Mühldorfer Imker stehen vor vielen Herausforderungen

Imker und Landwirte sollen zum Wohl der Bienen zusammenarbeiten. Stuffer

Mühldorf – Die Imker wollen die Zusammenarbeit mit den Landwirten weiter fördern. Kreisvorsitzender Robert Redinger steht im Interview Rede und Antwort zu den Themen Bienengesundheit, Imkernachwuchs, Honigmengen und die Preisentwicklung des Honigs.

Warum stand beim diesjährigen Imkertag der Waldhonig im Mittelpunkt?

Robert Redinger:Beim Kreisimkertag 2018 in Teising stand das Thema „Artensterben“ im Fokus. Wir Imker, die wir eng mit den Bauern zusammenarbeiten, verfolgen und diskutieren den Artenschwund schon über mehrere Jahrzehnte. Da wir den Kreisimkertag als Informationsplattform für Imker und Bürgerinnen und Bürger unserer beiden Landkreise verstehen, wollten wir in diesem Jahr neue Informationen zur Imkerei weitergeben. Waldhonig wird von Verbrauchern und Erzeugern in gleicher Weise geliebt und geschätzt. Welche enorme Anstrengung, Arbeit und Wissen erforderlich ist, dieses wertvolle Lebensmittel in den Verkehr zu bringen, wollten wir nicht nur denImkern und Bienenzüchtern, sondern auch den Verbrauchern näherbringen. Für Imker aber auch für Verbraucher ist es gut zu wissen, dass es nicht reicht Völker einfach in den Wald zu stellen und zu warten, sondern wenn man den begehrten Waldhonig ernten will, sehr viele Kenntnisse und Erfahrung benötigt.

Welche weiteren Schwerpunkte standen beim Imkertag auf der Tagesordnung ?

Redinger:Ein Schwerpunkt war der Rückblick auf den Kreisimkertag 2018 und was sich daraus ergeben hat. Die Vorstellung der Blühflächen-Aktion der Bauernschaft. Zur besseren Nachhaltigkeit für Insekten haben die Bauern das Angebot auf fünf Jahre aufgestockt. (Blühpatenschaft 100 Quadratmeter für fünf Jahre 225 Euro). Eine tolle Idee - aber die Annahme in der Bevölkerung ist leider sehr gering. Ein weiterer Punkt war die Vorstellung, der vom Landwirtschaftsministerium indizierte beispielhafte Partnerschaft zwischen Imker und Bauer: „Landwirt. Imker, Miteinander“.Ziel dieser Aktion ist, die Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirten zu fördern und diese zu veröffentlichen. Ausgezeichnet werden besondere Partnerschaften, die als Leuchtturm-Projekte auch für andere Regionen dienen können.

Sterben die Imker aus, oder gibt es im Landkreis Mühldorf genügend Nachwuchs?

Redinger:Die Imkerei erfreut sich nach wie vor einer großen Resonanz. Die Zahl der Anfänger ist immer noch auf einem hohen Level, wenngleich es sich abzeichnet, dass der Zenit bereits überschritten ist. Sicherlich wird der oder die andere wieder aufhören, wenn sie erkennen, welch großer Aufwand an Zeit und Arbeit hinter diesem Hobby steckt – aber Aussterben werden die Imker vorerst sicherlich nicht.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Welche Bienenkrankheiten plagen derzeit die heimischen Imker?

Redinger: Neben Viren und Bakterien, ist die Varroamilbe sicherlich die größte Plage. Sie ist der einzige Parasit, der im Stande ist, seinen Wirt zu töten und dies auch tut, wenn der Imker nicht eingreift. Sie saugen an der Lymphe, das Blut der Bienen welches durch die Bienen nicht ersetzt werden kann und ernähren sich vom Eiweißpanzer der Bienen und deren Brut. Damit schädigen sie ihren Wirt bis zu dessen Tod. Aufgrund der Verletzungen die sie Bienen und Brut durch Bisse und Stiche zufügen, haben Viren und Bakterien freien Zugriff auf das Immunsystem der Bienen. Krankheiten, von denen man dachte, man hätte sie im Griff, treten wieder auf; wie der Flügeldeformationsvirus.

Wird der Honig aus der Region zu einem raren Gut?

Redinger: In der Summe steht es für den Honig in unserer Region nicht schlecht. Die letzten Jahre waren je nach Standort, unterschiedlich und oft nicht gerade von Honigreichtum gesegnet. Unter dem warmen Klima leiden die Bienen, denn das Futterangebot wird durch die warmen Sommer immer magerer, da die pflanzliche Nektarproduktion auf Feuchtigkeit angewiesen ist. Die warmen Winter zehren an den Kräften der Bienenvölker und verlangen ihnen große Mengen an Energie ab, welche ihnen zum Aufbau großer und leistungsfähiger Völker im Frühjahr fehlt. Fehlende Blühflächen im Frühjahr und vor allem während der Sommermonate tragen nicht zum Wohlbefinden der Bienen und Insekten bei. Blühflächen im Herbst sind wider der Natur, bringen keinen verwertbaren Honig und belasten Bienen und Insekten enorm. Der Herbst dient der Natur zur Vorbereitung auf den Winter. Sollte sich der Trend der Klimaerwärmung verstärken, wird Honig bestimmt zu einem Luxusartikel.

Wie sehen Sie die Preisentwicklung für den Honig aus der Region?

Redinger: Honig ist ein einzigartiges Naturprodukt. Dafür stehen den Bienen grundsätzlich zwei unterschiedliche Quellen zur Verfügung: der Nektar der Blüten und der Honigtau von Nadelbäumen. Honig besteht zu 75 bis 80 Prozent aus energiereichem Traubenzucker und Fruchtzucker. Dazu kommen andere Zucker, Blütenpollen, Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme und Wasser. Bis zu 180 Begleitstoffe sind bekannt.

Interview: Josef Bauer

Kommentare