Mühldorfer Psychologin rät Eltern, mit Kindern offen über Corona zu sprechen

Die Corona-Krise hat sich in der Arbeit der Erziehungsberatungsstelle der Caritas kaum niedergeschlagen. Psychologin Ada Leuber ist davon überzeugt, dass Kinder die Krise gut überstehen können, wenn Eltern sie dabei unterstützen.
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Die Corona-Krise hat sich in der Arbeit der Erziehungsberatungsstelle der Caritas kaum niedergeschlagen. Psychologin Ada Leuber ist davon überzeugt, dass Kinder die Krise gut überstehen können, wenn Eltern sie dabei unterstützen.

Die Corona-Fallzahlen steigen wieder und machen unmissverständlich klar, dass die Pandemie mit ihren Einschränkungen noch lange nicht vorüber ist. Die Heimatzeitung hat mit der Psychologin Ada Leuber von der Erziehungsberatungsstelle der Caritas in Mühldorf gesprochen.

Mühldorf – Die Expertin Ada Leuber von der Erziehungsberatungsstelle der Caritas in Mühldorf weiß, wie Kinder mit der Coronakrise umgehen und was Eltern zu können, um Mädchen und Buben auf das Fortdauern der Pandemie einzustellen.

Wie erleben Sie Kinder in der Corona-Pandemie?

Ada Leuber: Sie ist für Kinder kein vorherrschendes Thema. Gerade die jüngeren Kinder kommen ganz gut zurecht. Sie tragen ganz selbstverständlich ihre Masken, die oft von der Oma aus besonderen Stoffen genäht sind. Jugendliche und auch Erwachsene klagen eher über die Regeln.

Schlimm war für alle die Zeit der Ausgangbeschränkungen. Jetzt ist ja wieder mehr möglich.

Ist Corona ein Thema in der Beratung?

Leuber: Nein, bisher nicht.

Wie sieht es mit dem Thema Gewalt in der Corona-Krise aus?

Leuber: Wir haben in der Beratungsstelle keinen Fall gehabt, in dem es um Gewalt in der Familie als Auswirkung der Coronaeinschränkungen gegangen wäre.

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Was fällt Kindern in der Corona-Krise am schwersten?

Leuber: Am meisten haben die Kinder (und die Eltern!) während der Ausgangsbeschränkungen gelitten. Wegfall der von außen gesetzten Struktur des Alltags, der sozialen Kontakte (vor allem auch zu Großeltern, wenn die bisher wichtige Betreuungspersonen waren). Viele Eltern haben das Home-Schooling als anstrengend erlebt. Kinder geben sich oft selbst die Schuld, wenn ihre Eltern durch sie belastet sind. Dies kann die Eltern-Kind-Beziehung beeinträchtigen. Glücklicherweise war der Zeitraum doch nicht allzu lange.

Spüren Sie bei Kindern Angst vor Corona?

Leuber: Nein, ein Angstthema ist das für die Kinder, die bei uns in Beratung sind, nicht. Kinder leben im Hier und Jetzt, es sind andere Themen, die sie beschäftigen, so wie immer.

Was können Eltern tun, um ihren Kindern dabei zu helfen?

Leuber: Kinder brauchen Orientierung und Sicherheit. Dies in diesen Zeiten zu vermitteln, wo keiner sicher sagen, wie es weiter geht, ist nicht einfach.

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Was heißt das konkret?

Leuber: Eltern können mit Kindern die jetzt geltenden Maßnahmen besprechen, wie sie zum Beispiel in Elterninformationen für Schule oder Kindertagesstätten ausgegeben werden. Daran halten wir uns, zu unser aller Schutz. Das wissen die Kinder, was, auf sie zu kommt, das gibt Sicherheit. Wichtig ist es, alle Fragen zu beantworten, auch wenn sie wiederholt gestellt werden.

Nun ist Corona nicht so bald vorbei. Was bedeutet das für die Erziehung?

Leuber: Die Haltung sollte sein, dass die geltenden Hygieneregeln jetzt noch eine Weile so bleiben, also eine Normalität darstellen. Wenn Eltern es schaffen, gelassen damit umzugehen, hilft das den Kindern. Schließlich sind Kinder sehr anpassungsfähig.

Mit diesem Interview beginnen wir die Serie „Kinder und Corona“. Damit will die Heimatzeitung in vielen Facetten zeigen, wie Kinder durch die Corona-Krise kommen. Eltern erhalten viele Tipps, wie sie ihre Kinder dabei begleiten können.

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