Im Boden der Mühldorfer Katharinenkirche schlummert ein Geheimnis

Diplom-Geograph Martin Maderbefährt mit dem Radarwagen den Altarraum der Kirche. Aus der unterschiedlichen Reflexion der elektromagnetischen Wellen lassen sich Schlüsse über Relikte im Untergrund ziehen. Bartschies

Seit 2017 wird die Katharinenkirche renoviert. Nun wollte man mittels einer Georadaruntersuchung der Geschichte des Bauwerks auf den Grund gehen. Mittlerweile liegt die Auswertung der Messergebnisse vor – mit einem überraschenden Ergebnis.

Mühldorf – Vor dem Altar sind die elektromagnetischen Wellen in etwa 70 Zentimetern Tiefe auf ein 2,20 Meter langes und 75 Zentimeter breites Objekt mit gewölbter Oberfläche getroffen – vermutlich ein Grab oder Sarkophag, wie Dr. Ludwig Waldmann vom Vorstand des Fördervereins Katharinenkirche vermutet. Er würde gerne wissen, wer unter dem Altarraum seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Die Chancen dafür, das herauszufinden, stünden aber nicht sehr gut. Alle beteiligten Stellen zeigten laut Waldmann kein Interesse an einer Erkundung des Grabes.

Bedeutender Mensch liegt hier begraben

Waldmann möchte aber nicht aufgeben und sich für eine Erforschung einsetzen, denn sowohl die Stelle im Altarraum als auch die Größe des Sarkophags legten nahe, dass hier ein bedeutender Mensch beigesetzt worden sei. Waldmann bezeichnet den Fund als sensationell und weist darauf hin, dass Diplom-Geograph Martin Mader, der die Messungen vorgenommen hat, ausdrücklich eine archäologische Grabung vorgeschlagen habe.

Staatliches Bauamt Rosenheim will nicht weiter forschen

Mittlerweile habe ihm der Architekt des Staatlichen Bauamts Rosenheim, das für die Kirche zuständig ist, mitgeteilt, dass eine weitere Untersuchung des Fundes nicht in Frage komme, so Waldmann. Eine Referentin des Landesamtes für Denkmalpflege wolle sich bei ihrem nächsten Besuch über die Arbeiten in der Kirche informieren, aber auch von dieser Seite sei kaum Unterstützung zu erwarten. „Für die Grabungskosten ist ohnehin nicht mit öffentlichen Mitteln zu rechnen. Sie müssten also über Spenden finanziert werden“, sagt Waldmann.

Experten suchen nach alten Mauerresten

„Im Langhaus hat sich bestätigt, dass das Bodenniveau des ersten romanischen Baus, von dem die Mauern im Norden, Westen und Süden bis heute noch stehen, um 1,20 bis 1,40 Meter tiefer lag“, teilt Waldmann mit. Die Anhebung des Bodens auf das heutige Niveau sei aufgrund mehrerer Hochwasserereignisse erfolgt. Die ursprüngliche Idee des Fördervereins für die Radarmessung hatte jedoch vor allem den Altarraum im Blick. Die alte Apsis der Kirche sei etwa um das Jahr 1483 abgerissen und durch eine neue, größere im spätgotischen Stil ersetzt worden. Man wollte erfahren, was hier an ursprünglichen Mauerresten noch vorhanden ist.

Baumaterial abgetragen und für gotische Apsis verwendet

Diesbezüglich waren die Ergebnisse jedoch eher dürftig, da die Messungen nur schwer durchzuführen gewesen seien: Die gemauerten Altäre störten und die schmalen Restflächen hätten die Messgenauigkeit reduziert. „Da das Baumaterial wohl weitgehend abgetragen und für die gotische Apsis verwendet wurde, konnten keine Reste der romanischen Mauer nachgewiesen werden. Da in den östlichen zwei Dritteln der Apsis auch kein Hinweis auf das tiefer gelegene Niveau gefunden wurde, ist davon auszugehen, dass der alte Altarraum relativ kurz war und sich auf den westlichen Teil beschränkte“, erläutert Waldmann die Ergebnisse.

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Fündig wurde Martin Mader bei seinen Messungen hingegen im südlichen Außenbereich der Kirche. Hier deuteten sich Mauerreste an, für die Schürfgrabungen empfohlen worden seien. Die Baurelikte befänden sich jedoch auf Privatgrund, weshalb für eine nähere Untersuchung die Erlaubnis des Besitzers erforderlich wäre, erklärt Waldmann. Die drei Mauern könnten durchaus auf Vorgänger- oder Nebengebäude aus romanischer Zeit hinweisen.

Fresken erstrahlen in neuem Glanz

Im Innern der Katharinenkirche, die seit 2006 aus statischen Gründen gesperrt war, sind mittlerweile die Gewölbe mit stählernen Querträgern verschraubt und so gesichert worden. Derzeit werden der Boden und die Epitaphien restauriert. In neuem Glanz zeigen sich bereits die fünf Fresken im Deckengewölbe. Waldmann hofft, dass die Kirche heuer im Spätherbst wieder eröffnet werden kann. Ein Termin steht mittlerweile fest: Am 26. September wird es ein Benefizkonzert mit Eva Barbarino (Orgel, Cembalo), Florian Sonnleitner (Violine), Arpad György (Kontrabass) und Jutta Batzelt (Sopran) in der Kirche St. Laurentius in Altmühldorf geben. Damit wird eine Verbindung mit Wurzeln zwischen den beiden Gotteshäusern hergestellt: Waldmann zufolge unterstanden beide Kirchen bis ins 17. Jahrhundert dem gleichen Pfarrherrn.

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