig guten Lauf hatten. Platz zwei in der 3. Volleyball-Liga bei einem Spiel weniger – beste Aussichten auf die Meisterschaft und den Aufstieg in die 2. Bundesliga in der wohl stärksten Saison, die das Mühldorfer Publikum jemals gesehen hatte. Dann der Lock-Down, von einem Tag auf den anderen war der Spielbetrieb wegen Corona eingefroren.

Einige Wochen lang herrschte Ungewissheit bei den Volleyballern des TSV Mühldorf. Dann aber die Mitteilung: Weil die Mannen um Trainer Michi Mayer es rein rechnerisch geschafft hätten aufzusteigen, dürfen sie tatsächlich eine Liga höher aufschlagen.

Trainer Michi Mayer hat die erste Herrenmannschaft in die 2. Bundesliga geführt. Er bleibt dem Verein auch weiterhin treu.

10 Personen arbeiten im Hintergrund

Seitdem wird hinter den Kulissen fleißig gearbeitet. Unterlagen für das Lizenzierungsverfahren hatte Abteilungsleiter Stefan Bartsch mit dem Teammanager Tom Gailer schon im Januar vorbereitet. Sponsorengespräche wurden geführt, was in Zeiten von Corona nicht einfach ist. Außerdem geht es darum ein schlagkräftiges Team aufzubieten, das in der nächsten Saison den Ansprüchen in Deutschlands zweithöchster Spielklasse gerecht zu werden. Eine Aufgabe vom sportlichen Leiter Paul Brandstetter mit Erfolgscoach Michael Mayer. Denn eines steht für den Abteilungsleiter fest: „Die 2. Bundesliga wird kein Abenteuer, das nur ein Jahr dauern soll. Wir haben Visionen und die sind langfristiger Natur. Wir wollen uns in der Liga etablieren!“

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Budget wird sich verdoppeln

Zugute kommt den Mühldorfern in der Corona-Krise, dass der Volleyballverband den Vereinen nicht auf die Tube drückt, um als Grundlage für die Lizenz eine Finanzplanung vorzulegen. „Das verschafft uns Zeit“, sagt auch Bartsch, „es ändert aber nichts daran, dass wir die Finanzierung sicherstellen müssen.“ Kein leichtes Unterfangen, zumal Bartsch davon ausgeht, das Budget zu verdoppeln. Schwer wiegt dabei, dass das Beach-Event, das Jahr für Jahr Geld in die Kasse spült, Corona-bedingt ausfallen musste. 

Volleyballer können weiter auf Sponsoren zählen

Immerhin kann er sich auf die Treue etablierter Sponsoren verlassen. Das Unternehmen ODU hat weiterhin seine Zusage gegeben, seit letztes Jahr ist auch die Baufirma Palitza mit ihm Boot und hat ihr Engagement entsprechend der höheren Liga ausgedehnt. Mit MaxSolar und der Firma Dentalservice Gust aus Dresden haben die Volleyballer erst vergangene Woche weitere namhafte Sponsoren an Land gezogen. „Viele weitere Gespräche stehen an, denn wir sind noch lange nicht am Ziel. Ich denke, wir bekommen das hin“, sagt Bartsch, der um sich ein Organisationsteam von zehn Personen geschart hat, um die Vision der 2. Bundesliga in die Tat umzusetzen.

Bartsch appelliert an die Unterstützung durch die Stadt

Er gibt aber auch zu, dass weitere Unterstützung der Stadt von Nöten sein wird, um sich der Herausforderung stellen zu können. Da sind zum Beispiel die Fahrten zu den Spieltagen. In der 2. Bundesliga sind das 28 Spieltage, um 40 Prozent mehr als in der 3. Liga. Die Mannen um Trainer Michi Mayer sind in ganz Süddeutschland unterwegs, wenn sie in den Hallen von Spitzenclubs wie Friedrichshafen, Schwaig, Gotha, Leipzig oder Karlsruhe einlaufen.

