Mühldorfer stirbt nach 38 Messerstichen – mutmaßlicher Täter: Zu betrunken, um sich erinnern

Am 19. November 2019 hatte sich die Bluttat in Mühldorf ereignet. 38 Stiche, unter anderem in Kopf und Hals, überlebte das 57-jährige Opfer nicht. Der Angeklagte kann sich an die Tötung nicht mehr erinnen – er hatte zuviel getrunken, sagte er vor Gericht.
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Am 19. November 2019 hatte sich die Bluttat in Mühldorf ereignet. 38 Stiche, unter anderem in Kopf und Hals, überlebte das 57-jährige Opfer nicht. Der Angeklagte kann sich an die Tötung nicht mehr erinnen – er hatte zuviel getrunken, sagte er vor Gericht.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Nach 38 Messerstichen starb im November 2019 ein 57-jähriger Mühldorfer. Nun muss sich ein Bekannter des Verstorbenen deshalb vor Gericht verantworten.  War Eifersucht Auslöser des Angriffs?

Traunstein/Mühldorf – Möglicherweise aus Eifersucht soll ein alkoholisierter Mühldorfer seinem 57-jährigen Nachbarn mit mindestens 38 Messerstichen tödlich verletzt haben. Ein Klappmesser mit einer 8,8 Zentimeter langer Klinge gilt als Mordwerkzeug. Der 47-Jährige sitzt seit Dienstag angeklagt wegen Totschlag vor dem Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs.

Die Bluttat ereignete sich am 19. November 2019 in der Wohnung des 57-Jährigen. Dieser hatte den Angeklagten, den er schon lange kannte, als Nachmieter für das Haus auf der anderen Straßenseite empfohlen. Der 47-jährige Hilfsarbeiter lebte dort seit März 2019 mit einer 36-jährigen Frau. Das Paar wie der Nachbar tranken viel Alkohol. Das bestätigte die Zeugin. Der Angeklagte sei beim Trinken häufig aggressiv geworden und habe sie geschlagen. Deshalb sei sie mehrfach in die Wohnung des 57-Jährigen geflüchtet. Er sei ein „guter Freund – mehr nicht“ gewesen. Nach einer Aussprache am 19. November 2020 sei der 47-Jährige in das Haus auf der anderen Straßenseite gegangen, sie hinterher.

Im Hals eine Wunde in der Größe einer Faust

Gemäß Anklageschrift von Staatsanwalt Markus Andrä betrat der 47-Jährige an jenem Abend gegen 21.50 Uhr das Nachbaranwesen durch die offene Haustür. Das Hilti-Klappmesser trug er in der Jacke. Er griff den 57-Jährigen in der Küche an. Der ebenfalls stark alkoholisierte Mann versuchte, die Attacke abzuwehren, dabei trug der Angeklagte eine Verletzung am Oberschenkel davon.

Sechs Stiche in den Kopf, 13 in den Hals

Das Kampfgeschehen verlagerte sich in das Schlafzimmer, wo der 47-Jährige den Anderen vor dem Bett zu Boden brachte und „mit Tötungswillen“, wie der Staatsanwalt meint, auf das Opfer einstach. Rechtsmediziner stellten bei der Obduktion knapp 40 Stich-Schnitt-Verletzungen fest, verteilt auf den ganzen Körper. Sechs Stiche trafen den Kopf, 13 den Hals. Die rechte Halsseite wies eine tiefe offene Wunde von der Größe einer Faust auf.

Auch der Notruf hörte mit: „Ich habe einen Mann umgebracht!“

Die Notrufe, auch der Untermieter, liegen dem Schwurgericht vor. Auf einem ist die Stimme des Angeklagten zu hören: „Ich hab einen Mann umgebracht. Er ist tot. Er ist tot.“ Mit Hilfe der Leitstelle, die die Frau telefonisch zu Erster Hilfe anleitete, wurde versucht, das Leben des Schwerstverletzten zu retten – vergeblich. Der 57-Jährige verstarb um 23.15 Uhr im Klinikum Mühldorf.

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Keine Erinnerung an die Bluttat

Der Angeklagte, dem Verteidiger Axel Reiter aus Mühldorf zur Seite steht, erzählte am Dienstag viel aus seinem Leben, zu seinem Alkoholkonsum, zur Vorgeschichte der Tat. Mit dem Moment aber, in dem er Richtung Tatwohnung ging, setze jede Erinnerung aus, behauptete er. Erst die vielen Polizeibeamten im Umkreis des Tatorts seien ihm wieder im Gedächtnis.

Rückfall nach Entzugstherapie

Der Angeklagte hatte gerade eine Entzugstherapie hinter sich, im Frühjahr 2019 erlitt er einen Rückfall. Die Schuld daran schob der 47-Jährige auf die Ex-Partnerin, die viel getrunken habe. Ursprünglich hätten er und das Opfer ein gutes Verhältnis gehabt. Das habe sich nach dem Einzug der Frau verschlechtert. An jenem Abend sei die Beziehung für ihn beendet gewesen.

Angeklagter kann sich an Tat nicht erinnern

Er sei „teilweise eifersüchtig gewesen – aber auf jeden Fall nicht so, um einen Menschen umzubringen“. Dass er den 57-Jährigen erstochen habe, wisse er nicht, habe es aber „gelesen“. Er hatte sich in seiner blutverschmierten Kleidung kurz nach der Tat widerstandslos festnehmen lassen.

Kuriose Reaktion: Daumen hoch nach Todesnachricht

Der Sachbearbeiter der Kripo Mühldorf erinnerte sich an mehreren Fragen des 47-Jährigen nach der Festnahme: „Ist er tot?“ Als das noch nicht feststand, bedauerte er: „Schade.“ Später in der Dienststelle war der Tod des Opfers bereits bekannt. Die Reaktion des 47-Jährigen: Er reckte beide Daumen in die Höhe und wirkte „erleichtert“ nach Worten des Kripozeugen. „Zynisch gesagt – er wirkte, als hätte er im Lotto gewonnen?“ Der Beamte fuhr fort, vor der Tat habe sich der Angeklagte einen „Mordstern“ in den Arm geritzt, alles gefilmt und das Video der Ex-Freundin geschickt.

36-Jährige mit widersprüchlichen Aussagen

Schwierig gestaltete sich am Dienstag die Anhörung der 36-Jährigen, die zur Geschehen widersprüchliche Angaben lieferte. Das Gericht hatte sichtlich Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage. Die Zeugin berief sich auch auf ihre Alkoholisierung in jener Nacht.

Der Prozess wird am 24. und 28. Juli, jeweils um 8.30 Uhr, sowie am 4. August um 9 Uhr fortgesetzt.

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