Geisterspiele wie in der Fußball-Bundesliga kann sich die Volleyballabteilung nicht leisten. Zuletzt besuchten bis zu 350 Personen die Spiele der ersten Mannschaft. Auf diese Einnahmen will die Abteilung auch weiterhin bauen.

Die Kosten läppern sich

Die langen Fahrten sind das eine. Es sind auch bestimmte Regularien einzuhalten, um in der 2. Liga anzutreten. Das reicht von Ballkindern bis zum Schiedsrichter-Betreuer. Logos des Deutschen Volleyballverbandes müssen auf Trikots gedruckt werden, grundsätzlich ist ein zweiter Trikotsatz notwendig. „Viele kleine Baustellen, die Kosten läppern sich!“, sagt Bartsch. Die Pressearbeit muss weiter gestreut und auch die Spielqualität sichergestellt werden.

Kern der Mannschaft bleibt erhalten

Immerhin: „Der Kern der Mannschaft bleibt erhalten“, signalisiert Bartsch. Die Gebrüder Brandstetter zählt er ebenso dazu wie Außenangreifer Fabian Bartsch oder Hauke Ferch. Mittelblocker Iven Ferch wird zwar nach seinem einjährigen Gastspiel wieder zurück zum Erstligisten Herrsching gehen.

Bedauernswerter Abgang: Iven Ferch (Trikotnummer 5) geht zurück zum Erstligisten nach Herrsching.

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Doch die Abteilung hat die Augen offen, verkündet mit dem Slowaken David Fecko den ersten hochkarätigen Neuzugang, der in der ersten slowakischen Liga gespielt hat und aus Amberg nach Mühldorf kommt. „Es gibt einige Vereine, die sich aus finanziellen Gründen zurückgezogen haben. Auch danach haben wir unsere Fühler ausgestreckt, um möglicherweise Spieler abzugreifen“, sagt Bartsch.

Jobangebote sollen Spieler anlocken

Viel zahlen kann der Verein nicht. Doch die Volleyballabteilung hat ein gutes Konzept, um Leistungsträger in die Innstadt zu locken. Der gute Kontakt zu einigen Firmen in der Region macht es möglich, dass Arbeitsstellen vermittelt werden können. Hochkarätige Spieler treten eine Arbeitsstelle an und können gleichzeitig für die Volleyballer angreifen. „Das nennt man dann wohl Win-Win-Situation“, findet Bartsch.

Youngsters im TSV stehen ebenfalls in den Startlöchern

Und dann gibt es ja auch noch die eigene Jugend. Ein starker Nachwuchs, der regelmäßig das Mühldorfer Mühlrad bei Deutschen Meisterschaften vertritt. Jonas Zusann, Fritz Vähning und Kilian Nennhuber heißen die Youngsters, die als nächstes Schritt für Schritt integriert werden sollen. Sie dürfen bereits bei der Ersten mittrainieren und vielleicht auch Zweitliga-Luft schnuppern. „Letztes Jahr ist den Jungs mit ihren 15 bis 16 Jahren der Aufstieg in die Landesliga gelungen, vielleicht können sie uns dieses Jahr noch einmal eine höhere Liga höhere schießen“, so Bartsch, denn auch eine starke zweite Mannschaft ist nötig, um das Projekt 2. Bundesliga nachhaltig zu gestalten. Man freut sich auf die Zweitliga-Saison.

Bartsch: „Wir brauchen Zuschauer!“

Und Bartsch hofft, dass die Bevölkerung das Engagement der Abteilung würdigt. Soweit dies natürlich das Virus zulässt. „Denn eines ist auch klar: Wir brauchen Zuschauer, um auch finanziell über die Runden zu kommen. Geisterspiele wie in der Fußball-Bundesliga können wir uns nicht leisten“, betont Stefan Bartsch.

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